Corona Alltag im Seniorenheim Marienburg Kempenich

Verharren im „Lock down“

Es gibt kaum Lockerungen im Heimalltag - Die Bewohner versuchen, das Beste daraus zu machen

Verharren im „Lock down“

Die Hygienevorschriften bestimmen immer noch stark den Alltag der Heimbewohner. Foto: privat

23.06.2020 - 10:14

Kempenich. Inzwischen ist nach über einem Vierteljahr in der Marienburg so etwas wie ein „Corona – Alltag“ eingekehrt.

Bewohner*innen und das Personal haben sich mit all den Veränderungen und Einschränkungen, die das Leben in der Corona Krise mit sich brachte, arrangiert und probieren, das Beste aus der Situation zu machen. Während „draußen“ sich allmählich alles lockert, öffnet und normalisiert, herrscht im Hause immer noch „Lock down“, d. h. Ausgangssperre.

Bewohner*innen dürfen das Heimgelände nicht verlassen. Alle vermissen schmerzlich Spaziergänge durch den Ort oder ins nahe gelegene Kreuzwäldchen. Eine Bewohnerin sehnt sich nach dem sonnendurchfluteten Fahrradweg, auf dem sie so gerne entlang flanierte.

Viele gingen noch einmal gerne zum Einkaufen in den Edeka; zum Kaffeetrinken ins dortige Café‘ oder Bekannte besuchen im Ort.

Die Lockerung des Besuchsverbots freute natürlich alle. Besuch ist aber nur unter strengen Hygieneauflagen möglich.

Nach vorhergehender telefonischer Anmeldung und Registrierung gibt es täglich Besuchszeiten von 10 bis 11.30 Uhr und von 15 bis 16.30 Uhr. Je eine Person darf für eine halbe Stunde zu Besuch kommen, jedoch nicht in die Wohnbereiche, sondern in die Eingangshalle, wo im Erdgeschoss und im Obergeschoss jeweils drei Besucher Einlass erhalten, oder in den Außenbereichen.

Schutzmasken für Besucher und Bewohner sind Pflicht. Damit tun sich viele Bewohner schwer, weil sie unter den Masken Beklemmungen bekommen oder die Brille beschlägt. Außerdem wirkt der Besuch durch die Masken fremd, weil die Mimik nicht sichtbar ist. Viele können ihr Gegenüber schlecht verstehen, weil die Maske die Stimme dämpft und man Worte nicht vom Mund ablesen kann.


Neue Regeln und nur wenig Ablenkung


Die Abstandsregeln müssen strikt eingehalten werden, was den meisten schwerfällt, weil ihnen die körperliche Nähe doch sehr so fehlt. Eine Umarmung oder die Hand zu halten ist ein großes Bedürfnis, aber nicht möglich. Trotzdem sagen alle: Besser mit Einschränkungen als gar kein Besuch.

Die Bewohner*innen dürfen den jeweiligen anderen Wohnbereich nicht betreten. Sie vermissen nach wie vor die Aktivierungsangebote in Großgruppen, vor allem das beliebte Bingospiel oder auch Feste und andere Gruppenangebote, die im Sommer im beliebten Pavillon draußen stattfanden.

„Mit anderen zusammen macht alles viel mehr Spaß, und außerdem reizt die Herausforderung, sich mit anderen zu messen, vor allem beim Gedächtnistraining“, meinte eine Bewohnerin.

Auch intensive Einzelbetreuung kann die Sehnsucht nach sozialem Miteinander nicht auffangen. Der Kampf gegen die Langeweile und Eintönigkeit im Heimalltag ist für die soziale Betreuung jeden Tag eine neue Herausforderung. Schon früh wurde vom Haus ein Tablet angeschafft, damit die Bewohner per Video Telefonie mit ihren Angehörigen kommunizieren konnten, also nicht nur HÖREN sondern auch SEHEN .Die Senioren waren begeistert von der Technik und die Angehörigen dankbar, so mit ihren Lieben in Kontakt zu bleiben.

Zur Freude von allen gab es aber eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität von „außen“. Als die Gesichtsmasken knapp wurden, brachte ein Aufruf über Facebook schnelle Hilfe.


