Verein Zehnthaus e.V.
Vortrag: „Musik im Widerstand“
Swisttal-Odendorf.Bereits im Jahr 2018 begeisterte Michael Lang das Publikum im Odendorfer Zehnthaus mit seiner Präsentation über die Rolle des Liedes als Propagandainstrument in der Weimarer Republik und während der NS-Zeit.
Am 21. Juni kehrte er zurück, um einen weiteren Vortrag über die Musik im Widerstand zu halten. Diesmal lag der Schwerpunkt auf der internationalen Musikszene, die nach 1933 außerhalb Deutschlands gegen den Nationalsozialismus gerichtet war.
Lang gewährte einen eindrucksvollen Einblick in die bedeutende Rolle der Musik als Kampfmittel gegen den Faschismus. Anhand zahlreicher Tondokumente aus verschiedenen Ländern zeigte er, wie der Kampf gegen Hitler mit den Mitteln der Musik geführt wurde. Musik erwies sich als ein mächtiges Werkzeug, um Menschen zu mobilisieren, Hoffnung zu schenken und den Widerstand zu stärken.
Lang würdigte deutsche Protagonisten wie Ernst Busch, Kurt Eisler und Lotte Lenya, die ins Exil gehen konnten und dort engagiert gegen den Nationalsozialismus auftraten. Ernst Busch, als der „Tenor auf den Barrikaden“ bekannt, setzte seine kraftvolle Stimme ein, um gegen das Regime anzukämpfen. Ebenso wirkten Kurt Eisler und Lotte Lenya mit musikalischen Mitteln entschieden gegen den Nationalsozialismus.
Ein herausragendes Beispiel für den Widerstand durch Musik ist das Moorsoldatenlied, das Wolfgang Langhoff im Konzentrationslager Börgermoor im Emsland verfasste und das zu einem internationalen Symbol des Widerstands gegen Hitler wurde.
Lang betonte auch die wichtige Rolle anderer Länder bei der Verbreitung politischer Lieder. Insbesondere die Sowjetunion, die USA und vor allem Großbritannien spielten hier eine maßgebliche Rolle. Sie ermöglichten es über die Kurzwellenprogramme ihrer Rundfunksender, dass die Lieder auch in Deutschland und in den besetzten Gebieten Europas gehört und gezielt eingesetzt werden konnten. Ein bemerkenswertes Beispiel dafür war das „Fremdarbeiterlied“ von 1943, mit dem die BBC die deutsche Anwerbung von Arbeitskräften in Frankreich unterlief.
Als beeindruckenden und zugleich beklemmenden Schlusspunkt präsentierte Lang ein Tondokument des BBC-Reporters Patrick Gordon Walker. Der Livebericht dokumentierte den ersten jüdischen Gottesdienst im kurz zuvor befreiten KZ Bergen-Belsen, bei dem die ehemaligen Häftlinge die Hatikvah sangen. Dieses Lied sollte drei Jahre später zur israelischen Nationalhymne werden.
Pressemitteilung
des Vereins Zehnthause.V.
