Allgemeine Berichte | 20.05.2026

NABU Hundsangen appelliert an Gemeinden, Landwirte und Straßenmeistereien

Wegränder und Feldraine – kostbare Lebensräume in ausgeräumten Feldlandschaften

Wegränder und Feldraine nicht von März bis September Mähen

Blütenreiche Wegränder in der Feldflur - wichtige Lebensräume nicht nur für Insekten.

Westerwald. In den letzten Jahren wurde immer wieder über das Insektensterben und den Rückgang der Feld- und Wiesenvögel berichtet. So hat sich die Zahl brütender Kiebitze in Deutschland seit den 1990 Jahren auf ein Viertel reduziert; die Anzahl der Rebhühner ist seit den 1970 sogar auf einen Bruchteil des ursprünglichen Bestandes geschrumpft. Zudem zeigte eine Studie im Jahr 2017, dass in den letzten 27 Jahren die Biomasse der Fluginsekten in Schutzgebieten Nordwestdeutschlands um über 75% zurückgegangen ist.

Besorgniserregende Entwicklungen auch in Hundsangen und anderen Westerwald-Gemeinden:

Das letzte Kiebitzpaar zwischen Hundsangen, Malmeneich und Obererbach brütete 1990; heute ist die Art im Westerwald ausgestorben. Auch das Rebhuhn verschwand bereits vor Jahren aus vielen Gemeinden. Die Rauchschwalbe verließ vor über 15 Jahren den Ortskern (früher ca. 30 Paare, heute nur noch Einzelbruten auf Aussiedlerhöfen). Der Gartenrotschwanzbestand erlosch in Hundsangen bereits in den 1990 Jahren; in der gesamten Verbandsgemeinde Wallmerod existiert nur noch ein einziges Paar. Auch die Bestände der Goldammer nehmen im Westerwald weiter dramatisch ab. 2024 folgte der nächste Verlust: In Hundsangen und Obererbach konnten keine Feldsperlingsbruten mehr nachgewiesen werden. Ihm fehlen Brachen, Hecken, Obstwiesen und ungemähte Wegränder – Lebensräume, die zusehends verschwinden.

Aus diesem Grund werden Wegränder und Feldraine immer wichtiger, zumal vielerorts Hecken, Baumreihen, Streuobstwiese, blütenreiche Mähwiesen und Brachflächen verschwunden sind. Werden diese Ränder erst spät gemäht – also zwischen Oktober und Februar –, bieten sie Wildblumen, Insekten, Vögeln und dem Niederwild wie dem Feldhasen einen lebensnotwendigen Rückzugsraum. Besonders günstig wirkt es sich aus, wenn die Flächen erst im folgenden Frühjahr gepflegt werden, da viele Insekten in den abgestorbenen Pflanzenstängeln überwintern.

Zudem dienen stehen gelassene Ränder der Vernetzung blütenreicher Flächen. Gerade nach der Ernte bietet diese Reststruktur Deckung in der sonst „ausgeräumten“ Landschaft. Ein wichtiger technischer Aspekt: Die Flächen sollten gemäht statt gemulcht werden. Beim Mulchen werden Insekten und Kleintiere förmlich zerkleinert; zudem wird umherliegender Müll in Mikroplastik zerlegt, das nicht mehr entsorgt werden kann.

Neben dem Naturschutz sparen Gemeinden, Straßenmeistereien und Landwirte durch den reduzierten Pflegeaufwand finanzielle Mittel und schonen das Klima. In unserer Region haben sich bereits einige Ortschaften dazu entschieden, die Wegränder zwischen März und September unberührt zu lassen.

Es bleibt zu hoffen, dass viele weitere Akteure diesen positiven Beispielen folgen. Gemeinsam können wir es schaffen, eine gestärkte Natur mit hoher Biodiversität zu erhalten.

Weitere Themen

Blütenreiche Wegränder in der Feldflur - wichtige Lebensräume nicht nur für Insekten. Foto: NABU-Hundsangen

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Rolf Nonn: An Pfingstsonntag ab 11 Uhr findet das 18. Hafenkonzert in den Rheinanlagen von Brohl-Lützing statt. Die Veranstaltung vom Brohler Kulturverein beginnt um 11 Uhr mit dem Bonner Shanty-Chor und am Nachmittag spielt der Musikverein Bad Hönningen auf.
  • Volker Otto: Sehr schöner, blendend organisierter dorftrödel, der alles geboten hat, was man sich von so einer Veranstaltung erwarten kann. Vielfältiges Angebot, gute Verpflegung und (ganz wichtig) die Möglichkeit, menschlichen Bedürfnissen nachzugehen.
Dauerauftrag 2025
Imageanzeige - Dauerauftrag
Kurse Mai/Juni
Gesundheitsmagazin Kreis AW
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Anzeige Filiale Andernach
eine/n Sachbearbeiter/in für den Bereich Controlling (m/w/d)
Mitarbeiter im Verkauf
"Sommernacht im Pfarrhof Dieblich"
Empfohlene Artikel
Radeln für die Zukunft: Montabaur setzt ein Zeichen
1

