Erweiterung des Gewerbegebiets Kempenich

Bürgermeister Dominik Schmitz: Bedenken werden ernstgenommen

15.03.2022 - 09:14

Kempenich. „Wir sind sehr froh darüber, dass die Bürgerinformationsveranstaltung zu diesem für die Ortsgemeinde Kempenich sehr wichtigen Thema so gut besucht war und die Bürgerinnen und Bürger das Informationsangebot aus erster Hand angenommen haben“, freute sich Ortsbürgermeister Dominik Schmitz nach der Bürgerinformationsveranstaltung in der gut besuchten Kempenicher Leyberghalle. Die Bedenken der Bürgerinitiative „Lebenswertes Kempenich“, die sich gegen eine zusätzliche Erweiterung des Gewerbegebiets in Richtung B 412 und Dall ausgesprochen und 215 Unterschriften im Vorfeld gesammelt hatte, waren zwar am Ende der Diskussion nicht ausgeräumt. Aber Schmitz versprach, die Argumente der Erweiterungs-Skeptiker im weiteren Verlauf des Planungsverfahrens zu berücksichtigen. Beschlossen, so Schmitz, sei ja noch nichts. Die Bürger seien eingeladen, im weiteren Verlauf Einfluss auf die Ausgestaltung des Projekts zu nehmen. Am Meinungsaustausch nahmen viele Kempenicher, die meisten Mitglieder des Gemeinderats, Vertreter der Bürgerinitiative und Verbandsbürgermeister Johannes Bell teil.

Aber worum geht es in Kempenich eigentlich? Im Gewerbegebiet Kempenich/Spessart wird es eng. Hier haben sich auch wegen der Anbindung an das Verkehrsnetz und der guten Infrastruktur viele erfolgreiche Betriebe angesiedelt. Während auf Spessarter Seite bereits eine Erweiterung umgesetzt wird, ist die für den ein großes Areal auf Kempenicher Seite ebenfalls beschlossen, die Flächen wurden bereits angekauft. U.a. wird hier ein neues Domizil für die drei Wehren aus Kempenich, Engeln und Spessart und den Bauhof errichtet, außerdem siedelt sich eine DRK Rettungswache an. Das Gewerbezentrum rückt damit bis auf 20 Meter an die angrenzende Landstraße heran. Da der Gemeinderat u.a. aufgrund der Situation an der Ahr in Zukunft, aber auch wegen steigender Nachfrage in Kempenich selbst mit einem weiter steigenden Bedarf rechnet, hat man im November mit einer Gegenstimme beschlossen, grünes Licht für einen Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplans zu geben. Er betrifft ein Areal in südlicher Richtung zur B 412 und zum Kempenicher Dall in der Nähe des Naturteichs Lake Lupo. Hier würde auch die Firma Fibrolith gerne ein neues Werk errichten. Das Traditionsunternehmen mit derzeit 55 Mitarbeitern ist nach der Firma Wolfcraft der zweitgrößte Arbeitgeber im Ort. Die Bürgerinitiative „Lebenswertes Kempenich“ beklagt, dass die Bürger nicht ausreichend über die Erweiterungspläne informiert wurden. Und sie sieht, anders als die Befürworter, mit dem Projekt verbundene Risiken.

Für Bürgermeister Schmitz und den Gemeinderat standen beim Beschluss vom November die zukünftige Entwicklung der Gemeinde und die Sicherheit der Arbeitsplätze im Vordergrund. Schmitz. „Bürgermeister und Gemeinderat müssen die Interessen aller im Auge behalten.“ Auch die Bürgerinitiative „Lebenswertes Kempenich“ möchte Arbeitsplätze und das Gewerbe in Kempenich schützen, aber die Initiatoren befürchten gleichzeitig einen erheblichen Verlust an Lebensqualität und einen gravierenden Eingriff in die Natur. Schließlich ist das Gebiet um den Lake Lupo ein naturnahes Kleinod und Anziehungspunkt für Spaziergänger. Und welche Lärmbelastung käme bei einem angedachten 3-Schichten-System in der neuen Fertigungsstätte des Fibrolith Werks auf die Bewohner des Dalls zu? Ein weiterer Einwand betraf die Wirtschaftlichkeit des Projekts. Da stand die Frage nach einer Kosten-Nutzen-Bewertung im Raum. Ein weiterer wichtiger Punkt: Die Folgen für den Hochwasserschutz in Kempenich bei Starkregenereignissen. Hier könnte durch die Versiegelung von Flächen im Gewerbegebiet die bereits bestehende Problematik verschärft werden.

Aber es gab nicht nur kritische Wortbeträge, sondern auch klare Unterstützung für die Erweiterung des Gewerbegebiets. Zum Abschluss versprach Dominik Schmitz Befürwortern und Skeptikern: „Wir nehmen das ernst, was hier vorgebracht wird. Wir sind erst am Anfang, im weiteren Verlauf sollten wir gemeinsam Lösungen finden, die für alle verträglich sind und alle Interessen berücksichtigen.“

Das Thema dürfte die Gemeinde noch länger beschäftigen.

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