Allgemeine Berichte | 17.07.2023, 13:35 Uhr

Gedenkfeiern in Bad Neuenahr-Ahrweiler mit Kapellenweihe und Übergabe des Platzes an der Linde

Von Erinnerungen, Blicken nach vorn und einer Glocke

Ferdi Heuwagen und Mildred Ruppert (links) gestalteten die Gedenkfeier auf dem Ahrtorfriedhof.

Ferdi Heuwagen und Mildred Ruppert (links) gestalteten die Gedenkfeier auf dem Ahrtorfriedhof.

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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Nach einer zentralen Gedenkfeier für die Flutopfer von vor zwei Jahren im Bad Neuenahrer Kurpark gab es in der Kreisstadt am Folgetag gleich eine ganze Reihe von Veranstaltungen, bei denen an die Folgen Naturkatastrophe vom 14. Und 15. Juli 20221 erinnert wurde. Allein in der Kreisstadt waren damals 75 Menschen ums Leben gekommen. Blick aktuell hat stellvertretend die Veranstaltungen in Walporzheim, Ahrweiler und Bad Neuenahr besucht.

Kapelle hoch über dem Tal

Walporzheim. Hoch über Walporzheim wurde die neue Flutkapelle in den Weinbergen eingeweiht. Sie ist dem heiligen Donatus gewidmet, soll nachfolgende Generationen an das schreckliche Flutgeschehen erinnern und für alle betroffenen Menschen ein Ort des stillen Gedenkens sein. Sankt Donatus ist Patron der Winzer und Schutzheiliger gegen Hagel, Blitz, Unwetter und Feuer.

Mehr als 150 Gläubige waren der Einladung des Walporzheimer Kapellenvereins Sankt Josef um Vorsitzenden Werner Schüller gefolgt und vom Tal unter Gebeten aus in einer Prozession mit Bischof Stephan Ackermann aus Trier und Pfarrer Jörg Meyrer zu dem kleinen Gotteshaus zu ziehen. Dieses war quasi in letzter Minute fertiggeworden. Denn nur Stunden vor der Einsegnung hatte Harald Knieps vom Kapellenverein das letzte Fenster eingesetzt. Und auch eine Statue des heiligen Donatus war erst kurz vor der Einsegnungsfeier von Werner Schüller auf dem Berg gebracht worden. Im Wortgottesdienst wurde sie dann ebenso wie der Alter unter Weihrauch von dem Trierer Oberhirten geweiht. Mitgestaltet wurde der feierliche Akt von den Lektorinnen Andrea Wittkopf, Natascha Gies und Ursula Läufer sowie Trompeter Willi Budde.

Die Kapelle ist eine Stiftung von Handwerkern, die vor zwei Jahren als Fluthelfer im Ahrtal unterwegs waren. Für Erdarbeiten und Bodenplatte zeichnete die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler verantwortlich. Material und Arbeitsleistung der Stiftung wurden mit rund 400000 Euro beziffert. Die Kosten für die Donatus-Statue in Höhe von 1500 Euro hat der Kapellenverein getragen. Finale der Kapelleneinweihung war ein kleiner Kommers im Hof der Winzergenossenschaft Mayschoß-Altenahr. Zur Überraschung aller Teilnehmer haben die Handwerker zum Abschluss des offiziellen Teils des Kommers eine Glocke übergeben, die Bischof Ackermann, bevor er nach Trier abreiste, weihte.

Positiv in die Zukunft

Ahrweiler. An die alte Friedhofskapelle auf dem Ahrweiler Ahrtorfriedhof hatte Vize-Ortsvorsteher Ferdi Heuwagen zur Gedenkstunde eingeladen. Sorgte Gemeindereferentin Mildred Ruppert für den kirchlichen Part, ging Heuwagen auf Geschehens und Aktuelles in den Stadtteilen Ahrweiler, Bachem und Walporzheim ein, denn deren Verstorbene finden auf dem Ahrtorfriedhof ihren letzte Ruhe. Hier Ausschnitte aus Heuwagens sehr persönlich gehaltener Ansprache: „In Ahrweiler erinnere ich mich, dass ich am Morgen des 15. Juli diese Zerstörung und das Chaos gesehen habe und dachte: „Das sieht aus wie im Krieg!“ Am darauffolgenden Sonntag wollte ich unbedingt mal in die Altstadt, und da alle Brücken weg waren, sind wir für fünf Minuten Fußweg über 100 Kilometer über die Autobahn hin und zurückgefahren. In der Stadt sah es natürlich auch sehr bescheiden aus, aber unsere Stadtmauer hatte dem Wasser den Druck genommen und das Treibgut in Form von Autos und Baumstämmen abgeleitet. Heute, zwei Jahre später, sind wir in Ahrweiler mit dem Aufbau schon sehr weit. In der Ahrhut- und der Niederhutstraße sind von rund 125 Ladenlokalen mehr als 80 wieder in Betrieb oder warten auf einen neuen Mieter. Sicherlich ist auch bei uns in Ahrweiler nicht alles Gold was glänzt, aber ich sehe der Zukunft sehr positiv entgegen, weil die Geschäfte nach dieser Katastrophe wesentlich schöner geworden sind.“ – „Bei Walporzheim muss ich sofort an das Foto von Claudia Bergmann vom Morgen des 15. Juli denken: Die Straße vor dem Restaurant Sankt Peter war ein einziges Chaos aus Treibgut, Autos, Weinfässern, Baumstämmen und, und, und. Walporzheim kehrt langsam in eine neue Normalität zurück. Für die Menschen war es wichtig die Alte Schule und das Backes für die Vereine wiederaufzubauen, was mit einer schnellen Hilfe aus dem Kölner Raum und der Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft der Stadt zügig realisiert wurde.“ – „Auch in Bachem war die Hilfsbereitschaft aus ganz Deutschland und zwar aus allen Bevölkerungsschichten, von jung bis alt, enorm und so nicht vorstellbar. Sie hat den an Körper, Seele und Eigentum Geschädigten sichtlich Mut gemacht. Nun liegt der Fokus u.a. auf dem Wiederaufbau der Bachemer Brücke und den Sportanlagen.“