Montabaur. Der ADFC Kreisverband Westerwald e.V. hat zum dritten Mal erfolgreich eine Demonstration mit Groß-/Eltern und Kindern für mehr und sichere Radwege organisiert. Die Stadtbürgermeisterin Melanie Leicher und der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Montabaur, Dr. Hans Ulrich Richter-Hopprich, unterstützen die Initiative.

Weiterlesen

Noch unzerschnittene und nicht zerstörte Wälder im Westerwald
56

Region. Ziel der Fortschreibungen von Regionalen Raumordnungsplänen ist es, Vorranggebiete für die Windenergienutzung auszuweisen, die zusätzlich die Vorgaben des deutschen Windenergieflächenbedarfsgesetz (WindBG) erfüllen. Danach soll zur Beschleunigung der Energiewende eine bestimmte Flächenkulisse an „Beschleunigungsgebieten“ aufgestellt werden, in denen es zu einem erheblichen Fortfall der Ermittlung des Konfliktpotenzials mit den Schutzgütern des Naturhaushalts kommt.

Weiterlesen

Seit 40 Jahren treffen sich die Radsportler der Equipe EuroDeK zur Kirmesrundfahrt in Daubach – diesmal wurde dabei die bevorstehende große RLP-Rundfahrt zum Thema Tourismus im neuen Tour-Shirt präsentiert.
50

Montabaur/Nassau. Die Tourismusbranche in Rheinland-Pfalz freut sich nach einem erfolgreichen Jahr 2025 und einem guten Ostergeschäft auf ein Spitzenjahr 2026! Von dieser positiven Entwicklung profitiert nicht nur die Tourismuswirtschaft selbst, sondern auch die Bevölkerung vor Ort – durch sichere Arbeitsplätze, lebendige Innenstädte sowie Investitionen in Infrastruktur und Freizeitangebote, die Einheimische und Gäste gleichermaßen nutzen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
20

Bonn. Der Verein Bunter Kreis Rheinland gehört zu den 25 sozialen Initiativen bundesweit, die im Rahmen des Wettbewerbs von startsocial ausgezeichnet wurden. Damit wird das langjährige Engagement des Vereins gewürdigt, der Familien mit frühgeborenen, schwer und chronisch kranken Kindern sowie Kindern mit Beeinträchtigung unterstützt.

Weiterlesen

Fischfang an der Ahr in Dernau.  Foto: privat
432

Ahrtal. Wer heute an der Ahr entlang wandert, begegnet ihnen wieder vereinzelt: Angler, die geduldig am Ufer stehen oder im Fluss ihre Angel auswerfen, als wäre alles wie früher. Doch die Flut von 2021 hat den Fluss und das Tal tiefgreifend verändert. Das Bett der Ahr wurde neu geformt, Uferzonen verschwanden oder entstanden neu, das Wasser erwärmte sich, und der Fischbestand geriet aus dem Gleichgewicht.

Weiterlesen

Andrea Stenz, Alfred Bach, Robert Füllmann und Stefan Schmitt zu Gast bei Susanne Tack (v.l.). Foto: WPA
139

Sinzig. Vier Spuren? Drei? Wie viel Raum braucht die Ahr? Beim Wiederaufbau der Bundesstraße B266 bei Heimersheim stehen sich örtliche Vertreter und der Landesbetrieb Mobilität (LBM) mit konträren Standpunkten gegenüber. Fest steht bislang nur, dass die derzeitige Variante eine Zwischenlösung ist. Susanne Tack, Geschäftsführerin und Chefredakteurin des Krupp-Verlags, lud Vertreter beider Seiten zum Redaktionsgespräch, um sie zu Wort kommen zu lassen.

Weiterlesen

Anzeige "Rund ums Haus"
Titelanzeige
Gesundheitsmagazin AW
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Gesundheitsmagazin im Kreis Ahrweiler
Titelanzeige
SO 3 - Heddesdorfer Pfingstkirmes 150 Jahre
Hausmeistertätigkeiten
Sonderseite 3 - Heddesdorfer Pfingstkirmes 150 Jahre
Minijob Reinigungskraft
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0299#
Rund ums Haus
Stellenanzeige
Pfingstwaldfest in Bachem, 24. - 25.05.26