Ev. Kirchengemeinde Meckenheim reist nach Lettland
Saldusbesuch, eine Fahrt mit Hindernissen?
Meckenheim. Mitte Oktober wollte eine Delegation der ev. Kirchengemeinde Meckenheim unter der Leitung von Pfarrer Mathias Mölleken zum Gegenbesuch zu der lettischen Partnergemeinde nach Saldus starten. Alles war wohlvorbereitet. Jedoch die Bahn streikte. Das Risiko war zu groß, dass das Flugzeug in Frankfurt ohne die 21 Meckenheimer nach Riga fliegen würde. Im letzten Moment wurde noch ein Busunternehmen gefunden, das die Gruppe ohne Verzögerung zum Flughafen brachte. Riga, die Weltkulturhauptstadt 2014 empfing sie mit eisigem Wind und Regen, aber die Stadtführerin war so begeistert vom neu aufgebauten Schwarzenhäupter-Haus, dem Dom, von der Freiheitsstatue und dem Jugendstilviertel, dass sie die Gruppe ansteckte und erwärmte. Am nächsten Tag fuhr man quer durchs Land an die Ostseeküste. Die Hafenstadt Liepaja/ Libau war unser Ziel. Der Organist Martin Kahle und der „Coro Piccolo“ hatten vor der Fahrt signalisiert, dass sie mit ihrem Gesang auch in dieser Stadt Menschen eine Freude bereiten wollten. Es gibt schon eine mehr als zwanzigjährige Verbindung zu einem Behinderten-Waisenheim in Liepaja, das von vielen Meckenheimern unterstützt wird. Dort freuten sich die Kinder und Jugendlichen schon auf den musikalischen Besuch. Aber, eingefädelt von Waltraut v. Tiesenhausen, wurden auch zwanzig Menschen aus dem Altenheim dazu eingeladen. Daraus entstand eine sehr emotionale gemeinsame Stunde. Der „ Coro Piccolo“ begann, dann sangen die alten Damen mit Inbrunst. Zum Schluss, ergreifend für alle gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen die Liepajahymne, so ehrfurchtsvoll wie die Nationalhymne, im Stehen gesungen. Der nächste Tag begann mit dem Besuch der ältesten Barockkirche in Lettland, der Trinitatis Kathedrale mit der Besonderheit einer der ältesten manuellen Orgeln der Welt. Dort wurde man von Bischof Pavils Bruvers empfangen. Herr Martin Kahle durfte die ehrwürdige, „anstrengende“ Orgel unter der Assistenz des dortigen Organisten W. Barriss intonieren. Das Abschiedslied des Chores a cappella vorgetragen, drückte die große Dankbarkeit für diese Begegnung aus. Belohnt wurden alle Teilnehmer dann außerdem mit einer Sonnenstunde am Strand von Liepaja. Sogar feinste Bernsteinstückchen wurden gefunden und zur großen Freude, dem jüngsten Teilnehmer Joschua geschenkt. In Saldus erwartete man Kirchenmitglieder der Johannisgemeinde in der Gregorschule, einer Ausbildungsstätte für Prediger. Nach einem ersten Dankgebet von Pfarrer Aprikis für diese große, gemeinsame Runde, erkannten viele Teilnehmer ihre Gäste aus Meckenheim wieder. Sehnsüchtig wartete man auf den Moment, die Freunde in die Arme zu schließen. Auch wer zum ersten Mal in Saldus war, wurde in gleicher Herzlichkeit aufgenommen. Der Sonntag mit dem Festgottesdienst, der Predigt von Pfarrer Mathias Mölleken, die ins Lettische übersetzt wurde und dem Chorgesang des „ Coro Piccolo“ erfüllten die Kirche in unvergesslicher Weise. Weitere Höhepunkte warteten: Das gemeinsame Mittagessen mit Gemeindemitgliedern, in denen sich Menschen an die Anfänge der Partnerschaft vor zwanzig Jahren erinnerten. Eine junge Frau, Ilze Mieze erzählte, dass sie in ihrer Kindheit über mehrere Jahre von einer Familie aus Meckenheim Weihnachtspakete erhalten haben. Gerne würde sie den Kontakt wieder aufnehmen, um sich als Erwachsener dafür zu bedanken. Eine Künstlerin, Anna Dobele, erinnerte sich an den Besuch der Jugendgruppe in ihrer Wohnung in dieser Zeit. Ganz still wurde es beim Essen, als eine alte Frau um Gehör bat. Sie war als Zwangsarbeiterin unter anderem auch in Meckenheim gewesen. Sie beschämte uns beinahe mit ihren Geschenken: jedem von uns überreichte sie selbst gefertigte Postkarten. Dann fuhr man zu dem nahegelegenen deutschen Soldatenfriedhof, allein die unübersehbare Menge der aufgestellten Kreuze, unter denen drei oder vier Soldaten eine letzte Ruhestätte fanden, ließ das Elend und Leid des Krieges erahnen. Wieder zurück in Saldus hatten sich die unermüdlichen Gastgeber etwas Besonderes ausgedacht. Für eine Stunde wurde man in ihren Familien aufgenommen.
Hier begegnete man dem wirklichen Leben, bei manch einem bittere Armut, jedoch mit erhobenem Haupt getragen. Am nächsten Morgen fuhr man mit bangen Gefühlen zum Flughafen, denn tatsächlich fiel der Rückflug dem Lufthansa Streik zum Opfer. Der erste Schreck war überwunden, als man erfuhr, dass Baltic Airlines die Gruppe am nächsten Tag zurückfliegen würde. Nachdem auch das Hotel in Riga die Gruppe wieder aufnahm, empfand man den „gewonnenen Tag“ in Riga wie ein Geschenk.
