Freundeskreis Neuwied-Matara e.V.: Patenkind aus Sri Lanka fühlt sich in Neuwied Zuhause
Vom Indischen Ozean drei Monate an den Rhein
Neuwied. Der zweite Weihnachtstag war der 13. Jahrestag des entsetzlichen Tsunamis rund um Indonesien, Indien und Sri Lanka, den Ridmi Hansana Samarawickrama bei ihren Pateneltern in Deutschland verbrachte. Edeltrud Pinger, die zweite Vorsitzende des Freundeskreises Neuwied-Matara e. V., die in all den Jahren seitdem mit anderen Vereins- und Vorstandsmitgliedern Aufbau- und Entwicklungsarbeit an Schulen im Süden Sri Lankas leistet, brachte Anfang Oktober von ihrer 16. Reise dorthin nicht nur Briefe und kleine Geschenke für Paten von ihren Patenkindern in Matara mit, sondern auch ihr eigenes Patenkind, das sie schon seit sieben Jahren betreut.
Ridmi, heute 23 Jahre jung, verlor einige Wochen nach ihrer Geburt die Mutter und durch die Flutkatastrophe Ende 2004 ihren Vater. Die damals Zehnjährige hatte materiell alles verloren, war mit ihren Großeltern und den beiden Brüdern zunächst in Notunterkünften untergebracht und konnte später bei den Großeltern aufwachsen, die aber die beiden älteren Jungen wegen Überlastung und gesundheitlicher Probleme an eine befreundete Familie in Colombo und an Verwandte im Südosten übergaben. Das bis dahin vom Vater gut organisierte Familienleben war zerstört und konnte von Ridmi nie wieder erlebt werden. Sie biss sich durch die Schulzeit, lernte, mit nur dem Nötigsten auszukommen, und kämpfte sich zum Abitur. In den letzten Schuljahren war sie die erste Schulsprecherin des Anura College, wo sie 2009 Edeltrud Pinger kennenlernte, gemeinsam mit Sagara Abegunewardene, Singhalese, aus Matara stammend, der schon im Studentenalter nach Deutschland ausgereist war und seit Beginn Geschäftsführer des Freundeskreises ist. Ridmi fiel der 2. Vorsitzenden auf, da sie im Gegensatz zu den vielen scheuen und zurückhaltenden Schülern die Gäste freundlich, offen und in gutem Englisch begrüßte und ihnen die Schule zeigte.
Seit diesem Zeitpunkt entwickelte sich eine Freundschaft, zunächst durch Briefe und die jährlichen Besuche, die Pinger seit über zwölf Jahren auf die Insel führen, wo sie die Projektschulen besucht und mit Vorstand und Mitgliedern im Rücken Aufbauarbeit leistet, Schulen, Lehrer und Schüler unterstützt, wirtschaftlich schwächste Kinder rekrutiert und ihnen deutsche Paten vermittelt, von denen es mittlerweile schon mehr als dreißig gibt.
Mithilfe der Patin ein IT-Studium erfolgreich absolviert
Erst später erfuhr sie von Ridmis traurigem familiärem Hintergrund, denn für unser Verständnis kaum nachvollziehbar hält sich das Mitleid mit Waisen in der buddhistischen Wahrnehmung in Grenzen.
Was Edeltrud Pinger erfuhr, war, dass Ridmi nach dem durchaus guten Abitur eine wie auch immer geartete Arbeit hätte annehmen müssen, denn Geld für ein Studium war nicht vorhanden. Der größte Wunsch, ein IT-Studium zu absolvieren, erfüllte ihr daher die deutsche Patin, die durch den sehr guten Abschluss im Januar 2017 nicht enttäuscht wurde.
Der gesponserte Laptop war zwar schon eine große Hilfe, aber ohne wirtschaftlich und familiär gesicherten Hintergrund gibt es für Mädchen in Sri Lanka kaum eine Chance auf Praktika, geschweige denn auf einen festen Job. Ein fast zehnmonatiges, aber unbezahltes Praktikum in einer renommierten Firma in Colombo war die Alternative zur Arbeitslosigkeit. Wie sollte das nur weitergehen?
So kam die Einladung nach Deutschland, nicht zuletzt, um auszuloten, wie die Chancen für eine junge, aufstrebende, intelligente, begabte Informatikerin hier stehen.
Positive Resonanz bei Praktika in Deutschland
Mit den Praktika war es schon einfacher, und so konnte Ridmi sowohl bei der Firma ATW, in der EDV-Abteilung der Stadtverwaltung und bei der VR-Bank Neuwied-Linz zeigen, was sie drauf hat – und die Resonanz war in allen drei Fällen eindeutig positiv.
Familienleben hat Ridmi zum ersten Mal in Neuwied-Engers erlebt und genossen, viele Sehenswürdigkeiten in der Umgebung besucht, Advent und Weihnachten gefeiert und in einem Chorprojekt mitgesungen. Ihr Großvater verstarb im letzten April, die alte Großmutter lebt mittlerweile bei Verwandten. Da ist niemand, der wartet, und so entsteht verständlicherweise der Wunsch, ganz hierzubleiben und zu arbeiten.
Nun werden Bewerbungen geschrieben, Vorstellungsgespräche geführt und darauf gehofft, dass sich bald ein Arbeitsvertrag ergibt. Dennoch läuft das Touristenvisum zu Beginn des neuen Jahres ab, und dann geht es zunächst zurück nach Sri Lanka. Die junge EDV-Fachfrau ist fit in Englisch, lernt fleißig Deutsch und wartet nur auf einen mutigen Arbeitgeber, vielleicht international aufgestellt, der ihr Talent sieht und einen Arbeitsvertrag anbietet.
Deutschland ist ihr Traumland, und hierher möchte sie in jedem Fall zurückkommen. Die deutschen Paten würden auch bei ihrer Rückkehr zur Aufnahme bereit stehen, aber eine wirtschaftliche Unabhängigkeit ist Ridmi das Wichtigste.
Kraft, Mut, Willen und Können sind in reichem Maße vorhanden. Vielleicht ist ja auch dieser Bericht über Ridmi eine Art Bewerbungsschreiben, das wichtige Türen öffnen kann. Mehr dazu unter der Homepage des Freundeskreises www.tsunami-kinder-matara.de.
