Allgemeine Berichte | 21.11.2022

Die Flut legte unter anderem die Reste eines römischen Gutshofs und eines Kampfflugzeugs aus dem 2. Weltkrieg frei

Was die Flut zutage brachte: Außergewöhnliche Funde an der Ahr

Kenntnisreich und spannend sprach Gabriel Heeren beim Turmgespräch im Schloss.  Foto: HG

Kenntnisreich und spannend sprach Gabriel Heeren beim Turmgespräch im Schloss. Foto: HG

Sinzig. Heftig hat im Juli 2021 die Flut im Ahrtal gewütet und Verluste an Menschenleben, Besitz und Infrastruktur nach sich gezogen. Wiederaufbau und Neugestaltung binden derzeit die Kräfte. Nachgeordnet ergeben sich aus dem Extremhochwasser auch weitere Fragestellungen. So berichtete im Schloss der Archäologe Gabriel Heeren M.A., was die Flut zutage brachte an archäologischen Funden. Es war, um es vorwegzunehmen, ein faszinierender Abend. Damit hatten, dem Andrang nach zu urteilen, offensichtlich viele Gäste gerechnet. Selbst in den angrenzenden Räumen lauschten sie bei geöffneten Saaltüren hochkonzentriert dem mit Karten und Luftaufnahmen illustrierten Vortrag in der Reihe „Turmgespräch“ des Denkmalfördervereins. Sie erfuhren durch Heeren, der seit 2014 Mitarbeiter der Generaldirektion Kulturelles Erbe, Direktion Landesarchäologie, Außenstelle Koblenz, ist, von sehr unterschiedlich gearteten Funden aus der Römerzeit, Mittelalter, Neuzeit bis in die jüngere Geschichte, bei deren Bergung die Archäologen auf die Hilfe von Ehrenamtlern zählen konnten.

In Fuchshofen machte man eine ganz besondere Entdeckung. Das massive Hauptgebäude eines luxuriösen römischen Gutshofs aus dem 2. bis 3. Jahrhundert kam zum Vorschein. „Die Lage des dortigen Ahrverlaufs sowie des Gebäudes spricht dafür, dass man es in der Römerzeit unmittelbar am Wasserlauf der Ahr errichtete.“ Interessanterweise stellten die Experten fest, die Anlage sei schon damals in römischer Zeit von einer Überschwemmung betroffen gewesen. „Es ist völlig außergewöhnlich, dass man direkt an der Ahr gebaut hat,“ betonte Heeren, da die römerzeitlichen Bauten im Ahrtal typischerweise an erhöhtem Standort oder in anderweitig hochwasserfreier Lage entstanden. Die Fuchshofener Villa jedenfalls habe man, wohl wegen ihrer hochwassergefährdeten Lage, aufgegeben und zehn Meter höher wiedererrichtet.

Archäologie vor einem Rätsel

Flussabwärts „reisend“ erwähnte Heeren für Insul am Prümer Tor zwölf bis fünfzehn Meter lange Mauern in der Ahr, die in der Preußischen Landaufnahme nicht zu erkennen seien. Mit der Analyse stehe man „noch ganz am Anfang“. Für Dümpelfeld erwähnte er große Steinquader in bogenförmigem Fundament. Der Aufbau ähnele dem der Trierer Römerstraßen. Wieder stehe die Archäologie vor einem Rätsel.

Einen „wichtigen Halt“ legte der Wissenschaftler in Hönningen ein, wo von dem schon bekannten Absturz eines Militärflugzeugs am 27. Dezember 1944 zahlreiche Motorteile geborgen wurden. Heeren: „Sie sind derart spezifisch, dass man den Flugzeugtyp bestimmen lassen kann.“ So identifizierten die Experten die Überreste eines deutschen Kampfflugzeuges (Messerschmitt Bf 109) aus dem Zweiten Weltkrieg. Mehr noch, mittels Werk- und Motornummer gelang es, den Piloten Peter Hirschmann zu ermitteln: „Sehr wahrscheinlich war er in einen Luftkampf verwickelt.“ 20-jährig verstarb er beim Absturz in den Ahrwiesen. In der Lage von Absturzstelle im Überschwemmungsgebiet sieht Heeren „ein gemeinsames Mahnmal für Leid und Zerstörung durch Naturereignisse sowie durch menschliches Handeln hervorgerufene Katastrophen“. Nebenbei wies er darauf hin, dass der Kampfmittelräumdienst bei den Aufräumarbeiten nach der Flut an der Ahr über 400 Kilogramm scharfe Weltkriegsmunition geborgen hat.

Mit Blick auf einen römischen Gutshof in Dernau, deutete der Archäologe erneut auf das hochwassersichere Bauen dieser Zeit und konstatierte, „die ganze Ahr entlang ein immer erkennbares Muster: die höhere Besiedlung“. Bei Dernau, Walporzheim und Ahrweiler fand man römische Dachziegelfragmente, die auf ehemalige Siedlungen im Ahrtal verweisen, weiterhin zahlreiche mittelalterliche und neuzeitliche Keramik- und Gefäßfragmente. Sie waren vermutlich bereits bei den Fluten 1804 und 1910 aus den zerstörten Gebäuden herausgeschwemmt und im Ahrsediment abgelagert worden.

