Politik | 31.01.2025

SPD-Ortsvereine Kalenborn und Mittelahr

Nie wieder ist jetzt

Dernau. Auf Einladung der SPD-Ortsvereine Kalenborn und Mittelahr versammelten sich zum vierten Mal in Folge am 27. Januar 2025, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust, knapp 30 Gäste auf dem Jüdischen Friedhof in Dernau. Sie erinnerten an die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee vor 80 Jahren. Im Lager befanden sich zu diesem Zeitpunkt noch rund 7.000 Menschen. Im Zeitraum vom März 1942 bis Januar 1945 wurden dort mehr als eine Million Menschen ermordet, vor allem Jüdinnen und Juden. Auschwitz wurde zum Symbol für die aus mörderischem Rassenwahn begangenen Verbrechen der Nationalsozialisten.

In ihrer Begrüßungsansprache wandte sich Dr. Sigrid Dehmelt gegen das immer wieder zu hörende Ansinnen, einen „Schlussstrich“ unter dieses Kapitel der deutschen Geschichte zu ziehen. Sie betonte, dass das Erinnern nicht nur dem Gedenken der Opfer dient, sondern uns auch Verantwortung für die Zukunft auferlegt, damit ein derartiges Menschheitsverbrechen nie wieder geschieht. Angesichts aktueller Herausforderungen unterstrichen Frau Kashdan und Herr Abayev von der jüdischen Kultusgemeinde Koblenz diese Mahnung. Sie erinnerten an das Leid der Opfer und das der Überlebenden und ihrer Nachkommen. Und sie sprachen die Hoffnung aus, dass Antisemitismus und Rassismus überwunden werden, um eine Gesellschaft gegenseitigen Respekts zu schaffen.

Wie jedes Mal ließ Heimatforscher Matthias Bertram jüdisches Lebens im Ahrtal lebendig werden. Diesmal schilderte er am Beispiel der Schicksale einzelner Mitglieder der weit verzweigten Familie Schweitzer Entrechtung und Ausgrenzung, Vertreibung und Flucht sowie Deportation und Ermordung der Jüdinnen und Juden in der Zeit des nationalsozialistischen Terrorregimes.

In den Mittelpunkt stellte er das Leben der Familie Karl und Rosa Schweitzer. Ursprünglich wohnhaft in Dernau zogen sie als einzige jüdische Familie nach Altenahr an den Roßberg und bauten sich dort 1911 ein Haus mit einer Metzgerei. Ihre sechs Kinder besuchten die Katholische Volksschule Altenahr. Karl Schweitzer hatte im ersten Weltkrieg in der kaiserlichen Armee gedient. Die Familie galt als angesehen. 1936 wurde die Metzgerei durch die Nazis geschlossen. Schweitzers verkauften ihre Metzgerei und zogen im Jahr darauf nach Köln in der Hoffnung, dort in der Anonymität der Großstadt untertauchen zu können. Karl und Rosa Schweitzer hatten leider verpasst rechtzeitig einen Ausreiseschein zu beantragen, weil sie sich nicht vorstellen konnten, was passieren würde. Ihre Kinder konnten noch rechtzeitig u.a. nach England ausreisen. Im Dezember 1941 wurden Karl und Rosa Schweitzer nach Riga deportiert. Enkel Charles fand bei einem Besuch in den Todeswäldern von Riga einen Grab-/Gedenkstein mit dem Ortsnamen „Altenahr“. Allerdings gab es auch die Aussage des Sohnes Leo, dass seine Mutter noch vor dem Abtransport aus Köln an Herzversagen gestorben sei. Von anderer Stelle konnte dies nicht bestätigt werden. So der spannende Bericht von Herrn Bertram, der von Daniel Mies ergänzt werden konnte. Sein Urgroßvater hatte bei der jüdischen Familie Schweitzer als Metzger gelernt und gearbeitet.

„Die Kinder von Izieu“, Reinhard Meys Lied von 1994, als Text vorgelesen von Dr. Renate Strauch, wurde zur erschütternden Anklage der nationalsozialistischen Verbrechen. Den Abschluss bildete ein von Herrn Abayev gesungenes Gebet, mit dem an die Opfer des Holocaust erinnert wurde. Wie in den vergangenen Jahren stellten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung an den Grabsteinen auf dem Jüdischen Friedhof Grablichter auf – auch das ein Zeichen gegen das Vergessen und Ausdruck der Hoffnung auf eine Gesellschaft ohne Hass, Rassismus und Antisemitismus.

Pressemitteilung

der SPD-Ortsvereine

Kalenborn und Mittelahr

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