Wenn Kinder Kapitäne werden
Remagen. Unter dem diesjährigen Karnevalsmotto „Alle Jecken feiern munter, über Wasser oder drunter““ verwandelte sich die Kindertagesstätte Arche Noah, einer Einrichtung der kath. Kita gGmbH Koblenz, in eine lebendige Piraten- und Unterwasserwelt. Doch statt fertiger Dekorationen zu kaufen, entschieden sich die Kinder für einen eigenen Weg: Sie bauten ihr Piratenschiff selbst – von der ersten Idee bis zur letzten Schraube.
Die Idee entstand aus dem Spiel der Kinder heraus. Schnell war klar: Ein echtes Piratenschiff muss her. In einer gemeinsamen Planungsphase überlegten die Kinder, was ein richtiges Schiff braucht. Es wurden Skizzen gezeichnet, Ideen gesammelt und demokratisch abgestimmt. Kanone? Steuerrad? Schatzkiste? Die Entscheidungen trafen die Kinder selbst.
Gebaut wurde schließlich über einen Zeitraum von vier bis fünf Wochen. Große Kartons – eigens von einer Fachkraft organisiert – bildeten die Grundlage. Mit kindersicheren Sägen schnitten die Kinder eigenständig Formen aus, verschraubten die Konstruktion mit Plastikschrauben und gestalteten das Schiff nach ihren Vorstellungen. Immer wieder entstanden neue Ideen: Von Piratenschwerter über einer Kanone aus Karton und schließlich – ganz wichtig – eine Schatzkiste für den Goldschatz.
Parallel dazu wuchs eine fantasievolle Unterwasserwelt. Fische, Wale, Haie und Rochen schmücken nun die Räume der Kita. Besonders das Malen und Gestalten der Umgebung bereitete den Kindern große Freude. Auch Meerjungfrauen fanden in einer selbstgebauten Höhle ihr Zuhause.
Das Besondere: In der offenen Arbeit der Kita hatten alle Kinder jederzeit Zugang zum Projekt. Jedes Kind konnte sich nach eigenem Interesse beteiligen – planen, bauen, malen oder neue Ideen einbringen. So wurde das Piratenschiff zu einem Gemeinschaftswerk der gesamten Einrichtung.
Neben der Kreativität standen vor allem pädagogische Prozesse im Mittelpunkt. Die Kinder erfuhren Selbstwirksamkeit – sie erlebten, dass ihre Ideen zählen und umgesetzt werden. Sie entwickelten Problemlösungskompetenzen, wenn Konstruktionen stabilisiert werden mussten, stärkten ihre Teamfähigkeit durch gemeinsame Entscheidungen und übten demokratische Prozesse durch Abstimmungen. Die intrinsische Motivation der Kinder war dabei jederzeit spürbar.
Die Fachkräfte begleiteten das Projekt bewusst zurückhaltend: als Beobachter, Impulsgeber und Unterstützer bei der Materialbeschaffung. „Es war beeindruckend zu sehen, wie eigenständig die Kinder geplant und Lösungen gefunden haben“, heißt es aus dem Team.
Der Stolz der kleinen Piraten und Meerjungfrauen ist bis heute spürbar. Täglich präsentieren sie ihr Werk den Eltern – und jeden Tag entstehen neue Erweiterungen aus Karton. Auch langfristig soll das Schiff erhalten bleiben: Gemeinsam wurde beschlossen, es künftig im überdachten Außengelände aufzustellen, damit es weiterhin bespielt und kreativ erweitert werden kann.
Die Begeisterung wirkt über die Kita hinaus. Eine Mutter brachte es schmunzelnd auf den Punkt: „In dieser Kita wäre ich auch noch einmal gerne Kind.“
So zeigt sich in Oberwinter eindrucksvoll: Wenn Kinder zu Kapitänen ihrer eigenen Ideen werden, entstehen nicht nur Piratenschiffe – sondern starke, selbstbewusste Persönlichkeiten.
