Sommerfest an der Ruine Isenburg
Wo man dem Himmel ein Stück näher ist
An der Ruine der Isenburg wird nicht nur viel gearbeitet, sondern auch kräftig gefeiert - Sommerfest lockte Besucher von nah und fern ins Saynbachtal
Isenburg. Alle zwei Jahre lädt der Freundeskreis der Isenburg zum Sommerfest am Fuß der Burg ein. Der Weg dorthin ist nicht unbeschwerlich. Vom Tal bis zum Burgplateau sind 60 Höhenmeter auf kurzer Strecke zu überwinden. Oben angekommen, nimmt man gerne das Angebot von gegrillten Steaks und Würstchen, erfrischenden Getränken oder Kaffee und Kuchen an. Besonders bei den endlich wieder sommerlichen Temperaturen am vergangenen Sonntag. Nur an den zwei Tagen zur Vorbereitung des Festes sind die Helfer ordentlich nass geworden. Pünktlich zum Fest schien wieder die Sonne über der Isenburg. Kein Wunder, dass man hier einen guten Draht zu Petrus hat, ist man dem Himmel doch ein ganzes Stück näher, als an den meisten anderen Orten.
Das Wetter, das reichhaltige kulinarische Angebot und die Möglichkeit, an einer der Burgführungen von Rolf Schmidt teilzunehmen, lockten viele Gäste zur Isenburg. Über 300 werden es gewesen sein, schätzen die Veranstalter. Und bei Weitem nicht nur aus der näheren Umgebung. Seit man die Isenburg auch im Internet finden kann, kommen Interessierte zur Besichtigung aus allen Teilen der Republik und aus dem Ausland. Vor Kurzem erst informierten sich hier Wanderer aus Belgien und Holland über das markante Gebäude hoch über dem Iser- und dem Sayntal. Ins Gästebuch, das in einer Hütte unterhalb der Burg ausliegt, haben sich sogar Besucher aus Kanada eingetragen.
Matthias Herzog und Fred Herman sind erster und zweiter Vorsitzender des Freundeskreises der Isenburg. 2005 wurde der Freundeskreis gegründet, zwei Jahre später begann man mit dem Sommerfest an der Burg. Es ist die zweitälteste im Kreis Neuwied. Baubeginn war um das Jahr 1100. 1633 wurde die Festung von spanischen Truppen erobert und besetzt. Seit 1772 existieren von dem einst mächtigen Gebäude mit Verteidigungs- und Wohnanlagen nur noch Ruinen.
Der Verein, der sich um den Erhalt der Restanlage und die Wiedererrichtung einzelner Mauerteile kümmert, hat 110 Mitglieder. Nur durch ihre Arbeit ist es überhaupt wieder möglich, sich durch die Burganlage zu bewegen. Matthias Herzog: „Die Sicherung ist ebenfalls eins unserer Anliegen. Anfangs war es sehr gefährlich, sich hier aufzuhalten. Früher musste man aufpassen, dass man nicht von herunterfallenden Steinen erschlagen wird. Mittlerweile ist die Anlage wieder ganzjährig begehbar.“ Das nutzen auch die vielen Wanderer, die den Weg der Iserbachschleife genommen haben, der an der Isenburg vorbeiführt.
500.000 Euro aufgebracht
Der Erhalt der Burgruine kostet viel Geld und noch mehr Arbeit steckt in ihm. In den vergangenen Jahren wurde das Projekt mit ansehnlichen Beträgen aus dem Denkmalschutz-Etat des Landes Rheinland-Pfalz unterstützt. Dort hat man aber den Geldhahn etwas zugeschraubt. In diesem Jahr muss der Förderverein von 80.000 Euro benötigten Geldern 50.000 selbst finanzieren. Nur ein kleiner Teil davon kann über Spenden zum Beispiel der Sparkasse oder vom Fürst zu Wied erbracht werden. Seit der Gründung des Vereins vor zwölf Jahren wurden rund 500.000 Euro in den Erhalt der Reste der Isenburg investiert. Die Eigenleistungen der Vereinsmitglieder dazu gerechnet, kommt man locker auf eine Million Euro, sagen Matthias Herzog und Fred Herman. Die Summe liegt deutlich unter der anfänglich kalkulierten Summe von 2,5 Millionen Euro für die Restaurierung des so genannten „aufgehenden Mauerwerks“. Unzählige Stunden an Eigenleistung der ehrenamtlichen Helfer und Vereinsmitglieder haben das möglich gemacht. Viele Unterstützer haben sich das nötige Handwerkszeug erst vor Ort angeeignet. So war es möglich, dass jetzt ein ehemaliger Bankmitarbeiter mit Traufel und Kelle umgehen kann. Weil es keine Straße bis zur Burg hinauf gibt, müssen sämtliches Arbeitsmaterial und alle benötigten Rohstoffe per Muskelkraft den Berg hinauf getragen werden.
Die freiwilligen Helfer haben sich immer weiter vorgearbeitet und auch zugewachsene Flächen wieder freigeräumt. So ist der Freundeskreis dem Ziel ein Stückchen näher gekommen, eins der nächsten Sommerfeste vielleicht tatsächlich zwischen den alten Burgmauern zu feiern.
Das würde vermutlich noch deutlich viel mehr Besucher anlocken. Jetzt schon einen weiten Weg auf sich genommen hat ein Paar aus der Nähe von Wissen. „Ich wollte schon immer mal auf die Burg. Ich fahre hier öfter vorbei und bin neugierig geworden. Es ist schön hier“, sagt der Mann. Und sie ergänzt: „Wir interessieren uns grundsätzlich für historische Bauwerke. Bei uns zu Hause gibt es zum Beispiel Schloss Crottorf, Schloss Schönstein, die Abtei Marienstatt oder das Schloss Hachenburg. Wir finden es auch interessant, dass sich hier ein Freundeskreis zum Erhalt der Burgruine gebildet hat.“ Ohne den wäre heute wahrscheinlich nur noch ein Bruchteil des historischen Gebäudes zu sehen. Hier halten fleißige Menschen ein Stück Geschichte lebendig. Und hoffen, in Zukunft auch noch viele junge Helfer für ihre gute Arbeit zu finden.
Burgenführer Rolf Schmidt erklärt den Besuchern, wie das imposante Wohn- und Verteidigungsgebäude früher einmal ausgesehen hat.
Was der Freundeskreis alles schon geleistet hat, zeigt zweiter Vorsitzender Fred Herman anhand des Fotos und dem heutigen Zustand derselben Stelle.
Die Mitglieder des 2005 gegründeten Freundeskreises der Isenburg - hier mit Vorsitzendem Matthias Herzog, zweitem Vorsitzenden Fred Hermann und Schatzmeister Kurt Kühn (v.li.) - wollen in diesem Jahr das Projekt „Erhalt des aufgehenden Mauerwerks“ abschließen.
