Allgemeine Berichte | 15.03.2024

Stolperstein für einen Immendorfer Sportsfreund

Drei Jugendliche und ein Senior erinnern mit einem gelungenen Projekt an einen im Holocaust getöteten Mitbürger

V.li Initiator des Projekts Gerhard Voell, die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs, Julian Kraus, Jarne Schreiber, Mika Scherhag und der aktuelle Vorsitzende des TuS Immendorf Carsten Stammel. Fotos: Michaela Cetto/TuS Immendorf

Immendorf. Was macht man eigentlich als Jugendlicher in Immendorf? Eine ganze Menge. Am liebsten Fußball. Da sind sich Jarne, Julian und Mika einig. Zwischen Hausaufgaben und Training schieben die drei aber auch gerne ein bisschen Geschichtsforschung ein. Das Ergebnis ihrer Recherchen ist seit kurzem auf dem Sportplatz zu bewundern. Dort liegt ein blank polierter Stolperstein für einen ehemaligen Vorsitzenden ihres Sportvereins, dem heutigen TuS Immendorf: Friedrich Julius Michel.

Viele Gäste hatten sich auf dem kleinen Rasenplatz versammelt, um live dabei zu sein, als ein Mitarbeiter des Kommunalen Servicebetriebs den kleinen goldenen Quader in den Boden einsetzte, der an die Deportation jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger, an ihre furchtbaren Qualen und an das schreiende Unrecht erinnern soll. In ihrem gemeinsamen Vortrag erzählten die drei Jungen von dem Mann, dessen Name den Stein ziert und der zur Dorfgemeinschaft gehörte, wie heute so selbstverständlich jeder, der Immendorf sein Zuhause nennt.

Friedrich Julius Michel führte in den 1920er-Jahren die Geschicke des Vereins. Mit seiner Familie lebte er in dem Haus mit der heutigen Adresse Ringstraße 23 und betrieb zusammen mit einem ganzen Schwung jüdischer Mitbürger einen regen Handel im Ort. Die allermeisten Immendorfer Juden überlebten den Holocaust nicht. „Wir dürfen die Schreckensherrschaft der Nazis niemals vergessen“, appellierten die drei Jugendlichen.

Maßgeblich unterstützt wurden sie bei ihren Recherchen von Gerhard Voell, selbst ehemaliger Vorsitzender des Vereins und als Hüter der Vereinsgeschichte ein wahres wandelndes Lexikon. Der 81-Jährige ist auch Initiator des Projekts, das damit nicht nur Geschichte in die Gegenwart holt, sondern auch Generationen verbindet. Die große Gesellschaft von Jung und Alt auf dem Sportplatz legte davon eindrucksvoll Zeugnis ab. Auch Gerhard Voell hatte einiges zu erzählen, zum Beispiel, wie wichtig es ihm und den Jungs war, dass der Stolperstein nicht wie üblich vor dem Wohnhaus des deportierten Juden verlegt wurde, sondern an seinem Wirkungsort, dem Sportplatz. Genau hier soll der Stolperstein an das Leben von Friedrich Michels und die grausame Ermordung erinnern.

„Es ist zwar nur ein kleines Zeichen“, sagte Jarne. „Aber ich finde, auch kleine Zeichen sind wichtig.“ Eine Aussage, der nicht nur die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs sofort und vehement widersprach: „Es ist ein kleiner Stein, aber ein großes Zeichen“, betonte sie. „Ihr habt hier etwas ganz Tolles geschaffen.“

Und beim nächsten Fußballspiel in Immendorf haben alle einen guten Grund, auf den Boden zu schauen - egal, ob das Spiel mit einer Niederlage oder einem Sieg endet.

BA

Drei Jugendliche und ein Senior haben gemeinsam recherchiert, Bücher gewälzt, ihre Nasen in alte Dokumente gesteckt und so das Leben und Wirken des einstigen Vereinsvorsitzenden Friedrich Michel beleuchtet. Mit einem blank polierten Stolperstein auf dem Sportplatz erinnern sie daran.

Drei Jugendliche und ein Senior haben gemeinsam recherchiert, Bücher gewälzt, ihre Nasen in alte Dokumente gesteckt und so das Leben und Wirken des einstigen Vereinsvorsitzenden Friedrich Michel beleuchtet. Mit einem blank polierten Stolperstein auf dem Sportplatz erinnern sie daran.

V.li Initiator des Projekts Gerhard Voell, die Koblenzer Bürgermeisterin Ulrike Mohrs, Julian Kraus, Jarne Schreiber, Mika Scherhag und der aktuelle Vorsitzende des TuS Immendorf Carsten Stammel. Fotos: Michaela Cetto/TuS Immendorf

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Boomerang : Wenn man sich so intensiv um verarmte Kinder oder alte Menschen kümmern würde....
  • Tanja Busch : Ich kaufe am liebsten nachhaltig und finde es mehr als schade, dass Inpetto schließen musste. Es war immer ein Erlebnis dort einzukaufen und ich würde mir wünschen, dass sich ein neuer Platz in Bendorf anbietet für Second Hand Ware.

Illegale Müllentsorgung sorgt erneut für Ärger

  • Heuschrecke: Das ist leider nicht nur in Kesselheim es sieht leider überall an den Container so aus
  • Boomerang : Schlimme Zustände. Allerdings wird da anscheinend auch nicht oft genug geleert. Und der Wertstoffhof war zwischen den Jahren komplett zu.
DA bis auf Widerruf
Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, Januar 2026
Stellenausschreibung "Sachbearbeiterin" - Auftraggeber Regina Elsting
Titelanzeige KW 3 Tagespflege
Handwerker für Hausmeistertätigkeiten
Schichtführer Dosenanlage
Empfohlene Artikel

Remagen. Anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Selbsthilfegruppe Frauen mit/nach Krebs Remagen findet in diesem Jahr an drei Abenden eine Vortragsreihe rund um das Thema Krebs und seine Bewältigung statt.

Weiterlesen

Ruitsch. Dank der freiwilligen Helfer des Vorstands der Interessen-Gemeinschaft-Ruitsch (IGR) verlief der Abbau der Weihnachtsdekoration in Ruitsch reibungslos. Die engagierten Unterstützer schafften es, die Aufgabe an einem Samstagmorgen, dem 10. Januar, innerhalb von etwas mehr als einer Stunde zu erledigen.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Lesungen der vhs-Gruppe „Schreiben!“ im Februar

Literarische Häppchen

Andernach. Die Teilnehmenden des Volkshochschul-Kurses „Schreiben!“, unter der Leitung der Autorin Gabriele Keiser, laden im Februar zu Lesungen links und rechts des Rheins ein. Am Sonntag, den 1. Februar, sind sie um 15.00 Uhr zu Gast im Seniorenzentrum Katharina Kasper in der Andernacher Innenstadt. Und am Donnerstag, den 5. Februar, lädt um 18.00 Uhr das food hotel Neuwied zur Lesung im Bistrorant „Bildungslücke“ ein.

Weiterlesen

Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Image
Dauerauftrag 2026
Daueranzeige Januar
Aushilfe gesucht
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Image Anzeige
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Wir helfen im Trauerfall
Unternehmen erfolgreich regional
Seniorensitzung der Stadtsoldaten
Titelanzeige
Danksagung Familie Dietenhofer
Gesamtrechnung 2026