Allgemeine Berichte | 29.02.2016

Konzert in der ehemaligen Synagoge Niederzissen

Zwei junge Musikerinnen aus Israel begeisterten das Publikum

Nitzan Bartana und Michal Beck spielten Werke von Mozart, Kodály, Eisler, Tzvi Avni und Martinu

Die beiden höchst talentierten Musikerinnen aus Israel begeisterten zahlreiche Freunde der klassischen Musik.SF

Niederzissen. Die Reihe „Musik in der Synagoge“ zählt zu den Kernreihen im Jahresprogramm der Landesstiftung „Villa Musica“. Sie trägt jüdische Musik der Vergangenheit und Musik aus dem heutigen Israel in die großen Synagogen von Mainz und Worms, aber auch in viele ehemalige Land-Synagogen, die in den letzten Jahrzehnten restauriert und in kulturelle Begegnungszentren umgewandelt wurden. Zwei höchst talentierte junge Musikerinnen aus Israel begeisterten ein musikverständiges Publikum in der gut besuchten ehemaligen Niederzissener Synagoge. Die Geigerin Nitzan Bartana und die Cellistin Michal Beck zählen zu den besten jungen Streicherinnen ihrer Heimat Israel. Nachdem sie in Tel Aviv studiert hatten, kamen sie zum Aufbaustudium nach Deutschland und bewarben sich mit Erfolg bei der Landesstiftung „Villa Musica Rheinland-Pfalz“. In dem wohl einmaligen und geradezu intimen Ambiente der ehemaligen Niederzissener Synagoge präsentierten die jungen Musikerinnen ein erlesenes Programm, bestehend aus bekannten und weniger bekannten Werken von Bohuslav Martinu: Duo Nr. 1; Hanns Eisler: Duo, op. 7,1, Wolfgang Amadeus Mozart: Duo G-Dur, KV 423; Tzvi Avni: Controversies, Sieben Dialoge für Violine und Violoncello und Zoltán Kodály: Duo, op. 7.

Werke gekonnt interpretiert

Mit dem Duo Nr. 1 von Bohuslav Martinu boten die beiden höchst ambitionierten Künstlerinnen einen für sie herausfordernden, aber dennoch souverän gemeisterten Auftakt. Martinu war nach Dvorak, Smetana und Janacek der vierte Meister der national-tschechischen Kammermusik, wie sie sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts entfaltet hatte. Sein Duo Nr. 1 verweist auf die tragische Lebensgeschichte vieler tschechischer Juden, die von den Nazis ermordet wurden. Martinu gelang in letzter Sekunde die Flucht über Südfrankreich in die USA. Einen Großteil seines Repertoires, darunter das Duo Nr. 1 für Geige und Cello, entstand in Paris, wo er von 1923 bis 1940 lebte.

Nicht weniger anspruchsvoll war das von den hochkarätigen Musikerinnen ebenfalls gekonnt interpretierte Duo op. 7,1 von Hanns Eisler. Bei dem 1924 komponierten zweisätzigen Duo für Violine und Violoncello handelt es sich um unprätentiöse Sonatensätze, die von rondohaften Konturen überlagert werden. Eisler wurde 1998 in Leipzig geboren, zog aber schon 1901 mit seinen Eltern in deren Heimat nach Wien. Bevor der ehemalige Schüler Schönbergs 1925 von Wien nach Berlin zog und später (1938) in die USA auswanderte, komponierte er sein Duo für Violine und Violoncello für den Schwiegersohn Schönbergs und Primarius des berühmten Kolisch Quartetts, Rudolf Kolisch. Nachdem Eisler in den späten vierziger Jahren ins Visier der Antikommunisten geraten war, wurde er im Februar 1948 aus seiner dritten Heimat, den USA, ausgewiesen und zog auf Einladung nach Ost-Berlin. Eislers erster Beitrag zur Musikkultur der DDR war die Nationalhymne auf den bekannten Text von Becher: „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt“. Eisler starb im Alter von 64 Jahren am 6. September 1962 in Berlin.

Musikalischer Hochgenuss

Das von Wolfgang Amadeus Mozart im Jahre 1783 während eines Besuchs in Salzburg ursprünglich für Violine und Viola komponierte „Duo in G-Dur, KV 423“ schien den beiden virtuosen Künstlerinnen geradezu auf den Leib geschrieben. So beeindruckten sie das ausnahmslos faszinierte Publikum mit einer atemberaubenden Interpretation des bereits im ersten Satz mit technischen Finessen gespickten Werkes.

