Allgemeine Berichte | 23.06.2020

Corona Alltag im Seniorenheim Marienburg Kempenich

Verharren im „Lock down“

Es gibt kaum Lockerungen im Heimalltag - Die Bewohner versuchen, das Beste daraus zu machen

Die Hygienevorschriften bestimmen immer noch stark den Alltag der Heimbewohner. Foto: privat

Kempenich. Inzwischen ist nach über einem Vierteljahr in der Marienburg so etwas wie ein „Corona – Alltag“ eingekehrt.

Bewohner*innen und das Personal haben sich mit all den Veränderungen und Einschränkungen, die das Leben in der Corona Krise mit sich brachte, arrangiert und probieren, das Beste aus der Situation zu machen. Während „draußen“ sich allmählich alles lockert, öffnet und normalisiert, herrscht im Hause immer noch „Lock down“, d. h. Ausgangssperre.

Bewohner*innen dürfen das Heimgelände nicht verlassen. Alle vermissen schmerzlich Spaziergänge durch den Ort oder ins nahe gelegene Kreuzwäldchen. Eine Bewohnerin sehnt sich nach dem sonnendurchfluteten Fahrradweg, auf dem sie so gerne entlang flanierte.

Viele gingen noch einmal gerne zum Einkaufen in den Edeka; zum Kaffeetrinken ins dortige Café‘ oder Bekannte besuchen im Ort.

Die Lockerung des Besuchsverbots freute natürlich alle. Besuch ist aber nur unter strengen Hygieneauflagen möglich.

Nach vorhergehender telefonischer Anmeldung und Registrierung gibt es täglich Besuchszeiten von 10 bis 11.30 Uhr und von 15 bis 16.30 Uhr. Je eine Person darf für eine halbe Stunde zu Besuch kommen, jedoch nicht in die Wohnbereiche, sondern in die Eingangshalle, wo im Erdgeschoss und im Obergeschoss jeweils drei Besucher Einlass erhalten, oder in den Außenbereichen.

Schutzmasken für Besucher und Bewohner sind Pflicht. Damit tun sich viele Bewohner schwer, weil sie unter den Masken Beklemmungen bekommen oder die Brille beschlägt. Außerdem wirkt der Besuch durch die Masken fremd, weil die Mimik nicht sichtbar ist. Viele können ihr Gegenüber schlecht verstehen, weil die Maske die Stimme dämpft und man Worte nicht vom Mund ablesen kann.

Neue Regeln und nur wenig Ablenkung

Die Abstandsregeln müssen strikt eingehalten werden, was den meisten schwerfällt, weil ihnen die körperliche Nähe doch sehr so fehlt. Eine Umarmung oder die Hand zu halten ist ein großes Bedürfnis, aber nicht möglich. Trotzdem sagen alle: Besser mit Einschränkungen als gar kein Besuch.

Die Bewohner*innen dürfen den jeweiligen anderen Wohnbereich nicht betreten. Sie vermissen nach wie vor die Aktivierungsangebote in Großgruppen, vor allem das beliebte Bingospiel oder auch Feste und andere Gruppenangebote, die im Sommer im beliebten Pavillon draußen stattfanden.

„Mit anderen zusammen macht alles viel mehr Spaß, und außerdem reizt die Herausforderung, sich mit anderen zu messen, vor allem beim Gedächtnistraining“, meinte eine Bewohnerin.

Auch intensive Einzelbetreuung kann die Sehnsucht nach sozialem Miteinander nicht auffangen. Der Kampf gegen die Langeweile und Eintönigkeit im Heimalltag ist für die soziale Betreuung jeden Tag eine neue Herausforderung. Schon früh wurde vom Haus ein Tablet angeschafft, damit die Bewohner per Video Telefonie mit ihren Angehörigen kommunizieren konnten, also nicht nur HÖREN sondern auch SEHEN .Die Senioren waren begeistert von der Technik und die Angehörigen dankbar, so mit ihren Lieben in Kontakt zu bleiben.

Zur Freude von allen gab es aber eine Welle der Hilfsbereitschaft und Solidarität von „außen“. Als die Gesichtsmasken knapp wurden, brachte ein Aufruf über Facebook schnelle Hilfe.

