Allgemeine Berichte | 03.12.2021, 16:58 Uhr

Gemeinsame Fluthilfe der vier Lions Clubs aus Koblenz und Vallendar zieht eine erste Zwischenbilanz

Weit über eine Million Euro an Sach- und Geldspenden für Flutopfer im Ahrtal

Das Camp am Ahrweiler Bahnhof. Foto: privat
249

Koblenz/Vallendar. Die Flutkatastrophe vom 15. Juli 2021 im Ahrtal und das damit verbundene Leid, Zerstörung und Tod hat alle fassungslos gemacht und beschäftigt weiter täglich. Getreu dem Motto „We serve“ haben sich die vier Lions Clubs aus Koblenz und Vallendar sofort nach der Flutkatastrophe entschlossen, eine gemeinsame Hilfsaktion vor Ort am Ahrweiler Bahnhof zu starten.

Bereits am 15. Juli, in den späten Abendstunden, wurde ein erstes Videotreffen der vier Lions Clubs mit dem Ziel ins Leben gerufen, ein Orga-Team zu installieren, um Soforthilfe zu leisten. Lions Freund Peter Bäsch aus Koblenz, der auch erster Vorsitzender der Tafel Koblenz ist, war von Beginn an involviert und sagte tatkräftige Unterstützung mit allen relevanten Hilfsgütern zu.

Unmittelbar danach gingen die ersten Infos an alle Mitglieder der Lions Clubs, verbunden mit einem Spendenaufruf. Schon im Laufe des ersten Tages trafen erste Geld- und Sachspenden ein. Die Tafel Koblenz und die Lions waren dann sofort auf dem Weg ins Ahrtal, um sich einen Überblick zu verschaffen, wo konkret Hilfe geleistet werden kann. Recht schnell konnte in Abstimmung mit Tom Schilling vom Deutschen Roten Kreuz und selbst auch aktiver Lion, ein Platz für eine Versorgungsstation am Bahnhof in Ahrweiler ausgemacht werden. Bereits am 17. Juli konnten die ersten eingetroffenen Hilfsgüter aller Art am Ahrweiler-Bahnhof angeliefert und an die Menschen vor Ort verteilt werden. Die Lions waren mit zahlreichen Mitgliedern in Ahrweiler präsent und packten tatkräftig bei den anstehenden Arbeiten an.

Neben dem Stand der Lions standen der „Impfbus“ der Koblenzer Feuerwehr und die mobile Arztstation des DRK Koblenz. Die Lions bekamen somit vor Ort in diesem Zusammenschluss einen „festen“ Platz. Hilfsgüter aus allen Clubs und insbesondere von der Tafel Koblenz wurden an den Bahnhof gebracht und von dort aus verteilt - Lebensmittel, Hygiene- und Haushaltsartikel, Schubkarren, Decken, Schaufeln, Kleidung, Arbeitsschuhe und vieles mehr.

Zusätzlich wurden von der Logistik-Zentrale am Nürburgring gepackte 15 bis 20 Kilogramm schwere Hilfspakete auf Paletten angeliefert und auch an dem Lions Versorgungsstand abgestellt. Die betroffenen Menschen konnten diese Pakete aber nicht handhaben, nahmen sich das heraus, was sie tragen konnten und dringend brauchten. Schnell entstand ein buntes, eigentlich nicht beherrschbares Warenlager offener Pakete und ein großes Durcheinander. Die Lions reorganisierten recht schnell den gesamten Stand und die Abläufe und riefen deshalb sofort noch mehr Personal aus eigenen Reihen ab. Recht schnell wurden Zelt-Pavillons herbeigeschafft, ein abschließbarer Hänger organisiert und Tische und Bänke aus eigenen Reihen angeliefert. Am Abend sah die Versorgungsstation schon deutlich professioneller aus. Hilfsgüter aller Art wurden zunehmend und vermehrt auf dem Platz bei den Lions angeliefert, da keine der im öffentlichen Info-Netz aufgeführten Sammelstellen mehr Hilfsgüter annehmen konnte, expandierte der Lions-Stand schnell, potentiell und teilweise unkontrolliert. Am Abend des 24. Juli half Reiner Schneider, Zeltverleiher aus Kempenich, spontan mit einem professionellen Zelt, in dem dann letztendlich fast alle Hilfsgüter trocken untergestellt werden konnten.

