Wo Kliniken schließen baut der Hospiz-Verein seine Arbeit aus
Beim Neujahrsempfang in Adenau bekräftigte der Verein sein Bestreben, für alle Menschen im AW-Kreis da zu sein - auch im ländlichen Raum - bisher Erreichtes und neue Projekte
Adenau. An der aus Stein gemeißelten „Butterfrau“ vorbei ging es in die schmucke Scheune am Buttermarkt:
Nach Adenau hatte der Hospiz-Verein Rhein-Ahr zu seinem alljährlich an einem anderen Ort abgehaltenen Neujahrsempfang geladen und damit an den Ort, an dem er – neben seiner Hauptgeschäftsstelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler - seit 13 Jahren am Markt eine weitere Geschäftsstelle betreibt.
„Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass hier im ländlichen Raum die familiären Strukturen noch so weit in Ordnung sind“, erklärte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Adenau, Guido Nisius, zum Auftakt des geselligen Stelldicheins, zu dem jeder willkommen war. Nichtsdestotrotz attestierte er dem Verein „auch hier genügend Betätigungsfelder mit dem was Sie tun - und das ist aller Ehren wert.“ So freue er sich über das Zeichen, dass der Verein mit der Einladung setze.
„Es ist uns wichtig, Sichtbarkeit zu zeigen und, dass wir auch hier tätig und in der Region, mit der Region und für die Region unterwegs sind“, erklärte die Vereinsvorsitzende Ulrike Dobrowolny: Wir sind heute auch hier, um diesem Teil des AW-Kreises, unsere Unterstützung am Lebensende zuzusagen. Zwei Krankenhäuser in Ihrem Umfeld haben geschlossen, wir bauen unsere Initiative weiter aus“. Was der Verein für die „Situation, dass ein Mensch an das Ende seines Lebens angekommen ist“, viel zu bieten habe und viel leiste, zeigten ihre Ausführungen.
287 Menschen im Jahr 2025 begleitet
Niederschwelligstes Angebot sei die ambulante Arbeit des Hospiz-Vereins durch die hauptamtlichen Palliativcareschestern, die im vergangenen Jahr 287 Menschen begleitet haben, und durch die vom Verein eigens dazu in 100 Kursstunden befähigten insgesamt 82 ehrenamtlichen Hospizbegleitungen. Sie haben Menschen am Lebensende und deren Angehörigen insgesamt mehr als 2450 Stunden ihrer Zeit geschenkt und beigestanden, so die Vorsitzende: „Am Lebensende haben die meisten Menschen Angst vor Einsamkeit. Hier können die ehrenamtlichen Begleiter die Sonne sein.“
Drei Jahre nachdem der Hospiz-Verein Rhein-Ahr seine Dependance in Adenau eröffnete, öffnete vor zehn Jahren das stationäre Hospiz im Ahrtal. Dieses hat im vergangenen Jahr 84 Menschen aufgenommen, die von einem Team aus 32 hauptamtlichen Hospizmitarbeitern und 17 Ehrenamtlichen ver- und umsorgt werden.
Was die Anmeldeliste des Hospizes erheblich verkleinert habe, sei die vom Hospiz-Verein initiierte Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV). Das Team aus acht Palliativpflegekräften und fünf Palliativmedizinern ermöglicht Menschen zu Hause zu sterben, weil es dank seiner Spezialkenntnisse dabei hilft, dass Schwerstkranke im fortgeschrittenen Stadium auch zu Hause nicht unter Symptomen wie Schmerzen, Luftnot, Übelkeit oder Ängsten leiden und deren Angehörige gestützt werden. 243 Menschen haben im Jahr 2025 eine entsprechende ärztliche Verordnung dafür erhalten.
Einsatz des Vereins für neue Palliativeinheit
Um keine Lücke bei der im Fokus stehenden Zielgruppe entstehen zu lassen, habe der Hospiz-Verein Rhein-Ahr auch daran mitgewirkt, dass nach der Schließung der Palliativstation in Remagen, am Bad Neuenahrer Krankenhaus Maria Hilf zeitnah eine neue Palliativeinheit eröffnete. Dort sind zudem Ehrenamtliche des Vereins im Einsatz.
Das nächste vereinseigene Projekt des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr ist überdies weiter im Werden, wie Ulrike Dobrowolny betonte: das Tageshospiz in direkter Nähre zur Vereins-Geschäftsstelle in Bad Neuenahr-Ahrweiler: „Hier können Menschen tageweise versorgt und Angehörige entlastet werden“, so die Vorsitzende. Für seine Projekte sei der Verein auf Unterstützung angewiesen: Im Bestreben, als Bürgerbewegung mit den Bürgern für die Bürger da zu sein, könne jeder die Arbeit des Hospiz-Vereins unterstützen - durch Spenden, Mitgliedschaft und Ehrenamt.
Bei Snacks und Getränken hatte die Gäste in der vollen Scheune am Buttermarkt so jede Menge Gesprächsstoff. Außerdem unterhielt die Gruppe Mayenspîl: Eingängige Folk-Melodien spielten die aus Ahrbrück stammenden Geschwister Anna (Flöte), Lukas (Harfe) und Matthias (Geige) May. Pressemitteilung Hospiz-Verein Rhein-Ahr
Neujahrsempfang in Adenau: Ein Zeichen der Solidarität und Hilfe.
Musikalischer Auftakt für ein neues Jahr der Unterstützung und Begleitung.
