Politik | 06.01.2021

Arbeitslosigkeit nimmt zum Jahresende in und um Koblenz nur leicht zu

Arbeitsmarkt reagiert bislang kaum auf verschärften Lockdown

Kreis Mayen-Koblenz/Koblenz. Wie zu erwarten nimmt die Arbeitslosigkeit nach dem Lockdown von Anfang November und der Verschärfung der Vorschriften Mitte Dezember auch in und um Koblenz wieder zu. Allerdings sind die Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft zumindest derzeit noch moderater als viele befürchtet hatten.

Die Dezember-Statistik der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen weist für die Stadt Koblenz 3.885 arbeitslose Menschen aus. Das sind 29 mehr als vier Wochen zuvor. Vor einem Jahr waren 634 Frauen und Männer weniger arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote liegt nach wie vor bei 6,2 Prozent. Zum Jahresende 2019 lag sie bei 5,2 Prozent.

Im Landkreis Mayen-Koblenz gibt es Ende Dezember 4.239 Arbeitslose – 81 mehr als vier Wochen zuvor und 902 mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,1 Punkte auf 3,6 Prozent. Im Dezember 2019 lag sie bei 2,8 Prozent.

Der Anstieg bei den Arbeitslosenzahlen macht sich, wenn auch in unterschiedlicher Ausprägung, sowohl in der Arbeitsagentur (Sozialgesetzbuch/SGB III) als auch beim Jobcenter (SGB II) bemerkbar. So verzeichnen die Statistiker in den zurückliegenden vier Wochen in Koblenz in der Zuständigkeit der Agentur einen Anstieg um 41 auf nun 1.517 arbeitslose Frauen und Männer. Im Jobcenter waren 2.368 Arbeitslose registriert, das sind 12 weniger als im Monat zuvor. Vor einem Jahr waren bei der Agentur 406 und beim Jobcenter 228 Personen weniger arbeitslos gemeldet.

Für den Landkreis weist die Arbeitsagentur im SGB III zum Monatsende 2.595 Arbeitslose aus, das entspricht einem Plus von 66 gegenüber dem Vormonat und einem Anstieg von 665 zum Vorjahr. Das Jobcenter Mayen-Koblenz meldet 1.644 arbeitslose Menschen – 15 mehr als im November und 237 mehr als am Jahresende 2019.

Auf dem Stellenmarkt verkleinert sich die Lücke zum Vorjahr weiter. In den letzten vier Wochen wurden dem Arbeitgeberservice aus der Stadt 245 und aus dem Landkreis 231 neue Stellen gemeldet. Damit liegt die Zahl der gemeldeten offenen Stellen in Koblenz bei 1.263, das sind 401 weniger als vor einem Jahr. Im Landkreis sind es 1.547 Stellenangebote – 578 weniger als im Dezember 2019.

Zum Jahresende kann die Arbeitsagentur auch die durchschnittlichen Werte 2020 und 2019 vergleichen. So waren im gerade zu Ende gegangenen Jahr in Koblenz im Durchschnitt 4.139 Menschen arbeitslos gemeldet. 2019 waren es 3.421, also 717 weniger. 1.559 der Arbeitslosen wurden von der Arbeitsagentur betreut, 2.580 vom Jobcenter. Im Jahr zuvor waren bei der Agentur 424 und beim Jobcenter 293 Menschen weniger arbeitslos gemeldet. Der durchschnittliche Bestand an offen Stellen reduzierte sich 2020 gegenüber dem Vorjahr um 592 auf 1.346.

Im MYK-Kreis waren im zu Ende gegangenen Jahr durchschnittlich 4.269 Menschen arbeitslos gemeldet, das sind 575 mehr als 2019. Die Agentur betreute 2.560 dieser Arbeitslosen, das Jobcenter 1.709. Bei der Agentur entspricht das einem Plus von durchschnittlich 628, beim Jobcenter einem Minus von durchschnittlich 53. Die Zahl der gemeldeten offenen Stellen sank im Durchschnitt um 808 auf 1.646.

Nach neun Monaten Corona zeige sich der Arbeitsmarkt trotz allem überraschend robust, meint Frank Schmidt, Leiter der Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. „Zwar hat die Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr zugenommen, aber viele Experten hatten sehr viel höhere Zahlen befürchtet.“ Tatsächlich werde die Lücke zum Jahr 2019 seit Monaten kleiner. Zu verdanken sei diese Stabilität zum einen der Weitsicht vieler Arbeitgeber, die auch in der Krise an wertvollen Fachkräften festhielten. „Aber auch die Kurzarbeit hat einen erheblichen Anteil daran, dass Betriebe sich dieses Fest- und Durchhalten überhaupt erlauben können.“

Um diese Hilfsmittel nutzen zu können, müssen Unternehmen zunächst Kurzarbeit anzeigen, was von der Arbeitsagentur geprüft und gegebenenfalls bewilligt wird. Damit wird die Möglichkeit eröffnet, Mitarbeiter in Kurzarbeit zu schicken. Einen Automatismus gibt es allerdings nicht: Unternehmen können auch entscheiden, das Mittel während des Bewilligungszeitraumes nur für eine gewisse Zeit oder einen Teil der gemeldeten Beschäftigten zu nutzen. Die eigentliche Abrechnung (KuG-Antrag) erfolgt deshalb auch erst im Nachhinein. Da die Unternehmen dafür bis zu drei Monate Zeit haben, liegen entsprechende Werte erst mit deutlicher Verzögerung und bislang nur für ganze Agenturbezirke vor.

Nach einem stärkeren Anstieg im November ist die Zahl der KuG-Anzeigen im Dezember wieder zurückgegangen: In Koblenz zeigten 142 Betriebe für 1.059 Beschäftigte Kurzarbeit an, vier Wochen zuvor waren es noch 184 Betriebe und 1.544 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Landkreis meldeten sich im letzten Monat des Jahres 136 Betriebe für 786 Beschäftigte. Vier Wochen zuvor waren es 190 Unternehmen und 2.754 betroffene Arbeitnehmer*innen.

Insgesamt gab es seit April 2020 in der Stadt 2.081 Anzeigen für 33.053 Beschäftigte, im Vorjahreszeitraum waren es 15 Anzeigen für 139 Mitarbeiter*innen. Im Landkreis verteilten sich von April bis Dezember 27.344 Beschäftigte auf 2.536 Unternehmen. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es 16 Betriebe und 200 Mitarbeiter*innen.

Diese Zahlen ließen jedoch nicht den Schluss zu, dass trotz neuerlichem Lockdown weniger Betriebe auf Kurzarbeit setzen, betont Agenturleiter Schmidt. „Viele Unternehmen haben bereits bei der Schließungswelle im November neue Anzeigen eingereicht. Andere müssen nicht aktiv werden, weil ihre früheren Anzeigen noch gelten.“ Andererseits würden Betriebe immer häufiger doppelt erfasst, weil die Geltungsdauer ihrer Anzeige abgelaufen sei oder die Kurzarbeit für drei Monate und mehr unterbrochen wurde. „Letztendlich werden wir wohl erst in der Rückschau im Detail wissen, in welchem Ausmaß Kurzarbeit dazu beigetragen hat, die Krise zu überwinden. Sicher ist aber, dass ihr Anteil ganz erheblich ist.“

Pressemitteilung

Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen

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