Allgemeine Berichte | 12.10.2026, 11:25 Uhr

WHU – Otto Beisheim School of Management: Ein neuer Campus im Medienhafen in Düsseldorf bedeutet das Aus für den Standort Vallendar

Angekündigter Weggang der WHU schwächt die ganze Region

Diese Nachricht schlug wie die sprichwörtliche Bombe ein: Die WHU wird ihren Hauptsitz nach Düsseldorf verlegen und den Standort Vallendar perspektivisch aufgeben.
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Vallendar/Mayen-Koblenz. „Wir sind Vordenker. Wir sind eine der besten und renommiertesten Business Schools in Deutschland.“ Dies kann man auf der Website der WHU – Otto Beisheim School of Management lesen.

Im Impressum findet man die beiden Campusstandorte Düsseldorf und Vallendar. In den Pressemitteilungen erscheint ein Beitrag in englischer Sprache, der wie folgt beginnt: „WHU is leaving Vallendar.“ Diese Nachricht sorgte für einen Paukenschlag in Vallendar und Umgebung.

Bis 2034 plant die WHU demnach, ihre Aktivitäten auf einem neuen Campus auf einer Halbinsel im Düsseldorfer Medienhafen zusammenzuführen.

In Nordrhein-Westfalen wird diese Mitteilung bejubelt, wie die Reaktionen des Düsseldorfer Oberbürgermeisters und des dortigen Ministerpräsidenten deutlich machen. In Vallendar und der Region hingegen ist man über die Nachricht ebenso erstaunt wie entsetzt. Manch einer hofft, dass das letzte Wort noch nicht gesprochen ist.

Diese Sätze tun weh: Maximilian Eckel, Managing Director des WHU Entrepreneurship Center, schreibt auf seinem Blog: „Vallendar war nie ein naheliegender Standort für eine der unternehmerischsten Universitäten Europas. Eine winzige Stadt. Keine Startup-Metropole. Keine technische Universität in unmittelbarer Nachbarschaft. Das war ein Nachteil. Und genau daraus wurde eine unserer größten Stärken. Denn an der WHU hat man nicht einfach nur studiert – man hat die WHU gelebt.“

Und weiter heißt es: „Der Abschied von Vallendar macht mir Angst. Aber noch mehr Angst hätte ich davor, die WHU auf ihrem bisherigen Stand einzufrieren. Wir haben eine einmalige Chance, wie sie sich nur einmal in einer Generation bietet: Wir können das, was in einer kleinen Stadt funktioniert hat, aufgreifen und zum Katalysator für eine ganze Region machen“, so Maximilian Eckel.

Während die Verantwortlichen der WHU ihren Fokus auf die Zukunft richten, bestimmt in Vallendar und Umgebung derzeit große Enttäuschung das Geschehen. Die Otto Beisheim School of Management (WHU) prägt die Stadt Vallendar schließlich seit dem Jahr 1984. Zweifellos ist die WHU ein Aushängeschild für den Wirtschaftsstandort, mit dem auch gerne geworben wurde.

Zahlreiche Persönlichkeiten kommentierten den angekündigten Umzug mit großer Enttäuschung. Der Vallendarer Stadtbürgermeister Wolfgang Heitmann (SPD) betonte, die Entscheidung werde sich auf den Wohnungsmarkt, den Einzelhandel, die Gastronomie und die gesamte örtliche Wirtschaft auswirken. Eigenen Angaben zufolge hatte er aus der Presse von dem Umzug erfahren.

Auch der Mayen-Koblenzer Landrat Marko Boos (SPD) bedauert die angekündigte Entwicklung, sieht zugleich aber weiterhin eine Perspektive für den Standort Vallendar. „Die Entwicklung des neuen Standortes in Düsseldorf soll bis 2034 abgeschlossen sein. In der Pressemitteilung der Wirtschaftshochschule heißt es zum Schluss, dass der Campus in Vallendar und der bereits bestehende Campus in Düsseldorf bis auf Weiteres erhalten bleiben. Dies wäre auch für die Zukunft wichtig“, erklärt Marko Boos.

Er setzt auf Unterstützung durch das Land Rheinland-Pfalz: „Wir hoffen, dass sich das Land stärker einbringt, um die WHU zumindest in Teilen an den Standort binden zu können. Denn neben der Bedeutung für den Bildungs- und Wirtschaftsstandort ist die WHU für die Attraktivität des gesamten nördlichen Rheinland-Pfalz ein wichtiger Faktor“, so der Mayen-Koblenzer Landrat. Es gelte, den Austausch mit der Wirtschaftshochschule fortzusetzen. Gemeinsam müsse ausgelotet werden, welche Perspektiven für Vallendar bestünden.