Großzügige Spenden von Privat- und Geschäftsleuten


Edeka Keller aus Kempenich spendete spontan 1000 Masken. Mitarbeiter und deren Angehörige stellten als erste selbst genähten Mund – Nasenschutz unentgeltlich her. Darunter Frau K. Ferschel aus Neckarsulm, der über eine Freundin der Aufruf mitgeteilt wurde. Die Behelfs-Mundmasken- Gruppe Sinzig Rhein-Ahr überbrachte 120 selbst genähte Masken. Frau Schomisch aus Nürburg nähte dreimal für das Seniorenheim. Firma Fibrolith aus Kempenich spendete 200 Masken. Frau Dr. Maria Weigelt aus Kempenich stiftete 60 FFP2 Masken von der Firma ZF. Fr. Hopp aus Hain nähte 30 Masken. Und auch Conny Mannebach aus Kirchwald stiftete selbst genähte Masken für Bewohner und Mitarbeiter. Die Firma Profi Parts überbrachte spontan 400 Masken. Die St. Barbara Apotheke stiftete Masken und Desinfektionsmittel.


Kreativität für Unterhaltung im neuen Alltag ist gefragt


Es wird alles getan, den Bewohnern den Lock down zu erleichtern. Da der traditionelle Kirmesfrühschoppen mit Spießbratenessen wegen der Krise ausfallen musste, brutzelte am Kirmesmontag Eifler Spießbraten vor dem Heim am großen Holzdrehgrill und mundete allen am Mittag vorzüglich. Dazu gab es köstlichen Kartoffelsalat, den die Heimleiterin Rita Gasper nach ihrem leckeren Geheimrezept zubereitet hatte. Als passionierte Hobbybäckerin überraschte sie aus Anlass ihres Geburtstags die Bewohner*innen mit köstlichen Kreationen von Erdbeertorten, die begeistert bis auf den letzten Krümel weggeputzt wurden.

Die Feiertage und Kirchenfeste wurden auch besonders gewürdigt mit Gottesdiensten, die von der Kapelle aus über Haus TV an den Fernsehern mitgefeiert werden konnten, so z. B. das feierliche Pfingsthochamt mit P. Elias aus Maria Laach. Hier durften erstmals fünf Heimbewohner*innen - mit Schutzmasken und gebotenem Abstand voneinander – teilnehmen.

Sehr beliebt waren auch die Marienandachten im Mai, die die Bewohner*innen mit anrührenden Liedern und Gebeten besonders bewegten.

In der Eingangshalle war eigens ein traditioneller Maialtar mit großer Madonna und Blumenschmuck hergerichtet worden.

An Fronleichnam schmückte ein Teppich aus Papierblüten mit christlichen Motiven den Altar, den Hausseelsorger Dirk Büser mit einigen Bewohnerinnen farbenprächtig kreiert hatte.

Der Juni ist Herz – Jesu – Monat, in dem wöchentlich eine Herz – Jesu – Andacht über Haus TV übertragen wird. Trotz allen Angeboten in der Einzelbetreuung wird alles gerne angenommen, was von außen im Kampf gegen die Langeweile in den Heimalltag kommt. So spendete Antje Berger ein großes Gesellschaftsspiel, andere erfreuten mit bunt bemalten Steinen und schufen damit die Idee, selbst Steine und Schieferplatten zu bemalen, um das dank einer Spende der Maria Laacher Gärtnerei neu geschaffene Kräuterbeet im Sinnesgarten zu verschönern. Spaziergänge im Sinnesgarten sind sehr beliebt, die Gartenarbeit bei einigen zum neuen Hobby. Immer wieder wird von einigen Eifrigen Unkraut gezupft und die Blumen gegossen.

Erstaunlich ist, dass auch demente Bewohner*innen Blumen, Pflanzen und Kräuter benennen können und sich an deren Duft und den Blüten erfreuen.

Für musikalische Abwechslung sorgt „Hausmusikus“ Rudi Sabrowski mit seiner Gitarre. Drinnen und draußen erfreute er die betagten Menschen mit Ohrwürmern und Evergreens.

Für die kommende Zeit haben die Goldbachmusikanten ihr Kommen zugesagt, ebenso wie Liedermacher Helmar Hoffmann, der schon 2 Mal in Corona Zeiten alle mit Liedern und Gitarrenspiel erfreute. Schön wäre es, wenn die Briefpatenschaften, wie z. B. mit dem Gymnasium Calvarienberg in Ahrweiler, neu belebt werden könnten. Jedermann kann teilnehmen, jeder Brief ist willkommen und wird bei der sozialen Betreuung vorgelesen. Ein paar nette Grußworte, eine „Mutmachbotschaft“ oder ein paar Sätze über das Leben „draußen“ erfreuen die alten Menschen ungemein. Kontakte nach außen können einem „Lagerkoller“ entgegenwirken!