Das anschließende Duo für Violine und Cello des 1927 in Saarbrücken geborenen Hermann Jakob Steinke, der 1935 mit seiner Familie nach Palästina emigrierte und heute unter dem Namen Tzvi Avni zu den großen Komponisten Israels zählt, trug den Titel „Kontroversen“. Dabei handelt es sich um sieben Dialoge, in denen die beiden Künstlerinnen mit modernen Klangmitteln miteinander sprachen, stritten und sich wieder versöhnten. Es war eine wahre Freude, dem höchst konzentrierten und mit körperlichem Einsatz unterstrichenen Spiel von Nitzan Bartana und Michal Beck zuzuhören und zuzusehen.

Ebenso mitreißend und ursprünglich klangen die von ihnen ebenso einfühlsam wie temperamentvoll dargebotenen drei Sätze (1. Allegro serioso, non troppo, 2. Adagio - Andante, 3. Maestoso e largemente - Presto) des „Duo für Geige und Cello, op. 7“ von Zoltán Kodály. In dem 1914 komponierten Duo fanden Kodálys Feldforschungen zur ungarischen Folklore ihren Niederschlag. Was er über die Pentatonik (Fünftönigkeit) in der ungarischen Volksmusik herausgefunden und bereits in einer ethnologischen Studie zu Papier gebracht hatte, übertrug er hier auf ein Konzertstück für zwei Streicher auf der Höhe der Zeit.

Nach dem nicht enden wollenden Applaus der restlos begeisterten Konzertbesucher überreichte der Erste Vorsitzende des Kultur und Heimatvereins, Richard Keuler, den beiden jungen Künstlerinnen als Geste des Dankes an Stelle von Blumen einen besonders guten Tropfen von der Ahr.

Musikerinnen im Porträt

Nitzan Bartana, geb. 1989 in Jerusalem, studierte bei Yair Kless an der Buchman-Mehta Musikhochschule in Tel Aviv und setzt ihr Studium seit 2008 an der Kunstuniversität Graz fort. Sie konzertierte solistisch unter anderem mit dem Jerusalem Symphony Orchestra und mit dem Israel Philharmonic Orchestra, mit dem sie 2008 zusammen mit Pinchas Zuckermann in der Carnegie Hall in New York Bachs Doppelkonzert spielte. Bei Wettbewerben wie dem Internationalen Marteau Wettbewerb, dem Internationalen Wieniawski-Wettbewerb in Lublin (Polen) und dem Aviv-Wettbewerb wurde sie mit Preisen ausgezeichnet. Sie spielte mit renommierten Musikern wie Zubin Mehta, Mendi Rodan und Noam Sherif sowie zahlreichen renommierten Orchestern. Kammermusikalische Erfahrungen sammelte sie unter anderem beim Jerusalem Chamber Music Festival und beim Kfar Blum Festival.

Eine einfühlsamere Duo-Partnerin als die 25-jährige israelische Cellistin Michal Beck hätte die Violinistin sich kaum wünschen können. Nach der Highschool für Musik und Tanz in Jerusalem begann die ebenfalls erfolgreiche Musikerin 2009 ein vier Jahre währendes Studium an der Buchmann Mehta School of Music in Tel Aviv. Zahlreiche Meisterkurse ergänzen ihre Ausbildung. Michal Beck ging als Siegerin mehrerer Wettbewerbe hervor, so zum Beispiel bei dem Aviv Wettbewerb, dem Streicher Wettbewerb der Buchmann-Mehta Schule oder dem Maestro National Wettbewerb für junge Musiker in Israel. Als Solistin konzertierte sie mit dem Buchmann-Mehta Musikschule Symphonieorchester unter der Leitung von Zubin Mehta oder Ronen Broshewsky. 2003 erhielt sie ein Stipendium der America Israel Cultural Foundation mit Auszeichnung. Orchestererfahrung sammelte sie auch als Mitglied bei dem Zermatt Festival Orchester, dem Schleswig Holstein Music Festival Symphony Orchester und dem West Eastern Divan Orchester.

Der Vorsitzende des Kultur und Heimatvereins freute sich ganz besonders, dass er die beiden Künstlerinnen Nitzan Bartana (Violine) und Michal Beck (Violoncello) für ein Konzert in der ehemaligen Niederzissener Synagoge gewinnen konnte.

Der Vorsitzende des Kultur und Heimatvereins freute sich ganz besonders, dass er die beiden Künstlerinnen Nitzan Bartana (Violine) und Michal Beck (Violoncello) für ein Konzert in der ehemaligen Niederzissener Synagoge gewinnen konnte.

Die beiden höchst talentierten Musikerinnen aus Israel begeisterten zahlreiche Freunde der klassischen Musik.Fotos: SF

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • K. Schmidt: Die nächste Demo, gerade wenn sie sich an Familien richtet, sollte dann mal unter dem Motto stehen: "Fahrradhelme für alle!"

