Allgemeine Berichte | 17.03.2017

Zweite Ahrweiler Freiheitswochen

Versöhnt miteinander statt heillos zerstritten

„Was bedeutet die Reformation für uns heute?“ - Podiumsdiskussion in Maria Laach

Von links: Wolfgang Thielmann, Theologe, Buchautor und Journalist, Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, Moderation Dr. Ebba Hagenberg-Miliu, Germanistin, Buchautorin und freie Journalistin, Dr. Markus Dröge, Landesbischof Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz und Dr. theol. Elisabeth Dieckmann, Geschäftsführerin Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen in Deutschland e.V.privat

Kreis Ahrweiler. „Was bedeutet die Reformation für uns heute?“ fragte sich im Laacher Forum ein bedeutend besetztes Podium und ein munteres Publikum. Das Benediktinerkloster Maria Laach hatte sein Forum für die zweiten Ahrweiler Freiheitswochen geöffnet: und zwar für eine prominent und ökumenisch besetzte Podiumsdiskussion zum 500-Jährigen der Reformation. Vor Ort begrüßten Horst Gies als Vorsitzender des Veranstalters „Freiheiter“ und Pater Andreas Werner, Prior von Maria Laach. Man wolle Martin Luther bewusst nicht als ersten deutschen Wutbürger, sondern im Gegenteil als Mutbürger, als Mutmacher auch im 21. Jahrhundert diskutieren, stellte Moderatorin Ebba Hagenberg-Miliu zu Beginn die Weichen für einen spannenden Abend. „Was bedeutet die Reformation für uns heute“, nahm der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann den Ball sofort auf. „Die Kirchen sind aufgefordert, Spaltungen zu überwinden. Sie brauchen einander, um das Bekenntnis mit Leben zu füllen“, betonte der Bischof, der am Wochenende beim Hildesheimer Versöhnungsgottesdienst als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) schon „die versöhnende Kraft des Evangeliums“ beschworen hatte. In Maria Laach forderte Bischof Wiesemann nun, gemeinsam und versöhnt miteinander für die christliche Botschaft in unserer Zeit zu stehen. Sein evangelischer Kollege Markus Dröge, Bischof von Berlin-Brandenburg-schlesische Lausitz, appellierte ebenfalls, in der Bindung an die Heilige Schrift und die verbindliche Verantwortung für den Nächsten zusammenzustehen. Er forderte, „die produktive Spannung der unterschiedlich konfessionellen theologischen Ansätze fruchtbar zu machen, gerade in Zeiten, in denen die Welt unter verabsolutierten eindimensionalen religiösen Wahrheitsansprüchen leidet.“ Christen dürften gerade aktuell den menschenrechtswidrigen Ansätzen des neuen Rechtspopulismus nicht folgen. „Die Wahrheit findet sich nur im Diskurs.“ Und der fand an diesem Abend ganz sicher auf dem Podium und dann auch mit dem Publikum statt. Die ACK-Geschäftsführerin Elisabeth Dieckmann ließ noch einmal Revue passieren, welche Fortschritte die Ökumene gerade in den letzten Jahren auf dem Weg zum Hildesheimer Versöhnungsgottesdienst gemacht hat. Man sei längst „nicht mehr heillos gespalten, sondern segensreich erneuert“. Das ACK-Motto zum 500-Jährigen weise den Weg: Man wolle „Versöhnt miteinander“ umgehen. Dieckmann erinnerte auch an die kleineren ACK-Mitgliedskirchen und pries vor allem, wie erstaunlich die Zusammenarbeit mit der Orthodoxen Schwesterkonfession gewachsen sei.

Gehen die Kirchen auf Augenhöhe miteinander um?

Zeit-Journalist Wolfgang Thielmann ließ es sich bei aller Freude über das Erreichte nicht nehmen, den Finger in noch bestehende Wunden zu legen. Auf seine Frage, ob die Kirchen wirklich schon auf Augenhöhe miteinander umgingen, antwortete Bischof Wiesemann: „Ja, die Evangelische Kirche ist für die Katholische nicht nur eine kirchliche Gemeinschaft, sondern eine Kirche.“ Ob denn die Katholische Kirche 2017 als Anlass zum Gedenken oder zum Feiern sehe? 2017 sei für beide Kirchen ein Jahr des gemeinsamen Christusfests, so Bischof Wiesemann. 2017 freue man sich, gemeinsam zu feiern, und ab 2018 werde man die bestehenden Fragen weiter bearbeiten, fügte Bischof Dröge hinzu. Diskussionsbedarf bestünde etwa auch in Fragen des geistlichen Amts oder der sexuellen Orientierung. Und wie sei es mit der Rolle der Frau, warum dürfe die in der Katholischen Kirche kein geistliches Amt übernehmen, kam bald aus dem Publikum. Müsse man nicht zuerst daran weiterarbeiten, dass christliche Werte und der christliche Glaube überhaupt wieder mehr Nachhall im Alltag fänden, meinten andere Zuhörer. „Jedermann schneidet gern die Bretter da, wo sie am dünnsten sind. Man bohrt nicht gern durch dicke Bretter“, zitierte Moderatorin Hagenberg-Miliu am Ende noch einmal Martin Luther. Hier in Maria Laach habe man sich an ein paar dickere Bretter rangewagt. „Aber es gibt sicher zum Thema nötige Reformen noch ein paar weitere Bretter zu bohren.“

