Allgemeine Berichte | 03.08.2021

DRK-Kreisverband Ahrweiler e.V. ist in mehrerlei Hinsicht ebenfalls Hochwasseropfer

Zurück zum Regeldienst im Katastrophengebiet

Schwer beschädigt wurde in der Katastrophennacht auch die DRK-Rettungswache Altenahr. Hier standen die Fluten etwa 1,6 Meter hoch im Obergeschoss. Foto: Thorsten Trütgen

Kreis Ahrweiler. Die Nacht vom 14. auf den 15. Juli hat eine ganze Region zerstört. Das malerische Ahrtal wurde in wenigen Stunden durch Fluten der Ahr nach einem Starkregen verwüstet. Teilweise am Rande, teilweise mittendrin betroffen ist auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Kreisverband Ahrweiler e. V.. Dabei stehen die beschädigten DRK-Einrichtungen gar nicht um Fokus der Retter. Viel schlimmer sind die Wunden, die in die Existenzen eigener Mitarbeiter gerissen wurden. Denn eins wissen die Rettungskräfte nur zu gut: Jede Wunde hinterlässt Narben.

Der Keller der zentralen DRK-Kreisgeschäftsstelle in Ahrweiler stand am Rande des Katastrophengebietes deckenhoch in der braunen Brühe der Ahr. In der DRK-Rettungswache Bad Neuenahr-Ahrweiler war in der Katastrophennacht die Ahr mit bis zu 40 cm Höhe ungebetener Gast. Die Beschädigung der Diensträume der ältesten und beengtesten DRK-Rettungswache im Kreis Ahrweiler ist für die Mitarbeiter verschmerzbar. Schon seit Jahren kämpfen die Rotkreuzler für neue Diensträume in Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, machten die Rettungskräfte DRK-Landesvorstand Manuel Gonzalez, DRK-Landespräsident Rainer Kaul und DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt einem bekannten Lied folgend bei einem Besuch vor Ort klar.

Die DRK-Rettungswache Altenahr, dessen Gebäuderückseite sich nahe der Ahr befindet, stand bis kurz vor der Dachkante des zweieinhalbgeschossigen Gebäudes in den Fluten. Glücklicherweise befand sich das diensthabende Einsatzteam bereits im Einsatz. Unvorstellbar was passiert wäre, wenn die Mitarbeiter in der Wache gewesen wären.

So dramatisch die bisherigen Schilderungen klingen mögen, können die professionellen Retter vom DRK das alles irgendwie verarbeiten. Sachschäden sind ersetzbar. Viel mehr nimmt die Rotkreuzler im Ahrkreis das Schicksal eigener haupt- und ehrenamtlicher Kräfte mit. Einige sind betroffen, haben über Nacht große Schäden erlitten, ihr Hab und Gut wurde zerstört oder die Wohnung oder das Haus unbewohnbar. Dieses Leid trifft die Retter wie ein Messerstich ins Herz. Die, deren Job es ist, Menschen in Not zu helfen, stehen plötzlich auf der anderen Seite. Das schmerzt nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Kolleginnen und Kollegen. Kurzerhand wurde im Kollegenkreis ein Spendenkonto eingerichtet.

Mit den eingenommenen Spenden wird sich der DRK-Kreisverband Ahrweiler e. V. noch lange nach Abschluss der momentan stattfindenden Soforthilfemaßnahmen an der Linderung der Probleme der betroffenen Bevölkerung beteiligen. Hier sind verschiedene Projekte in Planung. „Wie die eingenommenen Spenden aufgeteilt werden und für welche Zwecke genau das Geld eingesetzt wird, wird nach der Durchführung genauerer Bedarfsermittlungen noch entschieden“, sagt DRK-Kreisgeschäftsführer Frank Trömel.

„Dieser Einsatz macht was mit einem“, sagt DRK-Pressesprecher Thorsten Trütgen. „Zwei Wochen lang habe ich das Schadensgebiet in einigen Bereichen erkundet, zwischendurch mit Betroffenen gesprochen, O-Töne fürs Fernsehen gegeben, das Geschehene dokumentiert, danach Bilder gesichtet, Social Media Beiträge erstellt und in der Hilfsstelle der DRK-Kreisgeschäftsstelle noch andere Dinge organisiert, für die ich eigentlich in einem solchen Einsatz nicht zuständig bin. Alles egal, Hauptsache die Hilfe für unsere Mitbürger läuft“, fasst Trütgen seine bisherige Arbeit und Erfahrung zusammen. So wie ihm erging es vielen seiner Kolleginnen und Kollegen ebenfalls. Jeder bewältigt mehrere Aufgaben, um die Hilfe für die betroffenen Mitbürger zu organisieren.