Kruft: Zwischen Dauerkritik und Tatendrang

  • Rolf Stern : Der Text wirkt weniger wie eine Einordnung, sondern eher wie der Versuch, berechtigte Kritik abzuwürgen. Gerade bei öffentlichen Geldern ist Nachfragen keine Dauerschleife, sondern demokratische Pflicht.
  • Andreas Lung: Liebe Frau Schumacher, Sie haben offensichtlich überhaupt nicht verstanden, worum es geht.
  • Thomas Sebastian Napp: Ich kann der Gemeinde zu dieser Aktion nur gratulieren. Vor allem den Bauhofmitarbeitern muss ich hier ein Lob aussprecheb. Gleichzeitig kann ich es nicht verstehen, dass eine große Naturfläche auf dem...
Rund um´s Haus
Kreishandwerkerschaft
Essen auf Rädern
Innovatives rund um Andernach
Osterangebot
Kreishandwerkerschaft
Feierabendmarkt Bad Neuenahr / o.B. Sponsoring
Osteraktion
Anzeige Lange Samstage
Mitarbeiter IT-Administrator
Empfohlene Artikel
Die Erwachsenengruppe ist weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt.  Foto: privat
11

Remagen. Die Magic Dancers Remagen sind ein traditionsreicher Verein mit Herz, Leidenschaft und einer besonderen Geschichte. Gegründet im Jahr 1993, gingen sie ursprünglich aus einer Aerobic-Gruppe hervor. Über die Jahre entwickelten sie sich stetig weiter und sind seit 2025 als eigenständiger Verein organisiert. Heute stehen die Magic Dancers für Gemeinschaft, Kreativität und tänzerische Vielfalt – und das generationenübergreifend.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
13

Remagen. Im Zeitraum vom 13.04.2026 bis zum 19.04.2026 sind in Remagen Geschwindigkeitskontrollen an mehreren Stellen vorgesehen. Im Stadtgebiet von Remagen selbst wird unter anderem am Güterbahnhof, in der Marktstraße, der Bergstraße sowie in der Alten Straße kontrolliert. Auch in den Ortsteilen sind entsprechende Maßnahmen geplant: In Kripp betreffen die Kontrollen die Mittelstraße, den Baumschulenweg...

Weiterlesen

Weitere Artikel
Auf der Bühne herrschte bei den Spielen eine lockere Atmosphäre.  Foto:WAMFO.de
5

Nürburgring. Ally-Pally-Atmosphäre am Nürburgring: Tausende Fans der fliegenden Pfeile haben die Ringarena am vergangenen Samstag erneut in einen Darts-Tempel verwandelt. In den Trikots ihrer Lieblingsspieler oder kreativ verkleidet als Zwerg oder Zielscheibe, erlebten rund 4.000 Besucher bereits im fünften Jahr spannende Partien zwischen den bekannten Größen des (Dart)Sports. Auf der Bühne der „Darts-Arena“ lieferten sich die Darts-Stars spannende Duelle.

Weiterlesen

Symbolbild.
111

Rettungshubschrauber im Einsatz: Motorradfahrer geriet aus bisher ungeklärten Gründen auf die Gegenfahrbahn

06.04.: Schwerer Unfall auf der L330: Motorradfahrer nach Unfall mit Pkw schwer verletzt

Nassau. Am 6. April 2026 ereignete sich gegen 17:15 Uhr auf der L330 zwischen Nassau und Hömberg ein Verkehrsunfall, an dem ein PKW und ein Motorrad beteiligt waren. Der Motorradfahrer bewegte sich auf der Strecke von Nassau in Richtung Hömberg, während der PKW-Fahrer in entgegengesetzter Richtung unterwegs war.

Weiterlesen

Symbolbild.
13

Ergebnisoffene Sondierungsgespräche der Sparkasse Westerwald-Sieg und Sparkasse Neuwied für eine Fusion werden nicht weiterverfolgt

Fokus der Sparkassen liegt auf eigenständiger Weiterentwicklung

Region. Nach intensiver und ergebnisoffener Prüfung haben die beteiligten Häuser (Sparkasse Westerwald-Sieg und Sparkasse Neuwied) entschieden, die Gespräche über eine mögliche Fusion nicht weiterzuführen.

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Dauerauftrag
Daueranzeige
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2025
Holz Loth-Entsorgung
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Schulze Klima -Image
Tag der offenen Tür
fit für`s Alter?
First Friday Anzeige März
Stellenanzeige
Dauerauftrag 2026
Ostergrußanzeige
Unterstützeranzeige
Imageanzeige - Ostern