CDA steht zum Recht auf Teilzeit
Neuwied. Die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) im Kreis Neuwied kritisiert den Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) zum bevorstehenden CDU-Bundesparteitag, mit dem das gesetzlich verankerte Recht auf Teilzeit erheblich eingeschränkt werden soll.
„Der Antrag arbeitet mit Unterstellungen und trifft am Ende die Falschen: Beschäftigte in belastenden Lebenslagen, Familien und Menschen in Niedriglohnbereichen“, erklärt die CDA-Kreisvorsitzende Roswitha Gottbehüt. „Wer Teilzeit pauschal als ‚Lifestyle‘ etikettiert, verkennt die Lebensrealität vieler Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Teilzeit entstehe in der Praxis selten aus Bequemlichkeit.
„Wenn wir wirklich mehr Arbeitsstunden mobilisieren wollen, dann brauchen wir bessere Rahmenbedingungen, Anreize, die motivieren anstatt verbieten“, betont der CDA-Vorstand. Es braucht ausreichende verlässliche Kinderbetreuung, eine tragfähige Pflegeinfrastruktur und Weiterbildungsmöglichkeiten, die zur Rückkehr in Vollzeit befähigen. Teilzeit darf nicht zur Falle werden, sondern muss Teil moderner Arbeitsrealitäten bleiben.
Pressemitteilung
CDA Kreis Neuwied

Und noch ein Punkt zum MIT-Antrag: Der Antragsbestandteil ist vollkommen richtig und sinnvoll, und daher zu unterstützen, den gesetzlichen Rückkehranspruch in Vollzeit zu streichen. Wenn sich jemand für Teilzeit interessiert, aus guten Gründen, und damit leben kann (und mit den Folgen für z.B. Altersvorsorge), dann soll er den Schritt gehen. Aber mit dem Rückkehranspruch heißt das: Der Arbeitgeber muss entweder jemanden finden, der in Teilzeit die Stelle auffüllt, oder die Stelle mit weiterer Arbeit auffüllen, es produziert unterm Strich auch unnötige befristete Verträge... Ist es Aufgabe der Politik, derart rigoros in die Beschäftigungspläne der Unternehmen einzugreifen? Nein. Rückkehranspruch in Vollzeit nur bei Kindererziehung und Pflege, alles andere soll gefälligst wenigstens die Folgen der individuellen Entscheidung dann auch bitte individuell regeln. Nicht immer Papa Staat und die Steuerzahler den Hintern pudern lassen.
Wer behauptet, es wäre pauschalisiert von "Lifestyle-Teilzeit" die Rede, und den Antrag als Populismus deklariert, zeigt damit vor allem, dass er diesen Antrag überhaupt nicht gelesen hat. Die Gruppen, die jetzt mit großem Wehklagen als unter dem Antrag leidend dargestellt werden (Erziehende, Pflegende), werden nämlich ausdrücklich nicht damit eingeschlossen. Angesprochen werden diejenigen, die neben einer staatlichen Transferleistung bewusst in Teilzeit arbeiten gehen, obwohl sie ihren Lebensunterhalt auch ohne Steuermittel sicherstellen könnten. Es ist sehr wohl Aufgabe der Politik, den Teil der Bevölkerung, der diese Steuermittel erwirtschaftet, vor solchen Drückebergern zu schützen - gerade weil das eben auch das maßgebliche Fundament ist, das wir diejenigen, die wirklich staatliche soziale Unterstützung brauchen, auch ausreichend und gut unterstützen können!
Sehr gut, dass sich die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA) im Kreis Neuwied so deutlich gegen den Antrag der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) zum bevorstehenden CDU-Bundesparteitag ausspricht, den man auch als Klassenkampf von oben bezeichnen kann. Von "Lifestyle-Teilzeit" zu sprechen, ist reiner Populismus. Die Rahmenbedingungen, damit mehr als Teilzeit gearbeitet wird, bleiben nämlich völlig außen vor, und mit dem Lifestyle-Begriff wird alles dem Einzelnen angelastet. Jemanden zur Mehrarbeit zu zwingen, erhöht zwar die Anwesenheitszeit am Arbeitsplatz, Zwang führt jedoch nicht unbedingt zu Produktionsgewinn, Anreize wären sinnvoller. Der Personalmangel würde zudem größer, wenn Teilzeitarbeitende lieber ganz aufhörten als sich zum längeren Arbeiten zwingen zu lassen. In einer Demokratie ist es schließlich nicht Aufgabe der Politik, derart rigoros in den individellen Lebensbereich der Menschen einzugreifen.