Hervorragendes Kabarett-Spektakel mit den beiden „Weibsbildern“
Von der Botox-Injektion bis zum Brasilian Waxing
Cochem. Es hat dieses Flair von „Bauer goes to Hollywood“, wenn sich Weibsbild Claudia Thiel, in altbackenes Eifeler Ackeroutfit gehüllt, in das bis dato unbekannte Terrain einer Wellness-Oase begibt und hier erwartungsgemäß, aufgrund fehlendem Hintergrundwissen, den dortigen Beautyangeboten für die Frau von heute hilflos ausgeliefert ist. Ganz anders ihre Kommilitonin und Weibsbild Anke Brausch. Aus ihr sprudeln förmlich die Fachkenntnisse über die unterschiedlichen Möglichkeiten der Kosmetik- und Anti-Aging-Kampagnen, die sich laut ihrer bemüht platthochdeutschen Erklärungen, von der aktiven Botox-Immunisierung der altersbedingt vorstellig gewordenen Furchenstirn, bis hin zum „Brasilian Waxing“ in der weiblichen Komfortzone der Körpermitte erstrecken. Beide laufen in ihren urkomischen Parts der scheinbar Wissenden und der völlig Unbedarften zur Hochform auf und strapazieren nachhaltig die Zwerchfellmuskulatur von 220 Besuchern im Pater Martin-Saal des Kapuzinerklosters. Hier haben sie die Bühne in Beschlag genommen und arbeiten sich vor einer eher spartanischen Wellness-Kulisse in die wirren, wenn auch alsbald anspruchsvollen Gedankengänge von naturbedingt alternden Schönheitsfanatikerinnen vor. Dabei halten sie dem Beautywahn der heutigen Zeit gekonnt den Spiegel eines „Till“ vor und sparen nicht mit scheinbar exzellenten Ratschlägen, die sich jedoch im Endergebnis allesamt als humoristische Spitzen erweisen. Attraktivitätsverlust ist das Kernthema und zieht sich wie ein roter Faden durch ein Spaß- und Lachspektakel, bei dem sich beiden Bühnenakteure einmal mehr absolute Bestnoten in Sachen Top-Kabarett verdienen. So glättet und bügelt Claudia bspw. ihre äußeren Falten durch verstärkte Nahrungsaufnahme von innen aus und macht so aus den unansehnlichen Furchen leckere Rundungen. Anke steht da deutlich mehr auf die zarten und erfahrenen Hände des schnuckeligen Masseurs und dessen Ganzkörper-Anti-Aging-Programm, während Claudia, von ihrer Freundin als kosmetischer Pflegefall bezeichnet, auf der Schönheitsfarm Kühe und Schweine mit der Frage vermisst: „Ich dachte ne Farm wär` en Bauernhof!“ „Nein, hier gibt es kein Kuhschiss-Bingo und kein Ferkelweitwurf wie in der Eifel“, weiß Anke sie da aufzuklären. „Aber was red` ich da, du machst ja auch Mallorca-Urlaub in El Asozial“, setzt sie noch einen drauf. „Die Orangenmarmelade mit ganzen Früchten zum Einschmieren passt hervorragend zu meiner Orangenhaut und die Fruchtstücke füllen erfreulicherweise die Dellen entlang der Oberschenkel auf“, erklärt Claudia im Rahmen ihres „Lerning by Doing“. Auch seine Kids sollte man frühzeitig mit der Schönheitsfarm bekannt machen: „Vom Bettnässer zum Wellnesser“, ist hier das Motto von Anke. Während sich die hungrige Claudia auf die Suche nach einer oralsättigenden Anwendung begibt, erklärt ihre wissende Freundin den Chirurgeneingriff des Liftings mit anschließender Haarverpflanzung aus dem nachwachsenden Bereich unterhalb der Gürtellinie. Auch über Brustvergrößerungen weiß sie zu berichten: „Renate trägt Implantate!“ „Sie ist der klassische Herbsttyp - mitten im Verblühen!“ Ihr Ego stellte auch bis dato Schecks aus, die der Körper nicht einlösen konnte. Ihren angefressenen Speck bezeichnet Claudia derweil als großzügige erotische Nutzfläche, bei dem der Bauer allerhand zu beackern hat. Ihre Mitstreiterin fragt sich : „Wenn ein Veganer kotzt, ist das dann ein Smoothie.?“ Tatsächlich begibt sich Landpomeranze Claudia alsbald zum Brasilian Waxing und taucht kurz danach lauthals schreiend wieder auf: „Ich wusste gar nicht wo und wie weit bei mir die Haare wachsen.“ „Ich glaube an dem letzten großen Waxing-Streifen hing die linke Niere von mir dran!“ Resümee: Extraklasse! TE
