Diakon aus Kaisersesch wird am 4. Juli zum Priester geweiht
„Wir sollten mehr Freude ausstrahlen“
aus Koblenz
Mettlach/Kaisersesch. Für seine Familie und Freunde sei sein Entschluss, Priester zu werden, „alles andere als eine Überraschung“ gewesen, erinnert sich Heiko Gaub und lacht.
„Zum ersten Mal kam bei mir der Berufswunsch während der Erstkommunion-Vorbereitung auf, da war ich neun“, blickt der heute 31-Jährige aus Mettlach-Orscholz zurück.
Im damaligen Heimatpfarrer, der sehr aktiv in der Jugendarbeit war, fand Gaub ein Vorbild und der Gedanke kam: „Das will ich auch mal machen.“
Am Samstag, 4. Juli, ist es tatsächlich so weit: Dann wird Heiko Reiner Gaub gemeinsam mit Mathias Kremer vom Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann in Trier zum Priester geweiht. In Kaisersesch absolvierte er seine Berufseinführung und erfüllt seinen Dienst dort noch als Diakon.
Den anfangs kindlichen Wunsch unterzog Gaub über die Jahre hinweg einer intensiven Prüfung. An der Fachoberschule für Sozialwesen in Merzig machte er sein Fachabitur. „Ich wollte ins praktische Tun kommen, der soziale Bereich und die Fächer Pädagogik, Soziologie und Psychologie haben mich sehr interessiert.“ Danach entschied er sich gegen das Angebot einer Ausbildung beim Landkreis Merzig-Wadern und für ein Studium der praktischen Theologie in Mainz, das für die Arbeit als Gemeindereferent qualifiziert. „Durch Praktika in Schule und Pfarrei konnte ich vieles lernen, von dem ich auch als Priester profitiere“, sagt Gaub. Im Anschluss schrieb er sich an der Theologischen Fakultät Trier ein – nicht aber im Priesterseminar. „Doch der Wunsch nach dem Beruf war nicht weg.“ Parallel arbeitete er in seiner Heimatpfarrei St. Lutwinus in Mettlach. „Ich bin schließlich ausgebildet für die Praxis.“ Ob Ferienfreizeit, Messdienerarbeit, Küstervertretung oder Dienst im Pfarrbüro – während der Jahre packte Gaub dort mit an, wo Hilfe gebraucht wurde. „Dabei habe ich die Dimension einer Pfarrei und die Aufgaben des Pfarrers neu gezeigt bekommen.“ Schließlich meldete er sich für das Felixianum an, dem Orientierungs- und Sprachenjahr des Bistums Trier, wo er mit Gleichgesinnten in einer Wohngemeinschaft lebte. „Der Austausch mit anderen Menschen, die wie ich über ihre Berufung reflektieren, war sehr bereichernd.“
Dienst als Diakon in Kaisersesch
Nach einem weiteren Jahr im Priesterseminar begann Heiko Gaub vor zwei Jahren seine Berufseinführungsphase in der Pfarrei Heilige Maria in Kaisersesch. Dort ist er in der Erstkommunionvorbereitung und der Messdienerarbeit eingesetzt und unterrichtet an der Realschule plus. Im vergangenen November wurde er von Weihbischof Jörg Michael Peters zum Diakon geweiht und übernimmt seitdem auch Taufen, Trauungen und Beerdigungen.
Wenn ihn jemand fragt, was er am Priesterberuf schätzt, erzählt Gaub gerne die Bibelgeschichte vom Emmaus-Gang. „Jesus tritt schweigend zu zwei verzweifelten Menschen und spricht mit ihnen. Mit seiner Kenntnis über die heiligen Schriften kann er ihnen eine Verstehenshilfe für das Geschehene bieten. Anschließend handelt er konkret, in dem er das Brot bricht.“ Diese Art zu handeln, sei für Priester vorbildhaft: „Wir bieten Menschen in jeden Lebenssituationen die Begleitung im Gespräch an und versuchen, Trost durch die Auslegung der Frohen Botschaft zu geben. In den Sakramenten wird Gott selbst gegenwärtig – diese zu feiern, ist Aufgabe des Priesters“, sagt Gaub.