Großzügige Spenden von Privat- und Geschäftsleuten

Edeka Keller aus Kempenich spendete spontan 1000 Masken. Mitarbeiter und deren Angehörige stellten als erste selbst genähten Mund – Nasenschutz unentgeltlich her. Darunter Frau K. Ferschel aus Neckarsulm, der über eine Freundin der Aufruf mitgeteilt wurde. Die Behelfs-Mundmasken- Gruppe Sinzig Rhein-Ahr überbrachte 120 selbst genähte Masken. Frau Schomisch aus Nürburg nähte dreimal für das Seniorenheim. Firma Fibrolith aus Kempenich spendete 200 Masken. Frau Dr. Maria Weigelt aus Kempenich stiftete 60 FFP2 Masken von der Firma ZF. Fr. Hopp aus Hain nähte 30 Masken. Und auch Conny Mannebach aus Kirchwald stiftete selbst genähte Masken für Bewohner und Mitarbeiter. Die Firma Profi Parts überbrachte spontan 400 Masken. Die St. Barbara Apotheke stiftete Masken und Desinfektionsmittel.

Kreativität für Unterhaltung im neuen Alltag ist gefragt

Es wird alles getan, den Bewohnern den Lock down zu erleichtern. Da der traditionelle Kirmesfrühschoppen mit Spießbratenessen wegen der Krise ausfallen musste, brutzelte am Kirmesmontag Eifler Spießbraten vor dem Heim am großen Holzdrehgrill und mundete allen am Mittag vorzüglich. Dazu gab es köstlichen Kartoffelsalat, den die Heimleiterin Rita Gasper nach ihrem leckeren Geheimrezept zubereitet hatte. Als passionierte Hobbybäckerin überraschte sie aus Anlass ihres Geburtstags die Bewohner*innen mit köstlichen Kreationen von Erdbeertorten, die begeistert bis auf den letzten Krümel weggeputzt wurden.

Die Feiertage und Kirchenfeste wurden auch besonders gewürdigt mit Gottesdiensten, die von der Kapelle aus über Haus TV an den Fernsehern mitgefeiert werden konnten, so z. B. das feierliche Pfingsthochamt mit P. Elias aus Maria Laach. Hier durften erstmals fünf Heimbewohner*innen - mit Schutzmasken und gebotenem Abstand voneinander – teilnehmen.

Sehr beliebt waren auch die Marienandachten im Mai, die die Bewohner*innen mit anrührenden Liedern und Gebeten besonders bewegten.

In der Eingangshalle war eigens ein traditioneller Maialtar mit großer Madonna und Blumenschmuck hergerichtet worden.

An Fronleichnam schmückte ein Teppich aus Papierblüten mit christlichen Motiven den Altar, den Hausseelsorger Dirk Büser mit einigen Bewohnerinnen farbenprächtig kreiert hatte.

Der Juni ist Herz – Jesu – Monat, in dem wöchentlich eine Herz – Jesu – Andacht über Haus TV übertragen wird. Trotz allen Angeboten in der Einzelbetreuung wird alles gerne angenommen, was von außen im Kampf gegen die Langeweile in den Heimalltag kommt. So spendete Antje Berger ein großes Gesellschaftsspiel, andere erfreuten mit bunt bemalten Steinen und schufen damit die Idee, selbst Steine und Schieferplatten zu bemalen, um das dank einer Spende der Maria Laacher Gärtnerei neu geschaffene Kräuterbeet im Sinnesgarten zu verschönern. Spaziergänge im Sinnesgarten sind sehr beliebt, die Gartenarbeit bei einigen zum neuen Hobby. Immer wieder wird von einigen Eifrigen Unkraut gezupft und die Blumen gegossen.

Erstaunlich ist, dass auch demente Bewohner*innen Blumen, Pflanzen und Kräuter benennen können und sich an deren Duft und den Blüten erfreuen.

Für musikalische Abwechslung sorgt „Hausmusikus“ Rudi Sabrowski mit seiner Gitarre. Drinnen und draußen erfreute er die betagten Menschen mit Ohrwürmern und Evergreens.

Für die kommende Zeit haben die Goldbachmusikanten ihr Kommen zugesagt, ebenso wie Liedermacher Helmar Hoffmann, der schon 2 Mal in Corona Zeiten alle mit Liedern und Gitarrenspiel erfreute. Schön wäre es, wenn die Briefpatenschaften, wie z. B. mit dem Gymnasium Calvarienberg in Ahrweiler, neu belebt werden könnten. Jedermann kann teilnehmen, jeder Brief ist willkommen und wird bei der sozialen Betreuung vorgelesen. Ein paar nette Grußworte, eine „Mutmachbotschaft“ oder ein paar Sätze über das Leben „draußen“ erfreuen die alten Menschen ungemein. Kontakte nach außen können einem „Lagerkoller“ entgegenwirken!

Bei den aktuell sinkenden Infektionszahlen keimt die Hoffnung, dass die Ausgangssperre bald etwas gelockert werden kann.

Die Hygienevorschriften bestimmen immer noch stark den Alltag der Heimbewohner. Foto: privat

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