Politik | 02.12.2024

Klingender Adventskalender soll Koblenzer Chöre 15.000 Euro kosten

Herber Schlag für die Koblenzer Amateurchorszene

Der Weihnachtsmarkt in Koblenz.  Foto: Archiv/HEP

Koblenz. Es ist ein herber Schlag für die Koblenzer Amateurchorszene: in diesem Jahr wird der klingende Adventskalender auf dem Koblenzer Weihnachtsmarkt ausfallen. Der Grund: Für jeden der 13 geplanten, jeweils halbstündigen Chorauftritte kämen auf den Kreis-Chorverband GEMA-Gebühren von über 1.200 Euro zu, in Summe mehr als 15.000 Euro. Denn anders als in der Vergangenheit legt die GEMA nun den pauschalen „‚Weihnachtsmarkt-Tarif‘ – U-ST für Veranstaltungen im Freien“ zugrunde.

Die geplanten Auftrittszeiten zum Koblenzer Adventskalender waren bereits auf der Seite der Koblenzer Weihnachtsmärkte einsehbar. Doch dazu wird es in diesem Jahr nicht kommen. Stattdessen wird am 3. Dezember, dem ersten Tag des klingenden Adventskalenders, ein schweigender Chor auf der Bühne am Josef-Görres-Platz stehen.

„Eine Videokonferenz am vergangenen Freitag sorgte für finale Ernüchterung“, äußert sich Tobias Hellmann, Vizepräsident des Chorverbandes Rheinland-Pfalz enttäuscht. „Bis zuletzt wurde versucht, die GEMA zum Einlenken zu bewegen – vergeblich.“ Kaum nachvollziehbar für alle ist die Tatsache, dass es in dem Bemessungstarif U-ST für die GEMA keinen Unterschied macht, ob bei den Auftritten eine halbe Stunde gesungen wird oder zehn.

Der Vorsitzende des Kreis-Chorverbands Koblenz, Dietmar Weidenfeller dazu: „Der klingende Adventskalender war nie Selbstzweck für die teilnehmenden Chöre. Ihr Auftritt war stets unentgeltlich. Die Chormitglieder investieren Zeit und auch Reisekosten aus eigener Tasche, um den klingenden Adventskalender an 13 Tagen in der Vorweihnachtszeit mit Klang und Leben zu füllen. Im Rahmen der Auftritte wurden stets Spendengelder für wohltätige Zwecke gesammelt. Davon erhielten die Chöre und ihre Aktiven keinen Cent. In diesem Jahr fallen somit nicht nur Spendengelder für den Kinderschutzbund in Koblenz weg, sondern auch ein wesentlicher Teil der weihnachtlichen Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt in Koblenz. Die GEMA hat dem ganzen durch ihr Abrechnungsverhalten offensichtlich einen Bärendienst erwiesen.“

Der Weihnachtsmarkt in Koblenz ist bei weitem kein Einzelfall. Aufgrund der GEMA-Kosten wird beispielsweise auch in Trier an lediglich zwei Markttagen Live-Musik zu hören sein – und dort größtenteils mit Repertoire, das „GEMA-frei“ ist.

Für Chöre, Orchester, Bands und Nachwuchskünstler fällt damit eine wichtige Möglichkeit weg, sich einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. „Ganz offenbar wird dies von der GEMA billigend in Kauf genommen“, stellt Hellmann verärgert fest. Natürlich sei es möglich, einen Auftritt vollständig mit einem Repertoire zu gestalten, das nicht GEMA-pflichtig sei. „Dabei reden wir von Kompositionen und Bearbeitungen, deren Urheber seit mehr als 70 Jahren tot oder die nicht Mitglied der GEMA sind.“ Dies gehe aber an der gelebten Aufführungspraxis und den Repertoires der Chöre vorbei.

Schwer erträglich, so Hellmann, sei zudem die Behandlung der Livemusik auf Weihnachtsmärkten im Vergleich zur „Berieselung“ aus Lautsprechern. Lege man die von den Chören mit zwei Lautsprechern beschallte Fläche zugrunde, würden gerade einmal 47 Euro fällig. Denn dort spielt weder die Größe der Lautsprecher noch die Größe des Veranstaltungsortes eine Rolle.

„Als Verband werden wir Wege suchen und finden müssen, um eine praxisgerechte Anpassung der Tarife zu bewirken. Dazu ist der Schulterschluss mit anderen Verbänden sowie vor allem der betroffenen Musikschaffenden wichtig.“ Denn insbesondere die Mehrzahl der Chorkomponisten sei – durch die Einstufungspraxis der GEMA – ohnehin nicht auf Rosen gebettet. „Die Komponisten und Arrangeure sind von der GEMA-Praxis unmittelbar betroffen – denn ohne Aufführungen, keine Tantiemen“, erläutert der Vizepräsident. Dabei sieht Hellmann auch die Politik in der Pflicht: „Die GEMA hat in Deutschland eine Monopolstellung. Gleichzeitig genießt sie durch den staatlich verliehenen Status eines wirtschaftlichen Vereins enorme Privilegien. Das oft gehörte Mantra, die Politik sei hier machtlos, könne daher nicht einfach so stehenbleiben.“

Pressemitteilung Chorverband Rheinland-Pfalz

Der Weihnachtsmarkt in Koblenz. Foto: Archiv/HEP

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
03.12.202417:03 Uhr
Herbert .L

Das ist krank, einfach nur krank!

Neueste Artikel-Kommentare
  • Boomerang : Wenn man sich so intensiv um verarmte Kinder oder alte Menschen kümmern würde....
  • Tanja Busch : Ich kaufe am liebsten nachhaltig und finde es mehr als schade, dass Inpetto schließen musste. Es war immer ein Erlebnis dort einzukaufen und ich würde mir wünschen, dass sich ein neuer Platz in Bendorf anbietet für Second Hand Ware.

Illegale Müllentsorgung sorgt erneut für Ärger

  • Heuschrecke: Das ist leider nicht nur in Kesselheim es sieht leider überall an den Container so aus
  • Boomerang : Schlimme Zustände. Allerdings wird da anscheinend auch nicht oft genug geleert. Und der Wertstoffhof war zwischen den Jahren komplett zu.
Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Dauerauftrag 2026
Stellenausschreibung "Sachbearbeiterin" - Auftraggeber Regina Elsting
Stellenanzeige SB Straßenreinigung
Unternehmen erfolgreich regional
Seniorensitzung der Stadtsoldaten
Danksagung Familie Dietenhofer
Rg.adresse:  BEST gGmbH Mainzer Str. 8 56154 Boppard
Stellenanzeige Stellv. Fachbereichsleiter Bauen und Umwelt
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Sonderseite Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Gesundheitsexperten Bad Neuenahr-Ahrweiler
Helfende Hände gesucht
Anzeigenauftrag #PR111825-2026-0002#
Hausmeister, bis auf Widerruf
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Innovatives aus der VG Weißenthurm
Unternehmen erfolgreich
Handwerker für Hausmeistertätigkeiten
Titelanzeige (Januar)
Seniorensitzung der Stadtsoldaten
Nachruf Kurth
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#
Anzeigenauftrag #PR106350-2026-0020#