Politik | 12.01.2022, 08:45 Uhr

Projektstart: Freiwillige suchen „impfferne“ Gruppen auf und versuchen, sie zu überzeugen

Impflotsen legen los im Kreis Neuwied

Freuen sich auf den Start des Impflotsen-Projektes – in Puderbach und im gesamten Kreis Neuwied: (von links) Puderbachs Bürgermeister Volker Mendel, Koordinatorin Rita Hoffmann-Roth vom Gesundheitsamt des Kreises, Impflotse Karl Hauck und Landrat Achim Hallerbach.Foto: Kreisverwaltung
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Kreis Neuwied. Fast 85 Prozent der erwachsenen Deutschen sind mittlerweile geimpft. Klingt gut, reicht aber zur Bewältigung der Pandemie noch nicht. Denn auf der anderen Seite heißt das eben, dass noch rund 10 Millionen Menschen über 18 Jahre in diesem Land ungeschützt sind. „Die vehementen Impfgegner machen davon nur einen Teil aus. Diese kleine, sehr laute Minderheit werden wir auch mit rationalen, wissenschaftlich belegten Argumenten kaum mehr erreichen. Aber es gibt auch noch reichlich Menschen, die wir mit der richtigen Ansprache überzeugen können“, ist Landrat Achim Hallerbach sicher. Er freut sich daher, dass im Kreis Neuwied jetzt das vom Land unterstützte Projekt „Impflotsen“ an den Start geht.

„Die Impflotsen sollen Türöffner und Brückenbauer sein, die in einfacher Sprache Wissen vermitteln, bekannte Falschaussagen entkräften und damit das Vertrauen in die Impfungen schützen“, fasst Koordinatorin Rita Hoffmann-Roth vom Neuwieder Gesundheitsamt zusammen. „Niedrigschwellig und wohnortnah“ lauten die Stichworte. Die Freiwilligen werden in diesem Sinne in der Stadt Neuwied und den sieben Verbandsgemeinden aktiv Menschen aufsuchen, die als „eher impffern“ eingeschätzt werden. Das können jüngere Menschen sein, die aufgrund ihres Gesundheitszustandes glauben, keinen Schutz zu benötigen, aber auch Menschen mit religiösen Vorbehalten oder geringen Deutschkenntnissen, bildungsferne Gruppen und Arbeitslose, die keinen Druck durch tägliche Testungen für die Arbeit haben. „Unsere Lotsen sind Menschen, die gut auf andere zugehen können, kultursensibel sind und bestenfalls sogar in der jeweiligen Zielgruppe bekannt sind und die Sprache sprechen“, erklärt Hoffmann-Roth weiter.

Um ihren Aufgaben gerecht zu werden, sind sie seit Mitte Dezember in speziell konzipierten Schulungen vorbereitet worden, um Fehlmeinungen und Falschaussagen mit Faktenwissen entkräften zu können. Die Landeszentrale für Gesundheitsförderung hatte drei Module entwickelt, in denen medizinisches Basiswissen zu Impfungen unterrichtet sowie Gesprächsführung und der Umgang mit verbreiteten Vorurteilen trainiert wurden. Weitere, vertiefende Schulungsbausteine sollen folgen und dafür sorgen, dass auch neu auftretende Fragen fachkundig beantwortet werden können. Außerdem ist ein Flyer erstellt worden mit wichtigen Informationen und einem QR-Code, der direkt auf die Internetseite der Kreisverwaltung führt, auf der sämtliche Impfangebote aufgeführt sind. Und davon gibt es gerade im Kreis Neuwied mittlerweile zahlreiche.

„Nur durch direkte Gespräche kann man Ängste nehmen und Menschen überzeugen. Wir wollen da keinen Versuch unterlassen“, begrüßt auch Puderbachs Bürgermeister Volker Mendel das neue Projekt „außerordentlich“. Karl Hauck aus dem Puderbacher Ordnungsamt ist einer derjenigen, die künftig als Lotsen Menschen für eine Impfung gewinnen wollen. Die örtliche Tafel und verschiedene Teststationen, an denen sich Menschen für die Arbeit freitesten, will er zunächst gemeinsam mit seinem Kollegen Achim Krokowski vom Diakonischen Werk ansteuern, „um den Menschen klarzumachen, dass die Impfungen Verbesserungen für ihr Leben bringen. Auch die Verordnung ist nicht dafür da, alles zu verbieten, sondern zu ermöglichen, dass man etwas machen kann“, weiß er. Und klar ist allen Beteiligten auch, dass die Pandemie insgesamt nur besiegt werden kann, wenn die Impflücke möglichst schnell und möglichst weit geschlossen wird. „Daran wollen wir arbeiten“, macht Hauck deutlich.

Alle Impfangebote im Kreis Neuwied finden Sie unter: https://bit.ly/impfen-neuwied

Das „Impflotsen“-Projekt im Kreis Neuwied wird vom rheinland-pfälzischen Gesundheitsministerium mit 10.000 Euro gefördert.

Pressemitteilung

Kreisverwaltung Neuwied

Freuen sich auf den Start des Impflotsen-Projektes – in Puderbach und im gesamten Kreis Neuwied: (von links) Puderbachs Bürgermeister Volker Mendel, Koordinatorin Rita Hoffmann-Roth vom Gesundheitsamt des Kreises, Impflotse Karl Hauck und Landrat Achim Hallerbach.Foto: Kreisverwaltung

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