Blaulicht | 12.08.2022

Die „Aktion Deutschland Hilft“ ist im Ahrtal bekannt für die Finanzierung der Tiny Houses. Über die weiteren Aufgaben und Herausforderung informiert nun Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin des Bündnisses deutscher Hilfsorganisationen.

„Mittlerweile sind wir in der Wiederaufbauphase angelangt“

Tiny House in Grafschaft-Ringen.  Foto: ROB

Kreis Ahrweiler. Seit der Flutkatastrophe ist die „Aktion Deutschland Hilft“ im Ahrtal ein Begriff. So finanzierte die Aktion beispielsweise die Aufstellung der Tiny Houses, die als Übergangswohnraum für Flutbetroffene genutzt werden. BLICK aktuell unterhielt sich nun Manuela Roßbach, geschäftsführende Vorständin der „Aktion Deutschland hilft“ über bisherige Erfolge und gegenwärtige Herausforderungen.

BLICK aktuell: Die „Aktion Deutschland Hilft“ ist im Ahrtal ein Begriff. Wie und wo unterstützen Sie Flutbetroffene konkret?

Manuela Roßbach: Die Bündnisorganisationen von „Aktion Deutschland Hilft“ leisten seit Tag 1 der Katastrophe Hilfe vor Ort – eine Hilfe, die weit über die Auszahlung von Einzelfallhilfen hinausgeht! In der ersten Nothilfe-Phase ging es darum, Menschen zu retten und zu evakuieren, Bauschutt wegzuräumen, Werkzeuge, Bautrockner und Waschmaschinen auszuleihen etc. Mittlerweile sind wir in der Wiederaufbauphase angelangt – und auch jetzt lassen wir die Menschen nicht alleine: In den Fluthilfebüros des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB), der Arbeiterwohlfahrt (AWO), der Johanniter (JUH) und der Malteser (MHD) nehmen sich die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Zeit für die Beratung der Betroffenen, unterstützen sie bei der Beantragung von Hilfen und leiten sie durch die Hilfsangebote von Staat, Versicherungen und Hilfsorganisationen – sowohl für Hausrat und Inventarschäden als auch für die Schäden an selbst genutzten Wohngebäuden.

Hinzu kommen viele weitere längerfristige Hilfen wie die mobile Apotheke in Kalenborn, die unsere Bündnisorganisation action medeor ermöglicht hat. Oder das Seniorenwohnen mitten in Dernau: Dort hat der ASB einen Raum zum Wohnen und Begegnen für Seniorinnen und Senioren geschaffen, mit Mittagessen im Gemeinschaftsraum, und einer Psychologin, die regelmäßig zu Besuch kommt. Das sind nur einige Beispiele für wertvolle Hilfsangebote, die unsere Bündnisorganisationen dank der Spendengelder längerfristig finanzieren können.

BLICK aktuell: Die Finanzierung der Tiny Houses war besonders wichtig für die Menschen im Ahrtal. Wie kam es zu der Idee?

Roßbach: Die Idee zu den mobilen Häusern - umgangssprachlich Tiny Houses - kam von einigen Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern sowie aus dem heutigen Helferstab, die schon kurz nach der Katastrophe erkannt hatten, dass viele der Bürgerinnen und Bürger zumindest den Winter 2021/22 nicht in ihrem eigenen Haus verbringen können werden. Da ein Prinzip der humanitären Hilfe ist, genau auf den Bedarf der betroffenen Bevölkerung zu hören, haben wir hier auch gut zugehört und schnell entschieden, dass wir als Bündnis einen Teil der Spenden für insgesamt 170 Tiny Houses in drei Kommunen des Landkreises Ahrweiler aufwenden. Darüber hinaus haben unsere Mitgliedsorganisationen weitere Tiny Houses und Wohncontainer aus Spenden finanziert.

BLICK aktuell: Sind Sie mit der Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden zufrieden?

