Allgemeine Berichte | 21.11.2018

Jubiläum bei den Heimatkundlern Kettig

Zehn Jahre viel Diskussionsstoff

Kettig.Seit zehn Jahren treffen sich heimatinteressierte aus Kettig monatlich im Hotel Kaiser, um sich über die abwechslungsreiche und spannende Vergangenheit des Ortes Kettig, der 915 erstmals in einer Schenkungsurkunde im Goldenen Buch der Abtei Echternach erwähnt wird, auszutauschen. In den zehn Jahren wurden viele Themen besprochen und oftmals „heiß“ diskutiert: Historische Ausgrabungen, die Kettiger Kirche und Pfarrhäuser, geheimnisvolle unterirdischen Gänge in und um die Kirche bis in den Hellenpfad, die alten Grabkreuze hinter der Kirche, Die Geschichte vom Ton- und Kohleabbau, die Bimsindustrie in Kettig, die Historie vom Dorf „Werle“ in der Flurbezeichnung „im Görgenborn“, ehemalige Schmieden, 400 hundertjährige Schulgeschichte von Kettig, der Holunderanbau, das heutige Bürgerhaus und einiges mehr. Zahlreiche Führungen und Besichtigungen wurden in Urmitz, Lahnstein, Mülheim-Kärlich, Bassenheim, Schloss Monrepos, die Archive der Abtei Rommersdorf und in der Außenstelle vom Landeshauptarchiv Koblenz in Kobern/Gondorf durchgeführt.

Vortrag zum ehem. Weinanbau in Kettig von Dr. Berthold Prößler

Zu diesem Thema Weinanbau haben die Kettiger Heimatfreunde den Dozenten Dr. Berthold Prößler eingeladen, der ausführlich im Bürgerhaus dazu referierte. Nach der Begrüßung durch den Ortschronisten und Schriftführer Gerhard Elingshäuser berichtete Dr. Prößler, das Kettig laut der Ersterwähnung im Jahre 915 im Goldenen Buch der Abtei Echternach als Weinort überliefert ist. Das Anbaugebiet erstreckte sich an der südwestliche Anhöhe in Kettig, welche sehr intensiv von der Sonne verwöhnt ist. Die Namen der Flurbezeichnungen wo der Wein gut gedieh waren: auf dem Frauenberg (Frammerich), im Berg, im Bungert, im Burgental, im Aalsbruch, im Weimerich, auf der Baulbach, auf der Helle, im Flutgraben, auf dem Miesenheimer Berg, im Schalmerich, auf dem Kuckucksberg, im Schmalenacker, in der Noxhelle, auf dem Weyer, im Baetenacker und so weiter. Der Rheinische Antiquarius III 2 Seite 139 zitiert: „Kettig hat eine fruchtbare gesegnete Gemarkung. Von Kettig bis an den Weißen Thurm verläuft eine Anhöhe. Der weiße Wein, so dort wachset, ist in guten Jahren vortrefflich, jedoch der Rothe hingegen ist mittelmäßig“. Viele auswärtige kirchliche Korporationen wie die Klöster und Abteien: Kloster Marienstatt, Wallersheim, St. Florin, St. Thomas, die Abteien Himmerod, Rommersdorf u.v.a.m. fürstlichen Herrschaften von Virneburg und Isenburg, die Ritter von Kettig, die Herrn von Bassenheim und die Kirche selbst verpachteten Weingärten und Distrikte an Hofmänner und Landwirte, die in arbeitsintensiver Mühe die Weinstöcke hegten und pflegten. Immer wieder mussten die Stöcke mindestens einmal in zwei Jahren mit Stalldung gedüngt werden, was von bestellten Gutachter überprüft wurde. In den folgenden Jahrhunderten ist vom intensiven Weinanbau in den Urkunden, Niederschriften und Lagerbücher bekundet. In den Jahren 1718-1720 standen auf 146 Morgen 584.045 Rebstöcke. Damit lag Kettig hinter Güls/Mosel (Güls gehörte damals zum „Amt Bergpflege“ mit insgesamt 12 Dörfer) an zweiter Stelle.

In der Regel brauchte man um etwa einen Fuder Wein (ein trierischen Fuder = 960 Liter) zu erwirtschaften, circa 12 bis 14.000 Rebstöcke. Die Hege und Pflege der Rebstöcke war sehr arbeitsintensiv. Trotz den Anordnungen und Verbote der Lehnsherrn zwischen den Weinstöcken kein Gemüse, Salate, Sträucher Bäume oder sonstiges anzupflanzen, wurde dies von den Winzern ignoriert. Die nachlässig bebauten und unzureichend gedüngten Rebstöcke teils auch abgestorben, wurden kaum ersetzt. Deshalb wurde vom Prior der Kartause in einer Versammlung in Mülheim am 12. März 1751 die Weinanbauer verpflichtet, bestimmte Verbesserungen und Auflagen des Klosters zu erfüllen, was elf anwesende Pächter unterschreiben mussten. Es mussten neue Rebstöcke innerhalb von drei Jahren gesetzt und andere Nutzgewächse vernichtet werden. Wegen des allgemeinen Mangels an Stallmist zum düngen der Rebstöcke, hatten die meisten Kettiger Pächter die Weingärten meist jahrelang unzureichend zwischen 1720 bis 1745 nicht mehr gedüngt. Die Kartause ordnete 1753 an, dass alle 3 Jahre, spätestens bis zum Tag Johannes des Täufers (24 Juni) zu düngen ist. Wer sich nicht an die Auflagen hielt, dem entzog die Kartause die Weingärten.

Das legendäre Ende vom Weinanbau in Kettig

Im Laufe der kommenden Jahre gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Winter zunehmend kälter. Bei dem überaus harten Winter 1784/85 erfroren zig tausende Rebstöcke in unserer Gemarkung, wovon sich der so bedeutsame Weinanbau von einst nicht mehr erholte. Letztendlich ging die Ära vom Weinanbau gänzlich verloren und musste dem Kartoffelanbau und den Kirschbaumanpflanzungen weichen, weil diese in unserer Region wirtschaftlicher und rentabler zu vermarkten sind, als nur ein mäßiger Wein.Am Schluss bedankte sich Gerhard Elingshäuser beim Referenten Dr. Prößler im Namen der Heimatfreunde und lud alle Anwesenden Gäste, darunter Ortsbürgermeister Peter Moskopp zu einem Gläschen Holunderwein ein und überreichte als Dank für die gelungene Darbietung Herrn Dr. Prößler ein Präsent.

Pressemitteilung der

Kettiger Heimatkundler

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