Allgemeine Berichte | 04.03.2015

Meckenheim gedenkt Kriegsopfer vor 70 Jahren

„Wir lassen uns erinnern“

202 Tote durch Angriffe am 2. und 5. März 1945

Schüler verlasen die Namen der Bombenopfer.StF

Meckenheim. Mit einem ökumenischen Gottesdienst erinnerte die Stadt Meckenheim an die fast vollständige Zerstörung der Meckenheimer Altstadt vor 70 Jahren am 2. und 5. März 1945 durch massive Bombenangriffe. Vor dem Gottesdienst legte Bürgermeister Bert Spilles gemeinsam mit Pfarrer Reinhold Malcherek und Superintendent Mathias Mülleken einen Kranz in der Kapelle der Pfarrkirche St. Johannes der Täufer nieder.

In seiner sehr eindrucksvollen Predigt vor gut gefüllten Reihen ging Superintendent Mathias Mülleken darauf ein, „das wir uns erinnern lassen“ obwohl viele die damaligen Ereignisse nicht selber erlebt haben, sondern hierzu ihre Eltern oder Großeltern befragen müssen. Das Credo des Geistlichen „Nie wieder Krieg“ was auch jahrzehntelang für das Nachkriegsdeutschland gegolten hat, müsse noch immer gelten, auch wenn der Blick angesichts der Nachrichtenlage schwer falle. Die Stichwörter Ukraine, Syrien, Israel und Sudan bedeuten auch, dass derzeit weltweit rund 55 Millionen Menschen auf der Flucht sind. Vorbehalte und Vorurteile schaffen ein Klima der Feindseligkeit und des Hasses und hetzen Menschen gegen Menschen und Völker gegen Völker auf. Dem gegenüber steht der Weg von Solidarität, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit als Hoffnung und der Auftrag Wege zur Versöhnung zu finden, wobei hierfür jeder persönlich gefordert ist. Der Geistliche erinnerte zum Schluss seiner Predigt an das Wort Jesu in der Bergpredigt „Selig sind die Friedfertigen, denn sie werden Gottes Diener heißen.“

Die historischen Fakten

In seiner Ansprache ging anschließend Bürgermeister Bert Spilles zunächst auf die historischen Fakten ein und rief in Erinnerung, dass am 2. März 1945 gegen 10.45 Uhr mehr als 100 Sprengbomben über Meckenheim abgeworfen wurden. Während die Bevölkerung noch damit beschäftigt war, Verwundete und Tote aus den Trümmern zu bergen, erfolgte gegen 12.30 Uhr der nächste Angriff. Am 5. März erfolgte dann der 3. Angriff. Mit 354 sogenannten 500-Pfundbomben wurde die Meckenheimer Altstadt in Schutt und Asche verwandelt. Meckenheims Häuser waren Trümmerberge, viele Keller wurden zu Gräbern für ganze Familien. Dieses Ereignis stellt bis heute die tiefste Zäsur der Meckenheimer Stadtgeschichte dar und die damaligen Bewohner erlebten hautnah die Folgen des von Propagandaminister Goebbels 1943 propagierten „Totalen Krieg“ als fortschreitende Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen.

Erinnern ist wichtig

Bert Spilles erinnerte daran, dass der Bombenkrieg auf allen Seiten unmenschlich war und fasste dies in dem Satz zusammen „Leben kann man nicht gegen Leben aufrechnen, Schmerz nicht gegen Schmerz, Grauen nicht gegen Grauen.“ Erinnerung, so Bert Spilles weiter, kostet Kraft und wühlt auf. Sie kann aber auch den Blick zur Verständigung lenken und vor allem Mahnung für die Zukunft sein. Und darum hat Erinnerung auch immer mit Gegenwart und Zukunft zu tun. Und er erinnerte daran, dass die Meckenheimer ihre Stadt wieder aufgebaut haben und sprach die Hoffnung aus, dass es gelingt, gemeinsam eine Welt zu schaffen, in der Konflikte nicht mehr mit Gewalt ausgetragen werden und in der alle Menschen unterschiedlicher Herkunft, Rasse und Anschauung gemeinsam friedlich leben.

Das betonte Bert Spilles verbunden mit dem Hinweis, dass die Welt an immer mehr Stellen brennt, obwohl Rassismus, Nationalismus und Antisemitismus im Gewand der Wohlanständigkeit ihre Köpfe haben. Mit dem Gebet der Vereinten Nationen schloss der Stadtchef seinen Vortrag, bevor von vier Kindern des Konrad-Adenauer-Gymnasiums die Namen aller 202 Toten verlesen wurden, welche bei den Angriffen ums Leben kamen. Zuvor war eine Kerze entzündet worden und die Lesung der Namen wurde durch entsprechende Orgelmusik ummalt.

Schüler verlasen die Namen der Bombenopfer.Foto: StF

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