Studierende & Jobchancen Koblenz
Studierende in Koblenz bevorzugen regionale Arbeitsplätze und gute Perspektiven
aus Koblenz
Koblenz. Hochschule Koblenz und Universität Koblenz haben die zweite Studie zu Studieren, Leben und Arbeiten in Koblenz vorgestellt.
Zentrales Ergebnis: Die Mehrheit der Studierenden möchte nach dem Abschluss in der Region bleiben – vorausgesetzt, passende und attraktive Arbeitsplätze sind verfügbar.
Gleichzeitig zeigt die Untersuchung ein deutliches Sichtbarkeits- und Informationsdefizit im Hinblick auf regionale Arbeitgeber.
Rund 2.300 Studierende der Hochschule Koblenz und der Universität Koblenz beteiligten sich an der Befragung und beantworteten Fragen zu Studium, Lebensqualität sowie beruflichen Perspektiven. Die Studie knüpft an die erste Erhebung aus dem Jahr 2023 an, die von Dr. Marc Hannappel (Universität Koblenz) in Kooperation mit der Fachdienststelle Kommunalstatistik und Stadtforschung der Stadt Koblenz durchgeführt wurde. Die aktuelle Untersuchung wurde gemeinsam von Dr. Marc Hannappel und Prof. Dr. Heiko Weckmüller (Hochschule Koblenz) verantwortet und erweitert den Fokus insbesondere um die Bewertung des Wirtschaftsstandortes sowie die beruflichen Perspektiven von Studierenden.
Lebensqualität und Studienbedingungen überwiegend positiv bewertet
Die Ergebnisse zeigen, dass Studierende sowohl die Studienbedingungen als auch die Lebensqualität in der Region überwiegend positiv bewerten. Besonders Wohnsituation, Umweltbedingungen und Freizeitangebote schneiden gut ab. Verbesserungsbedarf sehen die Befragten hingegen in den Bereichen Mobilität und Gesundheitsversorgung. Zudem zeigen sich Unterschiede im Sicherheitsempfinden: Studentinnen fühlen sich nachts in Koblenz deutlich unsicherer als ihre männlichen Kommilitonen.
„Die Ergebnisse bestätigen die Befunde aus dem Jahr 2023. Das zeigt eine stabile Datenlage, gleichzeitig deuten sie darauf hin, dass in den Bereichen Gesundheit, Mobilität und Sicherheit aus studentischer Sicht keine spürbaren Verbesserungen erreicht wurden“, resümiert Dr. Marc Hannappel, Universität Koblenz.
„Für uns war entscheidend, die Perspektive der Studierenden nicht nur zu erfassen, sondern es allen Stakeholdern zu ermöglichen, daraus für sich konkrete Handlungsimpulse abzuleiten. Deshalb werden wir den Austausch mit Stadt, Region und weiteren Partnern gezielt fortsetzen und danken der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz der Region Koblenz e.V. (WWA) für die finanzielle Unterstützung“, erklärt Prof. Dr. Stefan Wehner, Präsident der Universität Koblenz.
Region als Lebens- und Arbeitsort: Keine Abwanderungstendenz in Großstädte
Neu in der aktuellen Studie sind Fragen zur Wahrnehmung der Region als Lebens- und Arbeitsraum sowie zu den Anforderungen an zukünftige Wohn- und Arbeitsorte. Dabei zeigt sich: Die Mehrheit der Studierenden zieht nach dem Studium nicht zwingend in Großstädte, sondern bevorzugt eher eine familiäre und überschaubare Region. Gleichzeitig besteht eine gewisse Offenheit hinsichtlich des späteren Wohn- und Arbeitsortes. Die Region stellt somit keinen generellen „Push-Faktor“ dar.
Sichtbarkeitsproblem bei regionalen Arbeitgebern statt struktureller Schwäche
Entscheidend für die Bleibeabsicht sind vielmehr die wahrgenommenen beruflichen Perspektiven. Wenn attraktive Arbeitsmöglichkeiten vorhanden sind, können sich viele Studierende vorstellen, in der Region zu bleiben. Allerdings zeigt die Studie hier eine deutliche Unsicherheit: Bei der Bewertung von Koblenz als Wirtschaftsstandort wählen viele Befragte die Antwortoption „weiß nicht“. Noch ausgeprägter ist diese Unsicherheit bei der Einschätzung der Region als Innovations- und Gründungsstandort. „Die Daten deuten weniger auf ein strukturelles Problem hin als vielmehr auf ein Sichtbarkeitsproblem der regionalen Wirtschaftslandschaft“, erläutert Prof. Dr. Heiko Weckmüller, Hochschule Koblenz. Eine zentrale Rolle komme dabei den regionalen Arbeitgebern zu: Diese werden grundsätzlich als attraktiv eingeschätzt, sind jedoch zu wenig bekannt. Dadurch nutzen Studierende häufiger Angebote außerhalb der Region.
