Konzert in der ehemaligen Synagoge Niederzissen
Zwei junge Musikerinnen aus Israel begeisterten das Publikum
Nitzan Bartana und Michal Beck spielten Werke von Mozart, Kodály, Eisler, Tzvi Avni und Martinu
Niederzissen. Die Reihe „Musik in der Synagoge“ zählt zu den Kernreihen im Jahresprogramm der Landesstiftung „Villa Musica“. Sie trägt jüdische Musik der Vergangenheit und Musik aus dem heutigen Israel in die großen Synagogen von Mainz und Worms, aber auch in viele ehemalige Land-Synagogen, die in den letzten Jahrzehnten restauriert und in kulturelle Begegnungszentren umgewandelt wurden. Zwei höchst talentierte junge Musikerinnen aus Israel begeisterten ein musikverständiges Publikum in der gut besuchten ehemaligen Niederzissener Synagoge. Die Geigerin Nitzan Bartana und die Cellistin Michal Beck zählen zu den besten jungen Streicherinnen ihrer Heimat Israel. Nachdem sie in Tel Aviv studiert hatten, kamen sie zum Aufbaustudium nach Deutschland und bewarben sich mit Erfolg bei der Landesstiftung „Villa Musica Rheinland-Pfalz“. In dem wohl einmaligen und geradezu intimen Ambiente der ehemaligen Niederzissener Synagoge präsentierten die jungen Musikerinnen ein erlesenes Programm, bestehend aus bekannten und weniger bekannten Werken von Bohuslav Martinu: Duo Nr. 1; Hanns Eisler: Duo, op. 7,1, Wolfgang Amadeus Mozart: Duo G-Dur, KV 423; Tzvi Avni: Controversies, Sieben Dialoge für Violine und Violoncello und Zoltán Kodály: Duo, op. 7.
Werke gekonnt interpretiert
Mit dem Duo Nr. 1 von Bohuslav Martinu boten die beiden höchst ambitionierten Künstlerinnen einen für sie herausfordernden, aber dennoch souverän gemeisterten Auftakt. Martinu war nach Dvorak, Smetana und Janacek der vierte Meister der national-tschechischen Kammermusik, wie sie sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts entfaltet hatte. Sein Duo Nr. 1 verweist auf die tragische Lebensgeschichte vieler tschechischer Juden, die von den Nazis ermordet wurden. Martinu gelang in letzter Sekunde die Flucht über Südfrankreich in die USA. Einen Großteil seines Repertoires, darunter das Duo Nr. 1 für Geige und Cello, entstand in Paris, wo er von 1923 bis 1940 lebte.
Nicht weniger anspruchsvoll war das von den hochkarätigen Musikerinnen ebenfalls gekonnt interpretierte Duo op. 7,1 von Hanns Eisler. Bei dem 1924 komponierten zweisätzigen Duo für Violine und Violoncello handelt es sich um unprätentiöse Sonatensätze, die von rondohaften Konturen überlagert werden. Eisler wurde 1998 in Leipzig geboren, zog aber schon 1901 mit seinen Eltern in deren Heimat nach Wien. Bevor der ehemalige Schüler Schönbergs 1925 von Wien nach Berlin zog und später (1938) in die USA auswanderte, komponierte er sein Duo für Violine und Violoncello für den Schwiegersohn Schönbergs und Primarius des berühmten Kolisch Quartetts, Rudolf Kolisch. Nachdem Eisler in den späten vierziger Jahren ins Visier der Antikommunisten geraten war, wurde er im Februar 1948 aus seiner dritten Heimat, den USA, ausgewiesen und zog auf Einladung nach Ost-Berlin. Eislers erster Beitrag zur Musikkultur der DDR war die Nationalhymne auf den bekannten Text von Becher: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“. Eisler starb im Alter von 64 Jahren am 6. September 1962 in Berlin.
Musikalischer Hochgenuss
Das von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahre 1783 während eines Besuchs in Salzburg ursprünglich für Violine und Viola komponierte „Duo in G-Dur, KV 423“ schien den beiden virtuosen Künstlerinnen geradezu auf den Leib geschrieben. So beeindruckten sie das ausnahmslos faszinierte Publikum mit einer atemberaubenden Interpretation des bereits im ersten Satz mit technischen Finessen gespickten Werkes.