Neuer Platz an der Linde

Bad Neuenahr. Der neugestaltete Platz an der Linde ist der ganze Stolz des Bad Neuenahrer Ortsbeirates. Denn aus einem Ideenworkshop mit mehr als 150 Bürgern heraus wurde mit vielen Spenden und auch körperlichem Einsatz eine Oase im Zentrum des Heilbades geschaffen. Dort, wo vor Tagen noch Handwerkerautor parkten, laden jetzt Bänke unter schattigen Bäumen und Schirmen ein. Es ist ein Popup, also eine temporäre Anlage, die am Jahrestag der Flut von Ortsvorsteher Richard Lindner an Bürgermeister Guido Orthen symbolisch übergeben wurde. Nicht ohne Stolz merkte Lindner dabei an, dass die komplette Platzgestaltung für 70000 Euro allein aus Spendengeldern finanziert worden sei.

Der rührige gedachte mit den auf dem Platz an der Linde versammelten Bürgern stehend den Opfern der Flut, verbreitete aber auch Zuversicht mit einem Blick auf Anstehendes und Aktuelles. „Als erste der großen Brücken in unserer Stadt wird die Landgrafenbrücke wiederhergestellt, in unserer letzten Sitzung am Donnerstag haben hierzu alles beraten und unsere Empfehlungen an die Stadt weitergeleitet. Die Planungen für die Grundschule Bad Neuenahr, die Kita Blandine Merten sind abgeschlossen und ebenfalls auf den Weg gebracht. Sie sehen, dass es mit der Infrastruktur weitergeht, provisorische Straßen entlang der Ahr wurden fertiggestellt. Noch in diesem Jahr geht es endlich mit der Poststraße, der Ahrstraße und Teilen der Kreuzstraße weiter“, führte Lindner aus. Und mit einem Dankt an Unterstützer und Sponsoren sagte er: „Wir sind froh und zugleich stolz, dass wir für Sie, unsere Kinder und Gäste diesen tollen Platz, der im Übrigen als Reallabor gilt, geschaffen haben. Viel Spaß und Entspannung bei der Nutzung der grünen Oase im Zentrum von Bad Neuenahr.“

Das anerkannte Bürgermeister Guido Orthen vor großem Publikum sehr deutlich und kam auch gleich einer Bitte des Ortsbeirates nach. Dieser hatte aus weiteren Spendengeldern einen Trinkwasserspender erhalten, der allen erforderlichen Anforderungen an den Anschluss an das öffentliche Wassernetz entspricht. Das werde er in die Wege leiten, sagte Orthen, der wie schon am Vortag erklärte, dass trotz vieler Lichtblicke die Menschen, denen sich das Leid der Flut tief in die Seele gefressen hätte, nicht vergessen werden dürften. Und wie schon vor dem Publikum im Kurpark beschrieb Orthen den größten Wunsch des Ahrtals, den „Wunsch nach Normalität“. GS

Ferdi Heuwagen und Mildred Ruppert (links) gestalteten die Gedenkfeier auf dem Ahrtorfriedhof.

Ferdi Heuwagen und Mildred Ruppert (links) gestalteten die Gedenkfeier auf dem Ahrtorfriedhof.

Bischof Stephan Ackermann weiht im Beisein von Werner Schüller die Donatus-Staue.

Bischof Stephan Ackermann weiht im Beisein von Werner Schüller die Donatus-Staue.

Bürgermeister Guido Orthen nimmt den Platz symbolisch entgegen und dankt den Initiatoren.

Bürgermeister Guido Orthen nimmt den Platz symbolisch entgegen und dankt den Initiatoren.

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