Allgemeine Berichte | 18.02.2026, 17:14 Uhr

Verlust eines identitätsstiftenden Bauwerks und Ausdruck einer kurzsichtigen Entwicklungspolitik

Verkauf und geplanter Abriss der Burg Steineck

Rheinbreitbach. Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e.V. kritisiert die Entscheidung der Gemeinde Rheinbreitbach, die Burg Steineck an den Höchstbietenden zu veräußern, dessen Konzept den Abriss des historischen Gebäudes und die Errichtung mehrerer Neubauten mit über 20 Eigentumswohnungen vorsieht.

Nach Auffassung unseres Verbandes wurde diese Entscheidung vorrangig unter finanziellen Gesichtspunkten getroffen, mit dem Ziel, den größtmöglichen Erlös aus dem Grundstück zu erzielen. Damit wird ein bedeutendes Zeugnis der Ortsgeschichte zugunsten einer kurzfristigen wirtschaftlichen Verwertung geopfert – so, wie es nach unserer Wahrnehmung seit Jahrzehnten in Rheinbreitbach immer wieder praktiziert wurde.

Die Burg Steineck, ehemals „Elisenhof“, ist eines der prägenden Gebäude der Historismus-Zeit in Rheinbreitbach und besitzt eine herausragende kulturhistorische Bedeutung. Sie war über Jahrzehnte hinweg ein wichtiger gesellschaftlicher Mittelpunkt des Ortes, unter anderem als eines der größeren Hotels und Restaurants, als Blindenerholungsheim sowie als Gründungslokal der Karnevalsgesellschaft „Me haalen et us“.

Ihr Verlust bedeutet das unwiederbringliche Verschwinden eines identitätsstiftenden Ortes der Gemeinde.

Mit dem geplanten Abriss und der vorgesehenen Neubebauung durch mehrere Wohngebäude mit zahlreichen Eigentumswohnungen droht zudem eine nachhaltige Veränderung des gewachsenen Ortsbildes der Simrockstraße.

Gleichzeitig wirft die Entscheidung erhebliche Fragen hinsichtlich der städtebaulichen Entwicklung, der Verkehrsbelastung – mit mindestens 24 zusätzlichen Fahrzeugen – sowie der sozialen Ausgewogenheit der Wohnraumentwicklung auf.

Besonders kritisch bewertet unser Verband, dass alternative Nutzungskonzepte, insbesondere ein Mehrgenerationen-Wohnprojekt mit sozialem und gemeinschaftlichem Ansatz, nicht weiterverfolgt wurden. Ein solches Konzept hätte die Möglichkeit geboten, den historischen Bestand zu erhalten und gleichzeitig dringend benötigten, generationenübergreifenden Wohnraum zu schaffen. Die wiederholt vorgebrachte Darstellung, die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion

(ADD) hätte einem solchen Projekt nicht zugestimmt, ist aus unserer Sicht keineswegs gesichert, insbesondere ohne eine belastbare vorherige Abstimmung. Auch die ökologischen Auswirkungen dieser Entscheidung sind erheblich.

Der Abriss eines massiven Bestandsgebäudes bedeutet den Verlust großer Mengen sogenannter grauer Energie. Hinzu kommt die geplante zusätzliche Versiegelung bisheriger Grün- und Parkflächen, was sich negativ auf die Klimabilanz und das Mikroklima des Ortes auswirken wird.

Der Regionalverband Unteres Mittelrheintal von Stadtbild Deutschland e. V. stellt fest, dass mit dieser Entscheidung ein weiterer schwerwiegender Einschnitt in das bauliche und kulturelle Erbe Rheinbreitbachs erfolgt. Gleichzeitig sehen wir darin ein deutliches Zeichen, dass dem Erhalt und der behutsamen Weiterentwicklung der gewachsenen Baukultur nicht die erforderliche Priorität eingeräumt wird.

Bereits die Aufhebung der Gestaltungssatzung für den Innerort hat diese Entwicklung erkennen lassen. Aus Sicht unseres Verbandes wird damit einer kurzfristigen wirtschaftlichen Verwertung Vorrang vor einer nachhaltigen und identitätsbewahrenden Ortsentwicklung eingeräumt.

Vor diesem Hintergrund wird der Regionalverband die Entscheidung sowie die zugrunde liegenden Verfahren und Rahmenbedingungen eingehend prüfen und bewerten. Dies schließt insbesondere die Prüfung rechtlicher Möglichkeiten und weiterer Maßnahmen ein, die dem Schutz historischer Bausubstanz und der Wahrung der Baukultur in Rheinbreitbach und der Region dienen.

Pressemitteilung Regionalverband Unteres Mittelrheintal Stadtbild Deutschland e. V.

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