Auch die Kontaktmöglichkeiten zu regionalen Arbeitgebern werden nur durchschnittlich bewertet. Die Studierenden wünschen sich deutlich mehr Einblicke und Begegnungen bereits während des Studiums – etwa durch Praktika, Nebenjobs, Karrieremessen oder Praxisprojekte.
„Die Ergebnisse zeigen sehr deutlich, welches Potenzial in der Region steckt: Viele Studierende möchten hier bleiben – entscheidend ist, dass wir ihnen frühzeitig attraktive berufliche Perspektiven und konkrete Kontakte in die regionale Wirtschaft eröffnen“, betont Prof. Dr. Karl Stoffel, Präsident der Hochschule Koblenz, und ergänzt: „Als Hochschule Koblenz gestalten wir den Transfer in Wirtschaft und Gesellschaft aktiv gemeinsam mit unseren Partnern und bauen unsere Kooperationen mit Unternehmen und Institutionen in der Region kontinuierlich aus.“
„Die vorliegende Studie gibt den Unternehmen der Region quasi den Arbeitsauftrag, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und ihre Angebote für Studierende und Absolventen besser zu vermitteln. Mit der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz Region Koblenz besteht bereits eine Einrichtung, die dieses Thema auf der Agenda hat. Wir werden die Ergebnisse der Studie in unsere Maßnahmen einfließen lassen“, sagt Thomas Brahm, geschäftsführender Vorstand der Wirtschafts- und Wissenschaftsallianz Koblenz e. V. und Vorstandsvorsitzender der Debeka-Versicherungsgruppe.“
Handlungsempfehlungen: Kooperation und Monitoring stärken
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, schlagen die Forschenden eine noch engere Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und regionaler Wirtschaft vor. Eine stärkere Präsenz regionaler Unternehmen an den Hochschulen – etwa durch gemeinsame Projekte, Gastvorträge oder Transferformate – könnte die Sichtbarkeit erhöhen und den Übergang in den regionalen Arbeitsmarkt erleichtern. Zudem wird der Aufbau eines kontinuierlichen Monitorings empfohlen, das regelmäßig Lebensqualität, Studienbedingungen und berufliche Perspektiven erfasst. Perspektivisch könnte dieses System auch auf Auszubildende ausgeweitet werden, um Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und Maßnahmen zur Fachkräftesicherung datenbasiert zu unterstützen.
Über die Hochschule Koblenz
Die Hochschule Koblenz ist mit 8.700+ Studierenden an den Standorten Koblenz, Remagen und Höhr-Grenzhausen die größte Hochschule für angewandte Wissenschaften in Rheinland-Pfalz. Sie bietet mehr als 80 praxisorientierte Bachelor-, Master- und Fernstudiengänge sowie duale Studiengänge in 6 Themenfeldern: Bauwesen & Architektur, Ingenieurwesen & Technik, Mathematik, Informatik & Künstliche Intelligenz, Wirtschaft, Freie Kunst und Sozialwissenschaften. Mit engen Kooperationen, anwendungsnaher Forschung und einer internationalen Ausrichtung bereitet die Hochschule Koblenz ihre Studierenden optimal auf die Herausforderungen einer globalisierten Arbeitswelt vor. Die hohe Zufriedenheit der Studierenden bestätigt der StudyCheck Award 2026: Die Hochschule Koblenz zählt zu den Top 50 Hochschulen in Deutschland und belegt Platz 1 unter den öffentlichen Hochschulen in Rheinland-Pfalz.
Über die Universität Koblenz
Die Universität Koblenz ist die jüngste Universität Deutschlands – und fußt gleichzeitig auf einer langen akademischen Tradition. Ihre vier Profilbereiche „Bildung“, „Informatik“, „Kultur und Vermittlung“ sowie „Material und Umwelt“ sind auf einzigartige Weise miteinander verbunden. Sie geben auch wichtige Impulse für die Lehrkräftebildung, die an der Universität eine zentrale Rolle einnimmt. Eine fächerübergreifende Zusammenarbeit und kurze Wege auf dem Campus und eine enge Vernetzung mit der Region prägen den Universitätsalltag. Die Universität Koblenz hat rund 9.700 Studierende. Forschung und Lehre der Universität werden vorangetrieben von über 100 Professuren in vier Fachbereichen. Insgesamt sind an der Universität Koblenz rund 1.100 Mitarbeitende beschäftigt.
Ihr Selbstverständnis hat die neue Universität Koblenz in dem Begriff „weiter:denken“ zusammengeführt. Darin spiegeln sich der Ansporn und der Anspruch aller Mitglieder der Universität, Gewohntes und Bekanntes immer wieder zu hinterfragen, um zu neuen Erkenntnissen zu gelangen und Vorreiter eines ganzheitlichen, interdisziplinären Denkens zu sein.
Gute Jobs binden Studierende an die Region. Foto: Uni Koblenz, Katharina Hein