Politik | 11.02.2021

Interview mit Odette Freytag, Geschäftsführerin des Hotels zur Post in Waldbreitbach

Einbußen der Mitarbeiter sind ein großes Problem

Waldbreitbach. Die Bund-Länder-Konferenz hat beschlossen den Lockdown noch einmal bis zum 7. März zu verlängern. Was das für die lokale Wirtschaft bedeutet, erläutert Odette Freytag, Geschäftsführerin des Hotels zur Post in Waldbreitbach, im Interview mit BLICK aktuell.

BLICK aktuell:Der Lockdown geht erneut in die Verlängerung. Wie beurteilen Sie die Maßnahme?

Odette Freytag: Zur Eindämmung der Pandemie und zum Schutz, insbesondere der Risikogruppen, ist der Lockdown wahrscheinlich noch nötig und besser als der stetige Wechsel von Auf und Zu. Aber wir benötigen dringend in allen Branchen eine Öffnungsperspektive und keine kurzfristigen Entscheidungen, da auch unsere Lieferanten ihr Angebot notgedrungen minimiert haben und die Lieferketten erst wieder aufgebaut und ans Laufen kommen müssen – wenn alle kurzfristig zusammen bestellen, ist ein Chaos vorprogrammiert. Perspektivisch ist es auch wichtig, gerade für den Tourismus in unserer Region, dass es auch speziell in den Benelux-Ländern keine Reisebeschränkungen mehr gibt und auch die Abstandsregeln in den Restaurants aufgehoben, zumindest aber minimiert werden.

BLICK aktuell: Wie hoch sind die finanziellen Einbußen in den letzten Monaten?

Odette Freytag: Bei den Einbußen kommen einige 10.000 Euro zusammen, welche aber zumeist von den staatlichen Hilfen kompensiert werden. Viel wichtiger sind die Einbußen unserer Mitarbeiter. Wegfall eines Teils des Lohns, Wegfall der Nacht- Sonntags- und Feiertagszuschläge, Wegfall von Trinkgeldern - gerade im Niedriglohnsektor ist das eine Katastrophe für unsere engagierten Mitarbeiter. Hinzu kommt die Unsicherheit bei der geforderten Einkommenssteuererklärung für 2020. Es ist unklar, welche Kosten noch zusätzlich auf sie zukommen werden! Hier ist dringend Handlungsbedarf bzw. hier sollten Freibeträge aus staatlicher Sicht neu überdacht werden!

BLICK aktuell: Wie steht es um die Hilfszahlungen der Politik? Kommen die an und wie hoch sind die bürokratischen Hürden?

Odette Freytag: Die Beantragung ist zeitlich gesehen eine Katastrophe und es gibt viele Unklarheiten. Wir haben die Novemberhilfen und die Hälfte der Dezemberhilfe komplett erhalten, hatten bei den Auszahlungen aber erfahrungsgemäß Glück. Andere Kollegen, Lieferanten etc. warten hierauf leider sehr lange und müssen dadurch wirtschaftlich sehr kämpfen und bangen. Gerade Klein- und Familienbetriebe stehen durch die Zahlungsverzögerungen kurz vor einer endgültigen Schließung und dem privaten Bankrott. Für unsere gesamte Region wäre dies für die touristische Entwicklung und Attraktivität eine Katastrophe und würde letztlich auch längerfristig gesehen weitere Betriebe, Lieferanten und Hersteller mit in die Insolvenzwelle schicken. Das Kurzarbeitergeld – hier ist ein Lob an die entsprechenden Stellen angebracht – kommt sehr pünktlich, immer zum 10. des Monats. Die Beantragung ist bürokratisch nicht allzu kompliziert, wobei es bei den Anmeldungen für die Überbrückungshilfen 2 + 3 schwieriger und komplizierter ist als bei den Nov. + Dez.-Hilfen. Außerdem bedeutet es einen massiven Mehraufwand für Steuerberater etc. Perspektivisch ist es erforderlich, dass für alle Empfänger eine wirkliche Sicherheit herrscht bei evtl. Rückzahlungen. Hier muss im Vorfeld klar sein wer, wie und unter welchen Bedingungen Anspruch hat und das „Damokles-Schwert“ der Rückzahlungen muss verschwinden.