Ein positives Zeugnis von Glauben und Kirche geben
Mit seiner Berufswahl verzichtet Heiko Gaub bewusst auf eine eigene Familie und eine Ehe. „Kann ich den Zölibat leben – und will ich das?“, seien Fragen gewesen, die er sich intensiv gestellt habe. „Ich fühle mich in meinem Leben von vielen anderen stabilen Beziehungen zu Verwandten und Freunden getragen, daher traue ich mir diese Lebensweise zu“, sagt Gaub. Mit dieser Lebensform sei er zudem nicht allein. „Viele Menschen in Deutschland leben nicht in einer Beziehung. Ob gewollt oder ungewollt: diese Lebensform ist aktuell en vogue. Der Priester lebt mit Christus an seiner Seite, ist also eigentlich gar nicht allein.“
Viele seiner Schüler seien wenig oder gar nicht kirchlich sozialisiert. „Ich empfinde dort aber eine sehr große Offenheit. Sie merken, da ist einer, der lebt anders als wir und das ist in Ordnung so“, schildert Gaub. Ihm sei es wichtig, durch sein Leben und Handeln positives Zeugnis von Glauben und Kirche zu geben, ohne die Menschen damit zu bedrängen. „Es liegt eine große Chance für unsere Kirche darin, wenn wir unsere Botschaft unverkürzt anbieten“, ist er überzeugt. Gerade die katholische Soziallehre biete viele Anschlussmöglichkeiten an die Themen, die die Zivilgesellschaft aktuell umtrieben. Werde er auf die Schattenseiten wie den Missbrauchsskandal in der Kirche angesprochen, reagiere er gleichfalls mit großer Offenheit: „Da gibt es nichts zu beschönigen. Da hilft nur ein transparenter Umgang.“ Für seine Kirche wünsche er sich mehr Leichtigkeit: „Wir haben oft etwas sehr Gesetztes. Das sollten wir überwinden und in vielen Dingen mehr Freude ausstrahlen.“
Bleibt als Kaplan in Kaisersesch
Gemeinsam haben Mathias Kremer und er den Weihespruch „Stelle dein Leben unter das Geheimnis des Kreuzes“ gewählt. „Wir haben beide die Erfahrung gemacht, dass das Kreuz eine zentrale Rolle spielt: Es ist nicht alles leicht im Leben. So geht es auch den Menschen, die wir begleiten dürfen.“ Der Weg in der Nachfolge Jesu sei ein herausfordernder. „Aber ich fühle mich gut vorbereitet.“ Am meisten freut sich Gaub darauf, nach der Weihe die Sakramente spenden zu dürfen. „Da berühren sich Himmel und Erde. Gleichzeitig habe ich Respekt vor der Verantwortung, die man als Priester hat. Die Menschen geben etwas auf das, was man zu ihnen sagt. Daher müssen die Worte im Gespräch gut überlegt sein.“ In seiner Freizeit liest Heiko Gaub gerne und viel – darunter auch viele theologische Schriften – und unternimmt gerne Touren in der Natur. Nach der Priesterweihe wird er als Kaplan noch ein Jahr lang in Kaisersesch bleiben. „In der Eifel gibt es viel Natur und manche Klöster als geistliche Kraftquellen direkt vor der Tür – genau das Richtige für mich!“
Info: Am Samstag, 4. Juli, wird Bischof Dr. Stephan Ackermann die Diakone Heiko Reiner Gaub und Mathias Kremer zu Priestern weihen. Die Weiheliturgie beginnt um 9.30 Uhr in der Hohen Domkirche zu Trier. Im Anschluss lädt das Bischöfliche Priesterseminar zu einem Empfang. Die Feier der Primizmesse von Heiko Gaub findet am Sonntag, 12. Juli ab 10 Uhr, in seiner Heimatpfarrei in Mettlach statt. Am Samstag, 18. Juli, 17 Uhr, ist die Nachprimiz in der Kirche Maria Martental, Leienkaul (Pfarrei Kaisersesch Hl. Maria) mit anschließendem Empfang.
(uk)
Artikel melden
Ein Verletzter nach Angriff im Parkhaus:
13.06.: Brutale Attacke im Westerwald: Männergruppe greift Pärchen an
Bad Marienberg. Am 13.06.2026 gegen 22:31 Uhr kam es im Bereich des Parkhauses in der Albrechtstraße in Bad Marienberg zu einer körperlichen Auseinandersetzung. Nach derzeitigem Ermittlungsstand wurde ein Pärchen von einer bislang unbekannten Personengruppe angegriffen. Die Gruppe soll aus mehreren Personen, nach ersten Erkenntnissen etwa acht jungen Männern, bestanden haben.
Weiterlesen
Der bislang unbekannte Gewinner wird dringend gebeten, sich zu melden!
Über 2,8 Millionen Euro gewonnen: Lotto sucht Glückspilz aus dem Raum Neuwied
Koblenz. Ein bislang noch unbekannter Glückspilz aus dem Raum Neuwied hatte am vergangenen Samstag allen Grund zur Freude: Mit seinem Lottoschein landete er oder sie einen bundesweit einmaligen Sechser im LOTTO 6aus49 und gewann über 2,8 Millionen Euro. Der Jackpot von 50 Millionen Euro blieb indes unangetastet.
Weiterlesen
Mundart-Sänger Daniel Ferber mit neuem Projekt
Die Neuauflage von „Dau bes Kowelenz“
Koblenz. Das Jahr 2006 ist vielen Koblenzern in guter Erinnerung: nicht nur durch das deutsche „Sommermärchen“, sondern auch durch ein ganz besonderes Projekt.
Weiterlesen