Bei den aktuell sinkenden Infektionszahlen keimt die Hoffnung, dass die Ausgangssperre bald etwas gelockert werden kann.

Artikel bewerten

rating rating rating rating rating
Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.
Stellenmarkt
Weitere Berichte

Die Hochwasserlage am Deutschen Eck ist am Sonntagabend aber entspannt

Koblenz: Campinggäste werden nach Hause geschickt

Koblenz. Die Hochwasserlage ist am Deutschen Eck entspannt, aber es regnet beständig weiter. Der Campingplatz am Neuendorfer Eck, direkt an Zusammenfluss von Rhein und Mosel gelegen, hat hohe Einbußen. Laut Betreiber stehen fast alle Plätze leer. Über 150 Plätze für Zelte und vor allem Wohnmobile mussten frei geräumt werden und die Camper wurden wieder nach Hause geschickt. mehr...

Ein kurzes, aber heftiges Gewitter zog über die Gemeinde

Starkregen: Viele Einsätze für die Feuerwehr Wachtberg

Wachtberg. Am späten Samstagnachmittag zog ein kurzes aber heftiges Gewitter über die Gemeinde Wachtberg und sorgte für einige Einsätze für die Freiwillige Feuerwehr Wachtberg. Durch den Starkregen konnten die Felder oberhalb der Ortschaft Wachtberg-Pech das Wasser nicht mehr aufnehmen und flossen ungebrenzt in Richtung Ortschaft. mehr...

Regional+
 

So ist die Lage in der Moselstadt

Hochwasser bei Cochem: Wasser steht bei 8 Metern

Cochem. Auch am frühen Abend hat das Hochwasser an der Mosel die Stadt Cochem fest im Griff. Der Wasserstand beträgt derzeit etwa acht Meter. Bis Dienstag sind fallende Wasserstände vorhergesagt. mehr...

Die Feuerwehren aus Bad Hönningen und Andernach waren im Einsatz

Hochwasser: Zelt im Rhein löst Polizei- und Feuerwehreinsatz aus

Leutesdorf. Am gestrigen Samstag, den 18.05.2024 wurde der Polizeiinspektion Neuwied gegen 16 Uhr durch Spaziergänger ein Zelt gemeldet, welches am Rheinufer im Bereich Leutesdorf schwimmen würde. Das Zelt sei in der Vergangenheit bewohnt gewesen und nun durch das Hochwasser geflutet worden. Da nicht ausgeschlossen werden konnte, dass sich in dem Zelt noch eine Person befindet, wurden die Feuerwehren der Verbandsgemeinde Bad Hönningen sowie Andernach alarmiert. mehr...

Anzeige
 
Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag erstellen zu können.
Weitere Berichte
Feuer im Hotel Kannenbäckerland

Gleich zweimal brannte es am Wochenende in dem ehemaligen Hotel

Feuer im Hotel Kannenbäckerland

Ransbach-Baumbach. Am Wochenende kam es am Samstag und am Sonntag, jeweils zu einem Brand im ehemaligen Hotel Kannenbäckerland in Ransbach-Baumbach. Bei beiden Bränden ist von Brandstiftung auszugehen.... mehr...

Sinzig: Feuerwehr und THW im Einsatz 

In Schloss Ahrenthal drohte ein Wassereinbruch 

Sinzig: Feuerwehr und THW im Einsatz 

  Sinzig. Am Samstag den 18. Mai kam es bedingt durch den anhaltenden Regen zu lokalen Überschwemmungen im Stadtgebiet Sinzig. Schwerpunkt bildete hierbei das Einzugsgebiet des Harbaches von Franken kommend. mehr...

Hochwasser: Bislang keine Einsätze am Rhein

In Bendorf und Vallendar blieb es ruhig.

Hochwasser: Bislang keine Einsätze am Rhein

Bendorf/Vallendar. Durch die starken Regenfälle und das daraus resultierende Hochwasser sind die Pegelstände an Rhein und insbesondere Mosel deutlich angestiegen. In den Ortslagen Vallendar und Bendorf wurden in diesem Zusammenhang bislang keinerlei polizeilichen Einsätze oder Sperrungen notwendig. mehr...

