Barrierefreiheit in Engers
Bündnisfraktionen fordern echte Barrierefreiheit am Bahnhof Engers
aus Neuwied
Neuwied. Die Fraktionen von CDU, Bündnis 90/Die Grünen, BSW, FWG und FDP im Stadtrat der Stadt Neuwied halten trotz der Antwort der Deutschen Bahn AG an ihrer Forderung nach einem vollständig barrierefreien Ausbau des Bahnhofs Engers fest.
Die Bahn hat inzwischen auf die einstimmig verabschiedete Resolution des Stadtrates reagiert und die geplanten Maßnahmen im Rahmen der Korridorsanierung der rechten Rheinstrecke erläutert.
Danach erhält der Bahnhof Engers unter anderem zwei Aufzüge, eine modernisierte Personenunterführung, neue Bahnsteige, digitale Fahrgastinformationen sowie einen zusätzlichen Zugang in Richtung Kapellenstraße.
Die Fraktionen begrüßen diese Investitionen ausdrücklich.
Kritik an unzureichendem Bahnsteigausbau
Die Fraktionen sehen jedoch weiterhin kritisch die Entscheidung, die Bahnsteige lediglich auf eine Höhe von 55 Zentimetern auszubauen. Nach Auffassung der Deutschen Bahn ist eine Anhebung auf 76 Zentimeter aufgrund des Güterverkehrs auf der Strecke nicht möglich.
„Wir erkennen an, dass die Bahn erstmals eine technische Begründung vorgelegt hat. Nachvollziehbar wird die Entscheidung dadurch für uns jedoch nicht“, erklären die Fraktionsvorsitzenden Martin Hahn (CDU), Regine Wilke (Bündnis 90/Die Grünen), Tobias Härtling (BSW), Lars Ebert (FWG) und Dr. Dietrich Rühle (FDP).
Die Fraktionen verweisen darauf, dass entlang derselben Strecke an mehreren Bahnhöfen Bahnsteige mit einer Höhe von 76 Zentimetern vorhanden sind beziehungsweise geschaffen werden.
„Die entscheidende Frage bleibt unbeantwortet: Warum soll ausgerechnet in Engers keine vollständige Barrierefreiheit möglich sein, obwohl hier einer der größten Bedarfe entlang der gesamten Rheinstrecke besteht?“, so die Fraktionsvorsitzenden.
Besonders betroffen seien die Nutzerinnen und Nutzer der Einrichtungen der Josefsgesellschaft, der Lebenshilfe und weiterer sozialer Träger im Stadtteil.
„Mobile Rampen sind eine Unterstützung. Sie ersetzen aber keine echte Barrierefreiheit. Wer auf Hilfe angewiesen ist, kann nicht selbstbestimmt reisen“, betonen die Fraktionsvorsitzenden und auch der Engerser Ortsvorsteher Dieter Neckenig äußert sich deutlich: „Das ist ja keine Barrierefreiheit wenn ich mich als Rollstuhlfahrer 24 Stunden vorher anmelden muss und darauf angewiesen bin, dass im Zug Personal vorhanden ist, dass die Rampe bedient. Das ist Theorie. In der Praxis wird das nicht funktionieren an einem Bahnhof ohne Personal und Rollstuhlfahrer bleiben wie bisher „auf der Strecke“.“
Gleichzeitig begrüßen die Fraktionen die von der Bahn angekündigte Anbindung des Mittelbahnsteigs an die Kapellenstraße. Dadurch eröffne sich langfristig die Möglichkeit, den Bahnhof auch von dieser Seite besser zu erschließen und perspektivisch zusätzliche Park-and-Ride-Angebote zu schaffen.
An ihrer Kernforderung halten die Fraktionen jedoch fest: „Barrierefreiheit bedeutet selbstständige Mobilität. Dieses Ziel darf am Bahnhof Engers nicht aufgegeben werden. Deshalb werden wir das Thema weiterhin auf der politischen Agenda halten und uns gegenüber der Deutschen Bahn, dem SPNV-Nord und dem Bundesverkehrsministerium weiterhin für eine echte barrierefreie Lösung einsetzen die auch in der Praxis funktioniert und nicht nur auf dem Papier der „Bahntheoretiker“.
Pressemitteilung CDU, Bündnis 90/Die Grünen, BSW, FWG und FDP im Stadtrat der Stadt Neuwied
Am Bahnhof Engers werden bereits heute umfangreiche millionenschwere Baumaßnahmen durchgeführt. Trotz dieser „Komplett-Sanierung“ und Erneuerung bleibt die Barrierefreiheit auf der Strecke. Foto: Martin Hahn
