Politik | 12.01.2024

Politik und Bürgerinitiativen fordern Bürger um Mithilfe auf

Bahnlärm: „Keine Alternative für das Untere Mittelrheintal“

Die Landtags- und Bundestagsabgeordneten Ellen Demuth und Susanne Müller sowie Erwin Rüddel und Josef Oster bekamen von den Landräten und BI-Vertretern den Forderungskatalog überreicht, um das Thema Bahnlärm in die Parlamente einzubringen.  Fotos: FF

Kreis Neuwied. Zu einem Gipfeltreffen und zur dritten Zusammenkunft des „Aktionsbündnis gegen Bahnlärm und für eine Entlastung des Unteren Mittelrheintals vom Güterschienenverkehr“ hatte Landrat Achim Hallerbach in die Neuwieder VHS eingeladen. 70 Vertreter der kommunalen Familie waren aus den Landkreisen Neuwied, Mayen-Koblenz, Ahrweiler und Rhein-Sieg, gekommen. Achim Hallerbach hatte keine guten Nachrichten: „Die veröffentlichte Machbarkeitsstudie ist für unsere Region eine Ohrfeige. Das Untere Mittelrheintal ab Koblenz bis Bonn spielt hier keine Rolle. Die Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass selbst die günstigste Variante der vier untersuchten Alternativen die errechneten Investitionskosten nicht rechtfertige“. Positivere Aussichten gibt es für die Menschen im Oberen Mittelrheintal. Hier sieht die Studie eine gewisse Entlastung und eine Teillösung durch eine kleine Alternativtrasse vor.

Achim Hallerbach rief in Erinnerung, dass das Mittelrheintal ein Abschnitt des Europäischen Güterverkehrskorridors, von den belgischen und niederländischen Nordseehäfen bis nach Genua, ist. Damit zukünftig 40 Prozent mehr Güterverkehr links- und rechtsrheinisch fließen könne, ohne dass die Region in irgendeiner Form davon profitiere, werden in den nächsten Jahren die Strecken zwischen Bonn/Troisdorf und Mainz ausgebaut. „Statt der Entlastung, die wir seit vielen Jahren für unser Tal fordern, sollen wir also noch stärker belastet werden“, kritisierte der Landrat. Er geht davon aus, dass die Züge im Schnitt im vier Minuten Takt durch die Region rauschen.

Neben den erheblichen Auswirkungen auf die Gesundheit und Lebensqualität der Menschen befürchtet er, dass die Stadt- und Ortskerne immer weniger attraktiv werden und letztlich weiter veröden. Immobilien verlieren an Wert und Menschen verlassen ihre Heimat. „Vieles von dem, was wir in den vergangenen Jahrzehnten investiert haben, beispielsweise in Schulen und Kitas, in dörfliche Infrastruktur, in attraktive Gewerbegebiete und in den Tourismus, wäre zunichtegemacht“, befürchtet Achim Hallerbach. Ebenfalls schnitt er potenzielle Bahnunfälle und Katastrophenszenarien an, deren Gefahren mit steigender Zugfrequenz steigen.

Die Sorgen vom Landrat teilt Rolf Papen (BI Weißenthurm). Der Aktivist der ersten Stunde gegen den Bahnlärm hält die geplante Erhöhung des Güterverkehrs auf den 150 Jahre alten Gleisanlagen für unmöglich. Zudem monierte er, dass die Bahn im Mittelrheintal auf Bestandsschutz verweisen kann. „Die Bahn kann hier machen, was sie will“, sagte Rolf Papen und erklärte, dass aktuelle Vorgaben nicht berücksichtigt werden müssten. Echauffiert zeigte er sich, dass 450.000 betroffene Menschen die 20 Mrd. Euro für eine Alternativstrecke nicht wert seien. Rolf Papen skizzierte den Weg des Mittelrheintals zum Hochgeschwindigkeitsnetz.

Nichts modernisiert in Deutschland

Er kritisierte, dass in Deutschland, ganz im Gegensatz zu den Niederlanden und der Schweiz, in den letzten Jahren praktisch nichts passiert sei und nichts modernisiert wurde. Dennoch seien die Bemühungen der Bürgerinitiativen mit Unterstützung der Lokalpolitiker nicht vergebens gewesen. Rolf Papen erinnerte an die Umrüstung auf Flüsterbremsen und die Messstationen. Unter der Devise „Kooperation statt Konfrontation“ könne man mit der DB Netz AG gut und fair kooperieren. Als Beispiel nannte Rolf Papen die Lärmschutzwand Weißenturm.