Der rheinland-pfälzische Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) bedauert die Verlegung der WHU ausdrücklich. Den Wunsch des Landrats, noch Einfluss zu nehmen, sieht man in Hochs Ministerium jedoch nicht optimistisch. Die WHU erhalte als private Hochschule schließlich keine öffentliche Förderung des Landes. Entsprechend gering seien die Einflussmöglichkeiten. Im Vorfeld der aktuellen Entscheidungen hätten zwar Gespräche stattgefunden. Die WHU habe jedoch keine Wünsche an das Land adressiert, deren Erfüllung zu einer anderen Entscheidung geführt hätten. Es handele sich daher um eine „interne unternehmerische Entscheidung“, heißt es aus dem Ministerium.

In den sozialen Medien war und ist die Resonanz auf die Entscheidung nicht ganz so diplomatisch wie bei manchen Politikern. Die überraschende Nachricht wird teilweise mit deutlichen Worten kommentiert. In einem Post heißt es, der wahre Grund für die Verlegung des Hauptsitzes sei offenbar, „dass die WHU-Studenten dann näher an der KÖ sind“.

Manche befürchten einen Zusammenbruch des Wohnungsmarktes in Vallendar, wo bekanntlich viele Studenten zur Miete wohnen. Andere hingegen erwarten eine Entspannung und ein Ende der ständig steigenden Mieten in Vallendar. Einige Anwohner erwähnen die Studentenpartys in den Wohngemeinschaften. Diese hatten aufgrund von Lärmbelästigungen in der Vergangenheit gelegentlich zu Diskussionen geführt.

Kommentare gibt es auch zur zukünftigen Nutzung der frei werdenden Räumlichkeiten in Vallendar. So wird beispielsweise gefragt, was aus der historischen Marienburg wird. Auch wird darauf hingewiesen, dass man seinerzeit die Stadthalle bewusst aufgrund der WHU so groß errichtet habe. Alles in allem überwiegt das Bedauern über die Entscheidung deutlich. KH

Mitten im Zentrum von Vallendar nutzt die WHU zahlreiche Gebäude. Deren zukünftige Nutzung ist nach dem endgültigen Umzug nach Düsseldorf noch völlig ungeklärt.

Mitten im Zentrum von Vallendar nutzt die WHU zahlreiche Gebäude. Deren zukünftige Nutzung ist nach dem endgültigen Umzug nach Düsseldorf noch völlig ungeklärt. Foto: KH

Die Bronzefigur vor der WHU steht fast schon symbolisch für die aktuelle Situation: Die Redewendung „mit dem Rücken zur Wand stehen“ bedeutet, dass sich jemand in einer großen Bedrängnis bzw. einer Notlage befindet. Für die politisch Verantwortlichen in Vallendar und der Region scheint dies nach Bekanntwerden der Umzugspläne der WHU zuzutreffen.

Die Bronzefigur vor der WHU steht fast schon symbolisch für die aktuelle Situation: Die Redewendung „mit dem Rücken zur Wand stehen“ bedeutet, dass sich jemand in einer großen Bedrängnis bzw. einer Notlage befindet. Für die politisch Verantwortlichen in Vallendar und der Region scheint dies nach Bekanntwerden der Umzugspläne der WHU zuzutreffen. Foto: KH

„Lebensspanne“, so heißt die Kunst von Thomas Lang, die 1992 vor der WHU aufgestellt wurde. Die Lebensspanne der WHU in Vallendar neigt sich offenbar dem Ende zu, auch wenn Politiker noch hoffen, dass der Standort nicht vollständig aufgegeben wird.

„Lebensspanne“, so heißt die Kunst von Thomas Lang, die 1992 vor der WHU aufgestellt wurde. Die Lebensspanne der WHU in Vallendar neigt sich offenbar dem Ende zu, auch wenn Politiker noch hoffen, dass der Standort nicht vollständig aufgegeben wird. Foto: KH

Auch die historische Marienburg (Haus d´Ester) wird aktuell noch von der WHU genutzt.

Auch die historische Marienburg (Haus d´Ester) wird aktuell noch von der WHU genutzt. Foto: KH

Diese Nachricht schlug wie die sprichwörtliche Bombe ein: Die WHU wird ihren Hauptsitz nach Düsseldorf verlegen und den Standort Vallendar perspektivisch aufgeben. Foto: KH

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