Jahreshauptversammlung der Jäger im Kursaal von Bad Bertrich
Zu Gast im „Schmuckstück“ der VG Ulmen
Bad Bertrich. Im „Schmuckstück“ der VG Ulmen, dem frisch renovierten Kursaal des Staatsbades - so Ortschef Christian Arnold - trafen sich jüngst die Jägerinnen und Jäger der Kreisjagdgruppe Cochem-Zell. Der Vorsitzende der 662 Mitglieder starken Organisation Franz-Josef „Josi“ Becker begrüßte neben Landrat Manfred Schnur, Bianca Kutscheid von der Unteren Jagdbehörde, den 1. Beigeordneten der Verbandsgemeinde Ulmen Karl-Josef Fischer, Ortsbürgermeister Christian Arnold als Hausherrn, den Kreisvorsitzenden des Bauern- und Winzerverbandes Egon Thomas sowie den ehemaligen Kreisgruppenvorsitzenden Lorenz Steden.
Manfred Schnur legte bei seiner „Abschiedsrede“ vor den Jägern Wert auf die Tatsache, dass in den 16 Jahren seiner Tätigkeit immer „gemeinsame Schnittmengen zwischen ihm und den Jägern gefunden wurden, die zu vernünftigen Ergebnissen geführt haben“. Der Kreischef hob die Wichtigkeit der Jagd für und in der Natur hervor, denn die Gesellschaft brauche die Jäger in vielfältiger Weise. „Wie schnell sich zum Beispiel Tierseuchen entwickeln, sehen wir gerade an der Vogelgrippe, die in unserem Kreis aktuell in einem Betrieb festgestellt wurde“, sagte der Landrat.
Karl-Josef Fischer nannte Jagd gelebten Naturschutz. Er appellierte an die Grünröcke,h weiterhin bei Problemen und Streitigkeiten im Dialog zu bleiben und auch beim aktuellen Thema regenerative Energien mit Augenmaß zu argumentieren.
In seinem Jahresbericht lobte Josi Becker die enge Zusammenarbeit mit den Landwirten als Interessengemeinschaft. „Was unsere gemeinsamen Interessen angeht, ist jeglicher Aktionismus im Zusammenhang mit erneuerbaren Energien wie Windkraft und Photovoltaikanlagen fehl am Platz“, warnte der Vorsitzende der Kreisjägerschaft. Die von den Kommunen neu entdeckte Möglichkeit, sich durch das Bereitstellen von wertvollem Grün- und Ackerland finanziell zu verbessern, sieht Franz-Josef Becker kritisch. „Ich denke für uns Jäger ist es wichtig, wenn Lebensraum für unsere Wildtiere dadurch verloren geht, als Anwälte des Wildes aktiv zu bleiben“, so Becker.
Die Corona-Pandemie und ihre Folgen, der Ukraine-Krieg und die gestiegenen Energiekosten waren weitere Stichpunkte, die auch der Jägerschaft - so Becker - Sorgen bereiten. Dennoch steige die Mitgliederzahl der Jägerinnen und Jäger im Kreis weiter. „Mit 662 Mitgliedern sind wir eine starke Gemeinschaft, die Gewicht hat.“
Der immer größer werdende Druck auf Wildtiere durch Freizeitaktivitäten, Photovoltaik- und Windkraftanlagen sowie intensiven Ackerbau waren weitere Themen des Jahresberichtes. Die Wildtiere werden immer weiter zurückgedrängt, manche können sich anpassen, andere verschwinden oder werden zurückgedrängt. „Für unsere Art zu Jagen heißt es, dass wir die Kriterien tierschutzgerechtes, nachhaltiges und effektives Jagen immer im Auge behalten müssen“, erklärte Josi Becker. Gegen eine Verlängerung der Jagdzeiten und Erhöhung der Abschusspläne sprach sich der Kreisgruppen-Vorsitzende in diesem Zusammenhang entschieden aus. Er plädierte für eine den Populationen angepasste Bejagung, den Tierschutzgedanken nie zu vergessen und den Empfehlungen des DJV und der Wildbiologen zu folgen.
Die geforderte Verschärfung des Waffenrechts nach den jüngsten Vorfällen lehnt die Kreisjägerschaft ab. „Die bestehenden strengen Vorschriften reichen völlig aus“, so Franz-Josef Becker. Selbstverständlich verurteilen die Jäger diese Verbrechen ausdrücklich, aber „wenn Bundesinnenministerin Nancy Faeser medienwirksam zum wiederholten Male ein schärferes Waffenrecht fordert, ist es in meinen Augen ein Manöver, um den eigenen Unzulänglichkeiten bei der Umsetzung der schon bestehenden Vorschriften abzulenken“, resümierte Becker.
Zum Schluss seines Jahresberichtes lobte der Vorsitzende das ehrenamtliche Engagement seiner Mitstreiter, die als Mitglieder eines anerkannten Naturschutzverbandes in vielfältiger Weise das Jahr über für Wald und Wild unterwegs sind. Für das neue Jagdjahr wünschte Josi Becker allen Jägerinnen und Jägern „Waidmannsheil“ und viel Freude beim Gang in und durch die Natur.