Gerd Kirchhoff (BIN gegen Bahnlärm) informierte die Anwesenden detailliert über die Lärmproblematik und die Auswirkungen. Er fordert eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50km/h. Gerd Kirchhoff gehört ebenfalls zu den engagierten Bürgern, vor denen Erwin Rüddel seinen Hut zieht. Der Bundestagsabgeordnete ermunterte die Bürgerinitiativen, ihre Bemühungen fortzusetzen. „Wir brauchen ihre Unterstützung und den Druck von unten für die Arbeit in den Parlamenten“, so Erwin Rüddel. Durch Corona und den damit ausbleibenden Zusammenkünften und Demonstrationen seien die Aktivitäten zurückgegangen. Politik und Bürger waren sich einig, den Druck auf die Entscheidungsträger zu erhöhen.

Forderungskatalog an den Bund

Der Erfolg der Veranstaltung lag in der Verabschiedung eines Forderungskatalogs an das Verkehrsministerium von Volker Wissing. Die Punkte im Einzelnen:

1. einen Beirat „Leiseres Mittelrheintal 2.0“ für den Bereich Koblenz-Bonn analog zum bestehenden Beirat zu konstituieren, um einen fruchtbaren Dialog aller Betroffenen zu ermöglichen und die längst versprochene und überfällige Gleichbehandlung des Unteren Mittelrheintals zu gewährleisten.

2. dass mit der Generalsanierung 2026/28 alle Lärmschutzmaßnahmen gemäß den Bestimmungen der Lärmvorsorge unmittelbar und rechtlich verbindlich umgesetzt werden.

3. dass bis zur vollständigen Umsetzung der Lärmschutzmaßnahmen lärmmindernde Geschwindigkeitsbeschränkungen in Ortschaften und vor allem nachts, verbindlich festgelegt und kontrolliert werden (..).

4. dass alle bestehenden und neuen Monitoring Stationen nach dem Stand der Technik so aus- und umgerüstet werden, dass Flachstellen, Polygone und andere Lärm verursachende Komponenten an Rädern und Wagen, identifiziert werden. Alle Wagenhalter müssen verpflichtet werden, fehlerhafte Waggons unverzüglich aus dem Umlauf zu nehmen.

5. dass gleichzeitig die Planung für die rechtsrheinische Alternativstrecke von Troisdorf nach Mainz, als Tunnellösung für eine langfristige Entlastung des gesamten Mittelrheintals, beginnt und dann ggf. auch außerhalb des Bundesverkehrswegeplans durch ein Gesetz umgesetzt wird. FF

Zur 3. Zusammenkunft des „Aktionsbündnis gegen Bahnlärm und die Entlastung des Mittelrheintals“ kamen 70 Kommunalpolitiker aus Neuwied und den benachbarten Landkreisen in die VHS Neuwied.

Zur 3. Zusammenkunft des „Aktionsbündnis gegen Bahnlärm und die Entlastung des Mittelrheintals“ kamen 70 Kommunalpolitiker aus Neuwied und den benachbarten Landkreisen in die VHS Neuwied.

Die Landtags- und Bundestagsabgeordneten Ellen Demuth und Susanne Müller sowie Erwin Rüddel und Josef Oster bekamen von den Landräten und BI-Vertretern den Forderungskatalog überreicht, um das Thema Bahnlärm in die Parlamente einzubringen. Fotos: FF

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Oster-Anzeige
Doppelseite PR/Anzeigen
Schulze Klima -Image
Rund ums Hause Mayen/Mendig
Stellenanzeige
PR-Anzeige
Unterstützeranzeige
Empfohlene Artikel
Petra Schneider. Foto: privat
20

Kreis Ahrweiler. Am 23. April 2026 ist es wieder so weit: Der bundesweite Girls‘ Day/Boys‘ Day bietet jungen Menschen die Gelegenheit, spannende Einblicke in verschiedene Berufsfelder zu erhalten. Auch die CDU-Landtagsfraktion beteiligt sich erneut an diesem Aktionstag und lädt Schülerinnen und Schüler ein, einen Blick hinter die Kulissen der Landespolitik zu werfen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2267

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
132

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Dauerauftrag
Dauerauftrag 2026
Rund um´s Haus
Daueranzeige
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Dauerauftrag 2025
Kreishandwerkerschaft
Anzeige "Rund ums Haus"
Rund ums Haus
Innovatives rund um Andernach
Kreishandwerkerschaft
Container Anzeige
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
SB Standesamt
Angebotsanzeige (April)
Titelanzeige
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in