Der schlammigen Flut fiel auch das DRK-Kreisarchiv im Keller der DRK-Kreisgeschäftsstelle zum Opfer. „Unsere 74-jährige Geschichte wurde uns genommen, das Herz unseres Kreisverbandes wird uns niemand entreißen können. Dieses schlägt in unseren Hunderten engagierten ehren- und hauptamtlichen Kräften weiter. Gemeinsam mit unseren Mitbürgern werden wir Möglichkeiten finden, dieses schreckliche Ereignis aufzuarbeiten“, beschreibt Trütgen die aktuelle Situation der Rotkreuzler an Ahr und Rhein.

Der Einsatz für die Mitbürger wird noch eine ganze Zeit lang dauern. Bis ein geregelter Dienstbetrieb wieder möglich ist ebenfalls. Trütgen sagt: „Auch wenn alle anderen Rettungskräfte irgendwann abreisen: Wir als Deutsches Rotes Kreuz im Kreis Ahrweiler sind vor Ort, wenn unsere Mitbürger uns brauchen!“

Die Rotkreuzler hoffen auf die Unterstützung der Region.

Hochwasserhilfe Spendenkonto des DRK-Kreisverband Ahrweiler e.V., IBAN: DE 42 5775 1310 0000 8000 29, BIC: MALADE51AHR, Stichwort: Hochwasserhilfe Ahr.

Tatkräftige Unterstützung für die Rotkreuzler der Ahr kam aus der Rotkreuzfamilie: Kräfte des benachbarten DRK Kreisverbandes Bonn e.V. wühlten sich durch den schlammigen Keller der zentralen DRK-Kreisgeschäftsstelle und entmüllten ihn. Die zügige Entfernung des nassen Mülls war wichtig, damit die Feuchtigkeit entweichen ann.Foto: Thorsten Trütgen

Tatkräftige Unterstützung für die Rotkreuzler der Ahr kam aus der Rotkreuzfamilie: Kräfte des benachbarten DRK Kreisverbandes Bonn e.V. wühlten sich durch den schlammigen Keller der zentralen DRK-Kreisgeschäftsstelle und entmüllten ihn. Die zügige Entfernung des nassen Mülls war wichtig, damit die Feuchtigkeit entweichen ann. Foto: Thorsten Trütgen

Glücklicherweise befand sich das diensthabende Rettungsteam bereits im Einsatz. Unvorstellbar was passiert wäre, wenn die Mitarbeiter in der Wache gewesen wären.Foto: Thorsten Trütgen

Glücklicherweise befand sich das diensthabende Rettungsteam bereits im Einsatz. Unvorstellbar was passiert wäre, wenn die Mitarbeiter in der Wache gewesen wären.Foto: Thorsten Trütgen

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, machten die Rettungskräfte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt und DRK-Landespräsident Rainer Kaul (li.) einem bekannten Lied folgend bei einem Besuch vor Ort die Notwendigkeit eines Neubaus der Rettungswache Bad Neuenahr-Ahrweiler klar. Die Rettunsgwache wurde durch das Ahrhochwasser beschädigt. Seit Jahren wird ein Neubau der mittlerweile viel zu kleinen und beengten Rettungswache durch die DRK-Rettungskräfte gefordert. Foto: Thorsten Trütgen

„Wenn nicht jetzt, wann dann?“, machten die Rettungskräfte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt und DRK-Landespräsident Rainer Kaul (li.) einem bekannten Lied folgend bei einem Besuch vor Ort die Notwendigkeit eines Neubaus der Rettungswache Bad Neuenahr-Ahrweiler klar. Die Rettunsgwache wurde durch das Ahrhochwasser beschädigt. Seit Jahren wird ein Neubau der mittlerweile viel zu kleinen und beengten Rettungswache durch die DRK-Rettungskräfte gefordert. Foto: Thorsten Trütgen

Schwer beschädigt wurde in der Katastrophennacht auch die DRK-Rettungswache Altenahr. Hier standen die Fluten etwa 1,6 Meter hoch im Obergeschoss. Foto: Thorsten Trütgen

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