Roßbach: Wir sind mit den örtlichen Behörden in einem guten und konstruktiven Austausch. Wir sehen, dass die Bürgermeister, die Verwaltung, die Mitglieder in den örtlichen Räten alles versuchen, um wieder Normalität in die Gemeinden zu bringen.

BLICK aktuell: Gab es Pläne, die nicht so umgesetzt wurden, wie Sie es gerne gehabt hätten?

Roßbach: Der Mangel an Personal und Rohstoffen, z.B. Holz, hat die Bündnisorganisationen manchmal vor Herausforderungen stellt. Doch das sind Themen, die ja keineswegs nur unsere Organisation betreffen.

BLICK aktuell: Wie ist die Resonanz aus der Bevölkerung im Ahrtal?

Roßbach:Die Resonanz der Menschen im Ahrtal auf die Projekte unserer Bündnisorganisationen ist sehr gut! Da haben wir viel Zustimmung und Dankbarkeit erfahren. Die Menschen schauen ja auf beeindruckende Weise nach vorne. Grundsätzlich wünschen sich viele Betroffene natürlich, die Dinge würden schneller vorangehen. Das ist verständlich, doch wir agieren nun einmal als gemeinnützige Hilfsorganisation in einem größeren Rahmen und sind gehalten, Rechenschaft über die Nutzung der Spenden abzulegen.

Wir gehen davon aus, dass es im Sinne der Spenderinnen und Spender ist, dass vor allem Personen und Familien, denen es wirtschaftlich nicht so gut geht, von der Unterstützung profitieren. Damit Spenden wirklich den betroffenen Personen und Familien zugutekommen, wird für jeden Einzelfall geprüft, ob Versicherungsleistungen gewährt und Anträge bei der ISB- oder NRW-Bank gestellt wurden. Nur so können wir sicherstellen, dass Spendengelder nicht auf die Leistungen von Staat und Versicherungen angerechnet werden. Um die Hürden klein zu halten, haben sich unsere Bündnisorganisationen darauf geeinigt, eine erste Rate aus Spenden zu zahlen, sobald der Antrag bei der jeweiligen Organisation gestellt und bewilligt wurde und der Nachweis vorliegt, dass der ISB-Antrag eingereicht wurde.

Bei Wohngebäudeschäden sind es in der Regel 20 Prozent Eigenanteil, für den die Spenden genutzt werden können, auch Hausratschäden oberhalb der ISB-Pauschalen können gefördert werden. Aus der Erfahrung der Flut in 2013 gehen unsere Bündnisorganisationen, die individuelle Einzelfallhilfen anbieten, davon aus, dass Spenden auch für die zahlreichen Familien, deren Haus komplett zerstört wurde und nun neu gebaut werden muss, gebraucht werden. Da hierfür sehr oft noch keine Gutachten, Architektenpläne sowie Kostenvoranschläge vorliegen, können diese Familien bislang noch keine ISB-Förderanträge stellen. Damit diese hart betroffenen Familien dann Ende 2022 oder Mitte 2023 nicht leer ausgehen, werden Spenden für diesen Bedarf eingeplant. Aus dem Kreis der betroffenen Familien hören wir hierzu wiederholt Zustimmung, zudem ist dies eine Erfahrung der Hochwasserhilfen von 2002 und 2013, als das Netzwerk von „Aktion Deutschland Hilft“ auch schon in Deutschland aktiv war.

Weitere Informationen:

Unter der Hotline 06723/685578 oder unter www.Aktion-Deutschland-Hilft.de/Betroffene finden Betroffene die Adressen und Telefonnummern der Fluthilfebüros unserer Hilfsorganisationen.

ROB

Manuela Roßbach.  Foto: Aktion Deutschland Hilft/Marc-Steffen Unger.

Manuela Roßbach. Foto: Aktion Deutschland Hilft/Marc-Steffen Unger. Foto: Marc-Steffen Unger

Tiny House in Grafschaft-Ringen. Foto: ROB

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