Tag der offenen Tür beim Familiensportbund zum 70. Jubiläum
Tennis, Schwimmen, Volleyball und vieles mehr im Adamskostüm
Naturisten öffneten das vereinseigene Sportgelände für Gäste – Hoher Jugendanteil unter den FKK-Fans
Wachtberg-Arzdorf. Es hat eine Weile gedauert, bis man sich an „die Nackten“ gewöhnt hatte. Eigentlich musste man das ja auch gar nicht. Denn in den 60 Jahren des 70-jährigen Vereinsbestehens, die die Naturisten im Familiensportbund auf dem Hügel in Arzdorf ihr Domizil haben, dürfte wohl kaum ein Wachtberger versehentlich jemandem im Adamskostüm begegnet sein. Vor einer Geländeerweiterung durfte man sich dort nämlich nur in bestimmten sichtgeschützten Bereichen entblättert aufhalten, nach der Erweiterung umgaben ein Zaun und eine dichte Hecke das Gelände – bis heute.
Sich nackt in freier Natur zu bewegen oder unbekleidet Sport zu treiben sei hier keine Pflicht, sondern eine Möglichkeit, erfuhr man beim Tag der offenen Tür. Da man hier eine feste Gemeinschaft sei, mache man sich auch wegen unpassender Fotos keine Sorgen, erklärte Friedhelm Trinkl, der Vorsitzende des Vereins. „Wir sind uns hier einig: Jeder fotografiert nur seine eigene Familie, oder er fragt vorher, ob ein Foto in Ordnung ist.“
Was ohnehin viel wichtiger ist als das Nacktsein, ist der Sport auf dem Gelände. Tennisplatz, Beachvolleyballfeld, Tischtennis im Freien und für den Fall unpassenden Wetters auch im Haus werden angeboten. Außerdem gibt es ein Mehrzweckfeld, auf dem man viele Sportarten realisieren kann. Boule oder Crossrunning auf dem Rundweg seien weitere Möglichkeiten, sich hier fit zu halten. Beim Sommerfest, das traditionell einen Tag vor dem Tag der offenen Tür stattfindet, nahmen hier Jung und Alt sogar an einer kleinen Olympiade teil. Unter den klassischen Sportarten lockte das Bobbycar-Wettrennen besonders die Kleinen, sehr fitte Naturen drehten trotz Hitze eine Crossrunning-Runde nach der anderen. Wieder andere übten ihr Gleichgewicht auf dem SUP-Brett und genossen, wenn es einmal nicht so gut lief, den Sturz ins kühlende Nass des Sees.
Besonders vielfältige Möglichkeiten bietet der vereinseigene Badesee. „Eigentlich war der Bereich als stehendes Gewässer in dem alten Steinbruch nicht gut als Badesee nutzbar“, berichtete Trinkl. Man habe sich fachlich beraten lassen und alles so eingerichtet, wie der Fachmann erklärt hatte: Wasser wird aus tiefen Schichten in den oberen Bereich des Steinbruchs gepumpt, durchläuft verschiedene mit reinigenden Pflanzen besetzte Flächen und wird als offener Mini-Bach zurück in den See geleitet. „Wir nehmen regelmäßig Proben und haben hier beste Badesee-Wasserqualität“, sagte Trinkl. Seit einiger Zeit kann man hier auch Stand Up Paddling betreiben.
Seit 2007 ist Friedhelm Trinkl hier Vorsitzender, seit 2008 gibt es den jährlichen Tag der offenen Tür. „Es besteht reges Interesse an Mitgliedschaften“, so Trinkl. Nachwuchsprobleme hat man hier eher nicht. Rund 400 Mitglieder zählt der Verein, darunter etwa 60 Kinder und Jugendliche. Auch der Sportbund hat die Förderung des Breitensports im Familiensportbund verfolgt und zeichnete den Verein anlässlich des 70-jährigen Jubiläums und aufgrund des breit gefächerten und gut angenommenen Sportangebots mit einer Urkunde für das „vorbildliche bürgerschaftliche Engagement und die Förderung des gemeinnützigen Breitensports für Familien in NRW“ aus. Auch Friedhelm Trinkl erhielt eine Auszeichnung für sein jahrzehntelanges Engagement für den Verein. Zuerst hatte er sich als Schatzmeister eingebracht, seit zwölf Jahren ist er als Vorsitzender aktiv.
Vor der Start- und Zielliinie für das Crossrunning zeigen der Vorsitzende Friedhelm Trinkl und Schatzmeister Dieter Klein die Auszeichnung des Familiensportbunds. Foto: Petra Reuter
Wie eine Oase fügt sich der Naturbadesee ins das Grün der Landschaft. Foto: Petra Reuter
