Allgemeine Berichte | 18.02.2019

Wegen Schlägerei an der Uni Bonn:

Walid S. in Siegburg festgenommen

Der gewaltbereite 23-Jährige, der im Fall Niklas Pöhler freigesprochen wurde, sitzt nun in U-Haft

Symbolbild. Quelle: Polizei NRW / Copyright: Jochen Tack

Bonn. Der 23 Jahre alte Walid S., der im Januar 2017 angeklagt worden war, dem 17-jährigen Niklas Pöhler aus Bad Breisig im Mai 2016 im Bonner Stadtteil Bad Godesberg auf der Straße mit der Faust gegen die Schläfe geschlagen und dann dem am Boden Liegenden an den Kopf getreten zu haben, ist am frühen Freitagmorgen verhaftet worden. Der Bad Godesberger soll mit zwei Begleitern am Samstag, 10. Februar, vier junge Männern vor dem Bonner Uni-Hauptgebäude gegen 2 Uhr angepöbelt und dann geschlagen haben. Dabei wurde ein 26-Jähriger so massiv am Kopf verletzt, dass er stationär im Krankenhaus behandelt werden muss. Als ihm seine jüngeren Freunde zu Hilfe kamen, wurden auch sie attackiert, aber glücklicherweise nur leicht verletzt.

Als die von Passanten alarmierte Streife am Tatort eintraf, waren die Schläger zwar verschwunden, zwei Verdächtige konnten die Polizisten trotz einer dürftigen Täterbeschreibung aber während der sofort eingeleiteten Fahndung festnehmen, darunter eben auch Walid S. Nach Abschluss der ersten Vernehmung auf der Wache war dieser jedoch wieder freigelassen worden, da aus Sicht des Haftrichters die für eine U-Haft erforderlichen Kriterien von Flucht- oder Verdunkelungsgefahr nicht gegeben waren. Und der dritte nach Paragraph 112 Strafgesetzbuch klassische Haftgrund, Wiederholungsgefahr, spielt nur in einem schwerwiegenden Fall eine Rolle. Die Schlägerei am Uni-Hauptgebäude wurde offensichtlich nicht als so schwerwiegend eingestuft. Eine Einschätzung, die nicht nur in weiten Kreisen der Bevölkerung, sondern auch bei der Polizei auf Unverständnis gestoßen war, für die Walid S. als „Objekt polizeilicher Ermittlungen“ im Zusammenhang mit Gewalttätigkeiten alles andere als ein Unbekannter ist.

Nicht erst seit der Anklage im Fall von Niklas Pöhler, der wenige Tage nach dem brutalen Angriff gestorben war, ist der in Mehlem wohnende 23-Jährige als aggressiver Gewalttäter aufgefallen. Nachdem er nach seiner Verhaftung im Mai 2016 als Hauptverdächtiger rund zwölf Monate in U-Haft gesessen hatte, war er in dem mehrere Monate andauernden Prozess von dem Jugendschwurgericht 2017 zwar vom Vorwurf der Körperverletzung mit Todesfolge mangels Beweise freigesprochen worden, jedoch wurde er wegen einer am 30. April 2016 begangenen Gewalttat zu einer achtmonatigen Jugendstrafe verurteilt. Antreten musste Walid S. diese aber nicht, weil er die Strafe durch die im Fall Niklas abgesessene Untersuchungshaft abgegolten hatte. Mitte Oktober 2017 war es dann gleich zu zwei Gewalttaten gekommen. So soll er zusammen mit vier teils polizeibekannten Männern einen 23- Jährigen an der Kurfürstenallee krankenhausreif geschlagen haben, nachdem er zuvor in der Zeppelinstraße jemanden bedroht haben soll.

Während in diesen beiden Fällen die Verfahren eingestellt worden waren - Walid S. war zumindest an der Schlägerei nicht aktiv beteiligt und soll das Opfer nur bedroht haben - verurteilte das Siegburger Amtsgericht ihn im vorigen Jahr zu einer Geldstrafe von 1.000 Euro. Am 10. Dezember 2017 hatte er einen Mann vor einer Hennefer Diskothek angepöbelt und geschlagen, weil dieser anscheinend zu nah an der Freundin von Walid S. gestanden haben soll. Rechtskräftig ist dieses Urteil jedoch nicht, da sowohl die Staatsanwaltschaft, die vier Monate Haft auf Bewährung gefordert hatte, als auch Rechtsanwalt Martin Kretschmer, der Freispruch beantragt hatte, Berufung eingelegt haben. Schließlich soll Walid S. Mitte Januar dieses Jahres in der Bonner McDonald’s-Filiale an der Poststraße um 6.20 Uhr die Angestellten beleidigt haben, angeblich weil ihm das Essen nicht gefallen habe. Nachdem Walid S. lautstark randaliert hatte, soll er geflüchtet und dabei über einen Zaun geklettert sein, bevor er schließlich von der Polizei gestellt wurde und dabei erheblichen Widerstand geleistet haben soll. Er verletzt einen Beamten so stark, dass dieser anschließend im Krankenhaus behandelt werden musste.

Zwar war der Verdächtige nach der Schlägerei am Uni-Hauptgebäude im Anschluss an erste Ermittlungen durch die Kriminalwache in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft Bonn wieder entlassen worden, allerdings ermittelte die Polizei weiter. Aufgrund der so gewonnenen aktuellen Ermittlungsergebnisse, die auf dem Verletzungsbildes des 26-jährigen Geschädigten nach rechtsmedizinischer Untersuchung basieren sowie auf weiteren Erkenntnissen zum Tatablauf, aber auch auf der Darstellung der vorherigen Gewaltbereitschaft des 23-Jährigen, hatte die Bonner Staatsanwaltschaft bereits am Mittwoch voriger Woche beim Amtsgericht einen Haftbefehl gegen Walid S. wegen gefährlicher Körperverletzung beantragt. Am Donnerstag wurde dieser dann von einem Richter erlassen, bevor Walid S. am Freitagmorgen gegen 6 Uhr in Siegburg festgenommen und in Handschellen abgeführt wurde. Auch im Fall Niklas ist der 23- Jährige möglicherweise noch nicht aus dem Schneider. Der mitangeklagte Roman W., der im Prozess vor zwei Jahren Walid S. nicht belastet hatte, soll diesen im Mai 2018 plötzlich beschuldigt haben, Niklas Pöhler am Godesberger Rondell zu Boden geschlagen zu haben, was dieser bestritten hatte. Auch im „Fall Niklas“ wird weiter ermittelt. DL

Symbolbild. Quelle: Polizei NRW / Copyright: Jochen Tack Foto: Jochen Tack

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