„Was der Dom für Köln, ist die
KG-Rot-Weiß für Münstermaifeld!“

Bürgermeisterkandidat Erich Krämer bei der KG Rot Weiß

„Was der Dom für Köln, ist die KG-Rot-Weiß für Münstermaifeld!“

Münstermaifeld. Wofür steht Münstermaifeld? Was ist unser Markenkern? Den meisten von uns fällt zu diesen Fragen ein, dass wir eine kleine Stadt mit großer Geschichte sind, dass wir uns als Tourismusmagnet in der Region sehen und spätestens jetzt fällt uns unser „Meensterer Karneval“ ein. mehr...

Leserbrief zum Starkregenereignis in Gelsdorf

„Hat man nicht dazu gelernt?“

2021 bei der Flut im Ahrtal haben wir unser gesamtes Eigentum und unsere Heimat verloren. 2023 haben wir in Gelsdorf ein neues zuhause gefunden. mehr...

Gemeinderat tagte

Gemeinderat tagte

Hönningen. Kürzlich fand die vorletzte Gemeinderatssitzung vor der Kommunalwahl am 09. Juni 2024 statt. Eine umfangreiche Tagesordnung lag den Ratsmitglieder vor, die jedoch ruhig und konzentriert abgearbeitet wurde. mehr...

Toller 4. Platz für die Fußballer

Grundschule Polch

Toller 4. Platz für die Fußballer

Polch. Nach der Vorrunde, bei der ausgewählte Kinder der Jahrgangsstufen 3 und 4 alles gewannen und gegentorlos blieben, stand nun die Endrunde der Fußball-Kreismeisterschaft der Grundschulen des Kreises Mayen-Koblenz an. mehr...

Zwei Rheinland-Meisterschaften für Leonie Kupser

DJK Ochtendung 1920 e.V. – Abteilung Leichtathletik

Zwei Rheinland-Meisterschaften für Leonie Kupser

Ochtendung. Bei sommerlichen Bedingungen ging es am Himmelfahrtstag für Leonie Kupser nach Wittlich zu den Rheinlandsmeisterschaften. Gemeldet war sie für die 400m und die 200m der unter 20-Jährigen Frauen (U20). Da Leonie die Rheinland-Bestzeiten hält, war sie Favorit in beiden Rennen. mehr...

Teil des American
Football Teams werden

Mosel Valley Tigers suchen Football-Enthusiasten

Teil des American Football Teams werden

Leienkaul. Alle American Football Fans aufgepasst. Bei den Mosel Valley Tigers ist jeder, egal ob erfahren oder unerfahren genau richtig. Der Verein bietet professionelles Coaching, Leihequipment und spannende Teamveranstaltungen an. mehr...

LESETIPPS
GelesenNeueste
Kommentare
Beate Wagner:
Die Dummheit stirbt leider nicht aus..... Wir haben auf der Webcam gesehen, dass die Menschen sogar an den Schutzmauern in Zell standen um Fotos zu machen, als die Mosel schon übergelaufen ist. Wie blöd muss man sein? Ich wünsche allen viel Kraft, hoffentlich sinkt das Wasser bald....
Anne-Kathrin Mey:
Solche Menschen sind für mich höchst verantwortungslos, die ohne Rücksicht gaffen müssen. Wir waren auch in Cochem Urlaub machen und sind am Freitag wieder zurück nach Thüringen gefahren. Alle betroffenen Anwohner in Cochem und Moselgebiet wünschen wir viel Kraft und Zuversicht für die kommenden Tage...
Michael Adolf:
Lasst diese völlig Irren doch Sandsäcke schleppen, geht gar nicht so etwas, immer das gleiche Unterste Schublade, endlich mal richtig und hart durchgreifen , solche Idioten finden das Leid der anderen auch noch gut, einfach nur Traurig ...

Wilde Verfolgungsjagd durch Mayen

Kordula Meixner:
Ist es nicht möglich aus den angrenzenden Orten ,die Polizei Kollegen zur Hilfe zu holen ? Wenn der Fahrer flüchte und nicht verfolgt werden kann ,müsste doch andere Stellen ihn abfangen können. Sowas müsste doch Heute Hand in Hand gehen....

Cochem: Das Wasser der Mosel steigt weiter

Kordula Meixner:
Ja ,es ist schon krass, Pfingsten im Regen .Wir sind auch Touristen uns haben uns im Golf Ressort eingebucht, Es liegt etwas höher ,daher sind wir nicht direkt betroffen. Die Zufahrt zur anderen der Mosel zu Rewe ,war am Samstag Mittag nicht mehr möglich. So verregnete Pfingsten habe ich lange nicht...
Haftnotiz+
aktuelle Beilagen
Inhalt kann nicht geladen werden

 

Firma eintragen und Reichweite erhöhen!
Service