Freiwillige Profi-Griller kamen für das erste Wochenende nach der Flutkatastrophe und versorgten die Menschen und insbesondere die vielen freiwilligen Helfer mit einer warmen Mahlzeit. Über 3.400 Portionen warmes Essen wurden alleine am ersten Hilfswochenende ausgegeben. Viele freiwillige Helfer der Lions waren über das gesamte Wochenende vor Ort im Einsatz, mit tatkräftiger Unterstützung der Tafel Koblenz, die permanent Lebens- und Hilfsmittel heranschaffte.

Die Idee der„Blaulicht-Gruppe“ war geboren

In der Folgewoche trafen sich die Lions mit dem Vorstand des Fördervereins der vier Lions Clubs. Sofort entstand die Idee zur Gründung einer „Blaulicht-Gruppe“, die als schnelle Koordinationsgruppe für diese Krise dienen sollte und auch bis zum heutigen Zeitpunkt noch prüft, wo die finanziellen Hilfen zu leisten sind. Darüber hinaus ging ein Info-Schreiben an die Club-Mitglieder mit dem Ziel, auch Betroffene ausfindig zu machen, denen man direkt Geldspenden zukommen lassen sollte. Direkte, unbürokratische Hilfe also.

Es wurde ein Lions-Personal-Einsatzplan erstellt. Vor Ort waren nun täglich mehrere Helfer von 8 bis 18 Uhr aus den Reihen der Lions tätig. Waren und Hilfsgüter aus ganz Deutschland trafen mittlerweile am Stand ein. Tag für Tag galt es Ware anzunehmen und zu sortieren, um diese den betroffenen und hilfsbedürftigen Menschen zur Verfügung zu stellen. Die Clubmitglieder kümmerten sich nun auch privat weiter selbst um Spenden in ihren eigenen und geschäftlichen Netzwerken. Darüber hinaus wurde den Lions ein geeignetes Groß-Fahrzeug kostenlos zur Verfügung gestellt, welches immer noch vor Ort stationiert ist, um benötigte Waren auch in die Tiefe des Ahrtals bringen zu können.

Auch zahlreiche große Firmen unterstützten die Hilfsaktion. Frische Waren und Getränke konnten jederzeit abgerufen werden. Ein Lions Freund organisierte psychosoziale Betreuung vor Ort, andere beschafften zwischenzeitlich einen See-Container für das Abstellen der Hilfsgüter über Nacht. Die Lions vernetzten sich auf der „Ahrhelp Seite“ mit einem eigenen Eintrag und starteten den internen Aufruf „Betroffene Familien werden gesucht“, um die gezielte, persönliche Unterstützung angehen zu können. Die eingerichtete „Blaulicht-Gruppe“ koordiniert bis heute und auch weiterhin alle Vorgänge.

Mit dem „Einsatzfahrzeug“ ging es ins Gelände bis nach Mayschoß. Schnell wurde festgestellt, dass die Grundversorgung in den betroffenen Orten des Ahrtals gesichert ist. Es fehlte jedoch überall an professionellen Handwerksgeräten, welche durch die Lions dann ebenfalls organisiert wurden.

Der Lions Stand wurde zu einer festen, sicheren und bekannten Rettungsinsel in der ersten Zeit nach der Katastrophe. Viele Kontakte wurden geknüpft mit dem Ziel, den Versorgungs-Stützpunkt so lange wie möglich aufrechtzuerhalten und jeweils mit den entsprechenden Gütern zu versorgen. Über rund sechs Wochen diente er dem guten Zweck.

Zahlreiche finanzielle Spenden wurden an schwer betroffene Familien überwiesen. Insgesamt haben die Lions bisher über eine Million Euro an finanziellen Mitteln und Sachspenden aufgebracht und eingesammelt. Diese konnten aus dem Deutschen Lions-Hilfswerk und zahlreichen Spenden aus eigenen Reihen generiert werden. Die Tafel Koblenz hat mit tatkräftiger Initiative ihres ersten Vorsitzenden, Peter Bäsch, die benötigten Waren und Hilfsgüter zur Verfügung gestellt.

Die Unterstützungsoll weiter gehen

Und die Hilfe für das Ahrtal hat noch lange kein Ende gefunden. Die Lions wollen sich nachhaltig einbringen und beim Wiederaufbau helfen. So wurden zwischenzeitlich in Marienthal 50.000,- Euro gespendet, die als Direkthilfe für die Einwohner dienen. Zwischenzeitlich organisierten die Lions 200 Bautrockner, die in eigener Initiative in China bei einem Hersteller bestellt und per Bahnfracht nach Deutschland geliefert wurden. Diese wurden zwischenzeitlich in Absprache mit den Bürgermeistern einiger Orte im Ahrtal an die Empfänger gebracht. Ebenso wurden über 700 Heiz-Konvektoren mit Gebläse gespendet.

