Allgemeine Berichte | 12.01.2024

Historisches „Capriccio“: Andernacher Stadtmuseum erwirbt Schütz-Gemälde

Verbindung von Phantasie und Landschaft in der Malerei

Das Stadtmuseum konnte seine Sammlung um ein wertvolles Gemälde ergänzen. Darüber freuen sich Bürgermeister Claus Peitz (rechts) und Museumsleiter Dr. Kai Seebert.  Foto: Stadt Andernach/Maurer

Andernach. Ein kürzlich für die Sammlung des Andernacher Stadtmuseums erworbenes Gemälde aus der Zeit um 1780, gemalt vom berühmten Frankfurter Maler Christian Georg Schütz d.Ä. (1718–1791), bietet einen einzigartigen Einblick in die Kunstgeschichte. Auf den ersten Blick erscheint das Bild ungewöhnlich: Es zeigt eine detailgetreue Darstellung der Stadt Andernach, umgeben von einer untypischen, schroffen Berglandschaft. Die Wahrzeichen Andernachs wie der runde Turm, der Mariendom, die Minoriten-Franziskanerkirche (Christuskirche) und das Rheintor samt damaliger Stadtmauer sind klar erkennbar.

Das Werk ist ein sogenanntes „Capriccio“, eine künstlerische Komposition, in der Schütz verschiedene Szenen, die er bei Andernach und Oberwesel skizziert hatte, neu zusammenfügte. Diese Stilform, die weniger auf topographische Genauigkeit als auf die malerische Wirkung der Szenerie abzielt, war im 17. und 18. Jahrhundert besonders in Italien und den Niederlanden beliebt. Schütz entwickelte daraus in Deutschland einen neuen Typus, der als Vorläufer der Rheinromantik des 19. Jahrhunderts gilt. Besonders beeinflusst wurde er von den phantastischen Rheinlandschaften des niederländischen Malers Herman Saftleven (1609–1685).

Schütz erzielte mit seinen Gemälden auch großen wirtschaftlichen Erfolg, was die Produktivität seiner Werkstatt und die hohe Wertschätzung seiner Werke, darunter Landschaftsgemälde, belegen. Zu seinen Schülern zählte unter anderem sein Sohn Johann Georg Schütz (1755–1813), der später in Rom tätig war und zum engsten Kreis um Johann Wolfgang von Goethe gehörte.

Die Gemälde von Schütz, darunter kleinformatige Kabinettstücke und Wanddekorationen, waren in vielen Frankfurter Patrizierhäusern zu finden. Sie prägten das Bild des „romantischen“ Mittelrheintals nachhaltig. Selbst 70 Jahre nach dem Tod des Künstlers lobte der Frankfurter Bürgermeister und Kunstsammler Philipp Friedrich Gwinner (1796–1868) Schütz‘ Landschaftsgemälde für ihre künstlerische Darstellung und Naturschönheit.

Das Andernacher Museumsteam um Museumsleiter Dr. Kai Seebert betrachtet die Erwerbung des Gemäldes, eine der frühesten gemalten Stadtansichten von Andernach, als bedeutende Bereicherung der Museumssammlung. Derzeit kann das Werk nur nach vorheriger Terminvereinbarung im Stadtmuseum besichtigt werden (Tel.: 02632/308133). Eine Publikation über die Sammlungs-Neuzugänge der letzten fünf Jahre ist in Vorbereitung und wird in der Reihe der „Andernacher Beiträge“ erscheinen.BA

Das Stadtmuseum konnte seine Sammlung um ein wertvolles Gemälde ergänzen. Darüber freuen sich Bürgermeister Claus Peitz (rechts) und Museumsleiter Dr. Kai Seebert. Foto: Stadt Andernach/Maurer

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