Von links: Wolfgang Thielmann, Theologe, Buchautor und Journalist, Dr. Karl-Heinz Wiesemann, Bischof von Speyer, Moderation Dr. Ebba Hagenberg-Miliu, Germanistin, Buchautorin und freie Journalistin, Dr. Markus Dröge, Landesbischof Berlin-Brandenburg-Schlesische Oberlausitz und Dr. theol. Elisabeth Dieckmann, Geschäftsführerin Arbeitsgemeinschaft der Christlichen Kirchen in Deutschland e.V.Foto: privat

Leser-Kommentar
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Mitbürger: Es wird Zeit !!! Nicht weil es viele wollen sondern weil der ehemalige Landrat, Schuld hat ! Und diese nicht ausgeräumt wird indem man Gutachten missachtet oder oder die Wahr außer Acht lässt. Die Wahrheit:...
  • KG: Gerechtigkeit muss sein. Aber Gerechtikkeit bedeutet aber nicht unbedingt, was viele Bürger wollen, nämlich die härtestmögliche Bestrafung des ehemaligen Landrats. Wenn der Klageerzwingungsantrag überhaupt...
  • Gerhard J. Mätze: Es ist schon unglaublich wie gerade auch in diesem Verfahren die Justizbehörden agierten. Ich bin im Wissen einer weiteren für mich schon unglaublichen Angelegenheit, in welcher sich die gleichen Stellen ebenso für mich haarsträubend bewegen.
  • H. Schüller: Erst gestern gab es wieder einen Oberleitungsschaden an einem beschrankten Bahnübergang. Dergleichen kann ab 1. Dezember 2025 also auch an der Ahrtalbahn passieren. Um Bahnstromunfälle zu vermeiden...

Remagen fordert konkrete Lösungen vom Land

  • K. Schmidt: Den "sozialen" Medien nach gibt es in Remagen zur Bürgermeisterwahl wohl einen AfD-Kandidaten, bisher bekannt ist nur Herr Ingendahl als weiterer Kandidat. Ich glaube, das ist das erste Mal in der Region hier.
Baumfällung & Brennholz
Weihnachtsmarkt im Kurpark
Weihnachtsmarkt im Kurpark
Weihnachtsmarkt im Kurpark
Bad Breisiger Weihnachtsmarkt im Kurpark
Titel
Weihnachten in der Region / Weihnachtszauber Dachterasse
Empfohlene Artikel

Koblenz. Am Samstag, den 17. Januar 2026, veranstaltet die im Jahre 1808 gegründete Bürgergesellschaft Casino zu Coblenz wieder den alljährlichen Casinoball in der Rhein-MoselHalle in Koblenz.

Weiterlesen

Neuwied. Jeden einzelnen Tag werden in Deutschland Frauen und Mädchen Opfer von häuslicher Gewalt, Stalking, sexualisierter Gewalt und anderer Formen von Gewaltanwendung.

Weiterlesen

Weitere Artikel

Preisträgerin bekannt aus der Mainzer Fassenacht

Neuwied: Hildegard Bachmann erhält Goldenen Schärjer

Neuwied. Am Freitagabend verlieh Oberbürgermeister Jan Einig Hildegard Bachmann, bekannt aus der Mainzer Fassenacht, Schauspielerin, Sängerin und Vortragende, den Goldenen Schärjer. Die Büttenrednerin und Autorin ist sie Nachfolgerin von Alice Hoffmann, besser bekannt als Hilde Becker aus der Kult TV-Serie Heinz Becker.

Weiterlesen

49-Jähriger zunächst in hilfloser Lage angetroffen

Euskirchen: Mann greift Polizistin an

Euskirchen. Am Donnerstag, den 27. November, gegen 11.50 Uhr wurde ein 49-jähriger Euskirchener im Bereich der Berliner Straße in hilfloser Lage am Boden liegend angetroffen. Eine hinzugerufene Polizeistreife näherte sich dem Mann, um ihm Hilfe zu leisten.

Weiterlesen

Daueranzeige
Mülltonnenreinigung
Imageanzeige
Anlagenmechaniker
Lucia Markt in Rech
Lucia Markt in Rech
Media-Auftrag 2025/26
Nikolausmarkt in Remagen, 06. – 07.12.25
Weihnachtszauber im Brohltal
Weihnachtszauber im Brohltal
Weihnachtszauber im Brohltal
Weihnachtszauber im Brohltal
Weihnachtsmarkt im Kurpark
Titel-Eckfeld - Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606
Weihnachtsmarkt Weißenthurm
Anzeige First Friday
Anzeige zur Vorankündigung