BLICK aktuell: Können Sie die Umsatzausfälle kompensieren, zum Beispiel durch ein Onlineangebot?

Odette Freytag: Nein, keinesfalls. Für unseren Betrieb, mit ausschließlich angestellten Mitarbeitern und einem recht großen Kostenfaktor, ist die Überlegung eines „Außer-Haus-Angebotes“ auch wirtschaftlich gesehen absolut keine Option. Aber ich muss mich bei all unseren Gästen, egal ob aus Restaurant, Theatergäste und/oder Hotelgäste für das in den letzten Monaten entgegengebrachte Verständnis und ihre Treue und Verbundenheit, bedanken. Rückerstattungen von zum Beispiel evtl. bereits bezahlten Theaterkarten etc. wurden so gut wie nie gefordert. Wir werden diese Karten natürlich auch weiterhin einlösen und finden für jeden eine passende Alternative.

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Bertram: Das ist mittlerweile der 4. Bus der von dieser Marke vollkommen ausbrennt. Des Weiteren berichte die Rhein Zeitung darüber, dass der VREM 37. Busse der ersten Generation vorsichtshalber außer betrieb...
  • Fabian F: Nichts Neues gefühlt ein Bus pro Woche
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
Image Anzeige
Dauerauftrag 2026
Kleinanzeigen
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Titelanzeige KW 15
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten- Modernisieren
Leiter/in (w/m/d)
Anzeige Radiologie & Nuklearmedizin
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: Adobe Stock
1106

Mehrfach stach der Täter auf den Oberkörper eines Mannes ein:

13.04.: Prozess um Messerstecherei in Bad Neuenahr gestartet

Koblenz. Am heutigen Montag ist der Prozess am Landgericht Koblenz um eine Messerstecherei in Bad Neuenahr im Oktober 2025 gestartet. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 25-jährigen Angeklagten vor, versucht zu haben eine andere Person zu töten. . Es soll in einer Gaststätte zu einer zunächst verbalen Auseinandersetzung gekommen sein. Diese soll sich dann in eine körperliche Auseinandersetzung entwickelt haben.

Weiterlesen

In der hoch technisierten Werkstatt werden hochwertige Schweizer Uhren wieder von grundauf aufgearbeitet.
16

-Anzeige-Uhren Atelier Retterath

„Wir leben Nachhaltigkeit!“

Bad Neuenahr. Sie hatten schon immer ein Uhrentraummodell aus den vergangenen Jahrzehnten? Dann schauen Sie doch mal bei uns online vorbei. Wir freuen uns, Ihnen unsere Vintagemodelle auf unserer neuen Webseite vorstellen zu können.

Weiterlesen

25

Allgemeine Berichte

JHV bei Aloisiusjugend

Ahrweiler. Einladung zu der gemäß § 5 der Vereinssatzung am Freitag, den 24. April 2025, 19.00 Uhr n der Weinstube „Franz Coels“, Ahrhutstraße 13, Ahrweiler stattfindenden ahreshauptversammlung er Aloisius-Jugend Ahrweiler von 1813 e.V.

Weiterlesen

Hausmeister, bis auf Widerruf
Wir helfen im Trauerfall
Wir helfen im Trauerfall
Jörg Schweiss
Titelanzeige
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, beim Artikel Gartenmarkt/Stadt Neuwied
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Wohnträume - Wohnen & Garten im Blick
Sachbearbeiter (m/w/d)
Blütenfest
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0220#
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Rückseite
10 Jahre Bella Vita Frauenfitness
Blütenfest