Die vier Lions Clubs aus Koblenz und Vallendar wollen weiterhin ihre Unterstützung aufrechterhalten. Hier sehen die Verantwortlichen aus dem Organisationsteam eine langfristige Aufgabe und werden diesbezüglich über weitere Aktivitäten nachdenken, deren Reinerlös den Menschen im Ahrtal zur Verfügung gestellt werden soll.

Weitere Informationen:

Die Lions Deshalb weiter Spenden sammeln, suchen aber auch weiterhin Menschen, die sie aktiv unterstützen können.

Bank: Sparkasse Koblenz

IBAN: DE77 5705 0120 0000 2840 75

BIC: MALEDE51KOB

ROB

Bernhard Sommer (l.) und Jürgen Kuhn kamen in den Krupp Verlag um von ihren Erlebnissen zu berichten. Foto: ROB

Bernhard Sommer (l.) und Jürgen Kuhn kamen in den Krupp Verlag um von ihren Erlebnissen zu berichten. Foto: ROB

Das Camp am Ahrweiler Bahnhof. Foto: privat

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis – inkl. E-Paper
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Dauerauftrag 2026
Dauerauftrag
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0605#
Heimat aktiv erleben AW
Heimat aktiv AW
Heimat aktiv AW
Heimat aktiv AW
Shopping Genuss Abend Ahrweiler / o.B. Sponsoring
Empfohlene Artikel
Guido Erler zeigt auf der Seite Hydrozwilling, wie sich bei einem Starkregen das Wasser in der Ortslage Weinähr verteilt.
12

In der Gemeinde Weinähr fand eine Informationsveranstaltung statt, bei der der Brand- und Katastrophenschutzinspekteur des Rhein-Lahn-Kreises, Guido Erler, über die Vorbereitung auf Krisen und Katastrophen referierte. Ortsbürgermeister Florian Schliemann hatte zu diesem Anlass eingeladen und übernahm die Begrüßung. Der Vortrag betonte die Wichtigkeit einer fundierten Vorbereitung auf außergewöhnliche...

Weiterlesen

Straßenbeleuchtung wird umweltfreundlich
13

Die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler setzt die schrittweise Modernisierung ihrer Straßenbeleuchtung fort. Ziel ist es, durch den Einsatz moderner LED-Technik die Energiekosten und CO₂-Emissionen zu senken sowie den Wartungsaufwand zu reduzieren. Dank ihrer hohen Energieeffizienz und Langlebigkeit trägt die neue Beleuchtung zugleich zum Umwelt- und Klimaschutz bei. Mehr dazu im RegioMAGAZIN.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Auch beim diesjährigen Knuspermarkt wird das schnucklige Riesenrad wieder ein echter Blickfang sein.
454

Neuwied. Eine Prise Zimt in der Luft, dort ein bisschen Zuckerguss und ganz viel Lebkuchen-Zauber: In der Vorweihnachtszeit wird in der Deichstadt wieder geknuspert. Denn der Knuspermarkt – Neuwieds Weihnachtsmarkt – lockt von Freitag, 20. November, bis Mittwoch, 23. Dezember, wieder auf den Luisenplatz in der Neuwieder Innenstadt. Mit Ausnahme von Totensonntag am 22. November hat der Knuspermarkt täglich von 11 bis 20 Uhr geöffnet.

Weiterlesen

Symbolbild.
1983

Astrologische Vorschau für die KW 45: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 02. bis 08. November 2026 - Zwischen großen Gefühlen und wichtigen Entscheidungen

Der November bringt eine Woche voller Gegensätze: Während sich in der Liebe neue Chancen eröffnen, können im Berufsleben unerwartete Hindernisse für Unruhe sorgen. Zwischen dem Wunsch nach Sicherheit und der Sehnsucht nach Veränderung gilt es, die richtige Balance zu finden. Nicht jede Entscheidung fällt leicht, und manche Konflikte lassen sich nicht länger aufschieben. Gerade darin liegt jedoch die Möglichkeit, überholte Gewohnheiten zu hinterfragen und neue Wege einzuschlagen.

Weiterlesen