Das anschließende Duo für Violine und Cello des 1927 in Saarbrücken geborenen Hermann Jakob Steinke, der 1935 mit seiner Familie nach Palästina emigrierte und heute unter dem Namen Tzvi Avni zu den großen Komponisten Israels zählt, trug den Titel „Kontroversen“. Dabei handelt es sich um sieben Dialoge, in denen die beiden Künstlerinnen mit modernen Klangmitteln miteinander sprachen, stritten und sich wieder versöhnten. Es war eine wahre Freude, dem höchst konzentrierten und mit körperlichem Einsatz unterstrichenen Spiel von Nitzan Bartana und Michal Beck zuzuhören und zuzusehen.
Ebenso mitreißend und ursprünglich klangen die von ihnen ebenso einfühlsam wie temperamentvoll dargebotenen drei Sätze (1. Allegro serioso, non troppo, 2. Adagio - Andante, 3. Maestoso e largemente - Presto) des „Duo für Geige und Cello, op. 7“ von Zoltán Kodály. In dem 1914 komponierten Duo fanden Kodálys Feldforschungen zur ungarischen Folklore ihren Niederschlag. Was er über die Pentatonik (Fünftönigkeit) in der ungarischen Volksmusik herausgefunden und bereits in einer ethnologischen Studie zu Papier gebracht hatte, übertrug er hier auf ein Konzertstück für zwei Streicher auf der Höhe der Zeit.
Nach dem nicht enden wollenden Applaus der restlos begeisterten Konzertbesucher überreichte der Erste Vorsitzende des Kultur und Heimatvereins, Richard Keuler, den beiden jungen Künstlerinnen als Geste des Dankes an Stelle von Blumen einen besonders guten Tropfen von der Ahr.
Musikerinnen im Porträt
Nitzan Bartana, geb. 1989 in Jerusalem, studierte bei Yair Kless an der Buchman-Mehta Musikhochschule in Tel Aviv und setzt ihr Studium seit 2008 an der Kunstuniversität Graz fort. Sie konzertierte solistisch unter anderem mit dem Jerusalem Symphony Orchestra und mit dem Israel Philharmonic Orchestra, mit dem sie 2008 zusammen mit Pinchas Zuckermann in der Carnegie Hall in New York Bachs Doppelkonzert spielte. Bei Wettbewerben wie dem Internationalen Marteau Wettbewerb, dem Internationalen Wieniawski-Wettbewerb in Lublin (Polen) und dem Aviv-Wettbewerb wurde sie mit Preisen ausgezeichnet. Sie spielte mit renommierten Musikern wie Zubin Mehta, Mendi Rodan und Noam Sherif sowie zahlreichen renommierten Orchestern. Kammermusikalische Erfahrungen sammelte sie unter anderem beim Jerusalem Chamber Music Festival und beim Kfar Blum Festival.
Eine einfühlsamere Duo-Partnerin als die 25-jährige israelische Cellistin Michal Beck hätte die Violinistin sich kaum wünschen können. Nach der Highschool für Musik und Tanz in Jerusalem begann die ebenfalls erfolgreiche Musikerin 2009 ein vier Jahre währendes Studium an der Buchmann Mehta School of Music in Tel Aviv. Zahlreiche Meisterkurse ergänzen ihre Ausbildung. Michal Beck ging als Siegerin mehrerer Wettbewerbe hervor, so zum Beispiel bei dem Aviv Wettbewerb, dem Streicher Wettbewerb der Buchmann-Mehta Schule oder dem Maestro National Wettbewerb für junge Musiker in Israel. Als Solistin konzertierte sie mit dem Buchmann-Mehta Musikschule Symphonieorchester unter der Leitung von Zubin Mehta oder Ronen Broshewsky. 2003 erhielt sie ein Stipendium der America Israel Cultural Foundation mit Auszeichnung. Orchestererfahrung sammelte sie auch als Mitglied bei dem Zermatt Festival Orchester, dem Schleswig Holstein Music Festival Symphony Orchester und dem West Eastern Divan Orchester.
Der Vorsitzende des Kultur und Heimatvereins freute sich ganz besonders, dass er die beiden Künstlerinnen Nitzan Bartana (Violine) und Michal Beck (Violoncello) für ein Konzert in der ehemaligen Niederzissener Synagoge gewinnen konnte.