Funde frühere Brücken

Das Ahrhochwasser 2021 zerstörte nicht nur 62 Brücken und hinterließ Beschädigungen an 13 weiteren. Es wirbelte auch aus dem Untergrund fortgeschwemmtes Brückenholz vergangener Hochwasser wurde wieder frei. In Ahrweiler, Heppingen und in Sinzig legte die Flut allerhand Pfähle, häufig noch mit dem eisernen Pfahlschuh versehen, frei. Im Turmgespräch ging Heeren mit Dank an den Bauhof besonders auf die mit der höchsten Anzahl an Pfählen gekennzeichnete Sinziger Situation ein. 20 historische Pfähle von verschiedenen Brücken sind dort zwischen dem Standort des Dr. Richard Spessart-Stegs und der heutigen B9-Ahrbrücke gesichert worden.

Diese Eichen- und Fichtenholzstämme weisen teilweise noch eine Länge von bis zu fünf Metern auf. Sie haben einen Durchmesser von rund 40 Zentimetern und tragen größtenteils eiserne Pfahlschuhe, welche der Stabilität des Holzes beim Einrammen durch die Pfahlramme im Kiessediment der Ahr dienen sollten. Ein Teil der zwischen Treibholz und Schutt ausgemachten Pfähle trage identische Pfahlschuhe und lasse sich einem Brückenbauwerk zuweisen, so Heeren. Die Altersbestimmung des Holzes deute darauf hin, dass diese Pfähle im Zeitraum 1824 bis 1844 geschlagen wurden. Sie zeugten von einem bislang unbekannten Brückenbauwerk in Höhe der heutigen Kölner Straße, das zwischen dem Brückenneubau der Franzosen in Holz nach der Flutkatastrophe 1804 und dem dort 1873 errichten Steinbauwerk eine weitere Brückenkonstruktion in Holz ausgeführt wurde. Die Untersuchungen der Funde halten noch an und sollen publiziert werden.

HG

Kenntnisreich und spannend sprach Gabriel Heeren beim Turmgespräch im Schloss.  Foto: HG

Kenntnisreich und spannend sprach Gabriel Heeren beim Turmgespräch im Schloss. Foto: HG

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Mirko Walden: Es ging doch darum, dass nicht gewarnt wurde und die Lage nicht erkannt wurde. Ebenfalls wurden keine Maßnahmen umgesetzt. Was ist hierzu passiert? Was bringen neue Sirenen, wenn nicht evakuiert wird?...
  • Dieter Borrmann: Der landschaftlich großartige Weg unterhalb Brauselay über den Conder Kreuzweg nach Cond ist teils unbefestigt, teils sehr glatt, teils steil. Sehr gutes, rutschfestes Schuhwerk (Profilsohle) wird unbedingt angeraten.
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
Imageanzeige
Dauerauftrag Imageanzeige
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0240#
Blumen Meyer Neueröffnung
Anzeige Uhren Vintage
Empfohlene Artikel
10

Birresdorf. „Mitten ins Herz - Musik im Frühlingsrausch“: Etwas später als sonst wird der „Gemischte Chor Eintracht Birresdorf“ auch in diesem Jahr wieder die im Frühling erwachenden Lebensgeister begrüßen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild.  Foto: ROB
4

Aus dem Polizeibericht

Brand und Unfall

Bad Breisig. In den Morgenstunden des 15.04.2026 gegen ca. 4.30 Uhr bemerkte der Halter eines E-Autos eigenartige Zischgeräusche im Motorraum seines Fahrzeugs. Wenige Augenblicke später geriet der am Straßenrand stehende PKW in Vollbrand. Die FFW Bad Breisig konnte den Vollbrand schnell löschen, so dass ein Übergreifen auf andere Fahrzeuge oder Gebäude verhindert werden konnte. Bis zur Beendigung...

Weiterlesen

Symbolbild.
13

Polizei erwischt mehrere Raser auf der „Panorama“ zwischen Faid und Cochem

16.04.: Motorradfahrer war 56 km/h zu schnell

Cochem. Am Donnerstag, dem 16. April 2026, führte die Polizeiinspektion Cochem gezielte Kontrollen zur Geschwindigkeitsüberwachung und Motorradüberprüfung durch. Zwischen 13:30 Uhr und 17:30 Uhr fand eine solche Kontrolle auf der „Panorama“, der kurvenreichen B259 zwischen Faid und Cochem, statt. Diese Strecke ist bekannt dafür, dass Motorradfahrer sie in der Vergangenheit oft zum Rasen genutzt haben.

Weiterlesen

15

Bürgerinformationsveranstaltung am 5. Mai um 18 Uhr im Ratssaal

Photovoltaikanlagen und Steckersolargeräte im Fokus

Meckenheim. Welche Rolle spielen Photovoltaik und Steckersolargeräte im eigenen Zuhause? Welche Voraussetzungen braucht es für die Installation auf Balkon oder Dach? Und welche Fördermöglichkeiten gibt es aktuell? Diese und weitere Fragen werden behandelt, wenn die Stadt Meckenheim alle Interessierten zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung einlädt. Die Veranstaltung wird in Zusammenarbeit...

Weiterlesen

Wir helfen im Trauerfall
Werksverkauf Anhausen
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Rückseite
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Kirmes in Polch
Kirmes Polch
Handwerker im Außendienst
Werksverkauf Anhausen
Rund ums Haus Daueranzeige
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Heizölanzeige
Schulhausmeister
Genusstage 17./18.04.
Floristik Meyer
Anzeige Jaadeporz 2026