Süßwarenhersteller Haribo gibt Probleme zu

Produktionsschwierigkeiten, Lieferengpässe und neue Führungsstruktur

Mittlerweile sollen die Probleme allerdings weitestgehend behoben sein – Einführung eines neuen Softwaresystems war für die Anlaufschwierigkeiten verantwortlich

21.01.2019 - 16:27

Grafschaft. Mit erheblichen Produktionsproblemen und Lieferengpässen hatte der Süßwarenhersteller Haribo Ende vergangenen Jahres zu kämpfen. Nach dem Umzug der Firmenzentrale aus Bonn-Kessenich in den Innovationspark Rheinland in der Gemeinde Grafschaft hat die Umstellung des gesamten Unternehmens auf neue Software für einigen Unmut gesorgt.


Erst im Oktober hatte Haribo im Innovationspark Rheinland nicht nur die angeblich technologisch fortschrittlichsten Produktionsstraßen der Welt im Süßwarenbereich in Betrieb genommen, sondern auch noch das zentrale Logistikzentrum für Deutschland, die Beneluxstaaten und Teile von Frankreich. Seither werden dort auf drei Stockwerken mit jeweils 240 Metern Länge, rund 40 Metern Breite und einer Nutzfläche von insgesamt 50.000 Quadratmetern jede Menge Goldbären und ähnliches Naschwerk produziert. Das alles landet anschließend im 45 Meter hohen Hochregallager und wird dort auf bis zu 100.000 Paletten gelagert und für den Transport an den Bestimmungsort vorbereitet. Auch die Produktion einiger anderer Haribo-Standorte wird hier zentral verteilt.


Anlaufschwierigkeiten größer als erwartet


48 Verladerampen für Lastwagen sollen dafür sorgen, dass die Goldbären und Lakritzschnecken schnell und reibungslos von der Grafschaft aus an den Großhandel und in die Einzelhandelsgeschäfte in Deutschland, Frankreich und den Beneluxstaaten geliefert werden. Soweit die Theorie. Doch in der Praxis sah es in den ersten Monaten nach Produktionsbeginn etwas anders aus. Denn die Einführung eines komplett neuen Softwaresystems für den Süßwaren-Weltmarktführer hatte zu größeren Schwierigkeiten als erwartet geführt. Unternehmenssprecherin Sarah Honsalek gab gegenüber dem „BLICK aktuell“ zu: „Haribo hat im vergangenen Jahr als eines der ersten Unternehmen SAP S/4 HANA-Applikationen mit allen Funktionsbereichen eingeführt. Es ist richtig, dass diese SAP-Einführung bei Haribo in verschiedenen Bereichen mit Anlaufschwierigkeiten und Lieferengpässen einherging.“

Mit Anlaufschwierigkeiten in einem gewissen Umfang habe man bei einem so einschneidenden Projekt natürlich vorab gerechnet. „Die Lieferschwierigkeiten waren jedoch zugegebenermaßen größer als vorher geplant“, so Honsalek weiter. Das gesamte Unternehmen habe jedoch an einem Strang gezogen und gemeinsam mit Hochdruck an Lösungen gearbeitet. Die aktuelle Lieferquote habe sich stark verbessert, und man habe schon jetzt für den Großteil der Produkte nahezu das Ausgangsniveau erreicht.


Deutlicher Umsatzrückgang in fast allen Bereichen


Problematisch waren diese Anlaufschwierigkeiten auch deshalb, weil Haribo ohnehin mit einem deutlichen Umsatzrückgang zu kämpfen hatte. Das räumte auch Sprecherin Honsalek gegenüber dem „BLICK aktuell“ ein: „Tatsächlich ist es so, dass 2018 bei fast allen Süßwaren-Kategorien ein Nachfragerückgang bestand, und dies nicht nur für Haribo-Produkte.“ Konkrete Zahlen nannte sie allerdings nicht. In verschiedenen Medien war zuvor von einem Umsatzrückgang von bis zu 25 Prozent die Rede, was vor allem das Traditionsprodukt „Goldbären“ betroffen habe. Möglicherweise habe man sich zu sehr auf margenschwache Nischenprodukte konzentriert und das margenstarke Kerngeschäft darüber ein wenig vernachlässigt, so war zu hören. Doch diese Probleme habe man mittlerweile im Griff, heißt es aus der Haribo-Zentrale in der Grafschaft.

Wenn es einmal kriselt, ist die nächste Baustelle nicht weit. So gab es zu allem Überfluss auch noch Probleme mit dem neuen Verpackungsgesetz in der Form, dass die Verpackungstüten der Haribo-Produkte bislang nicht recycelbar gewesen sein sollen. Doch das weist Sarah Honsalek entschieden zurück: „Mit etwa 95 Prozent ist der Großteil unserer Haribo- und Maoam-Verpackungen bereits heute recyclefähig. Die Recyclefähigkeit wurde von einem unabhängigen Institut bestätigt. Gerade beim Produkt Goldbären liegen wir sogar bei etwa 99 Prozent. Wir arbeiten kontinuierlich und zukunftsgerichtet an möglichen Verpackungsalternativen, um die Recyclingquote unserer Verpackungen noch weiter zu optimieren.“


Führungsebene wird neu aufgestellt


Das neue Verpackungsgesetz enthalte ohnehin keine Verpflichtung, nur noch recyclingfähige Verpackungen in Verkehr zu bringen. Richtig sei zwar, dass das Verpackungsgesetz darauf abziele, die Recycling-Quote zu erhöhen. Dies soll jedoch durch entsprechende Verpflichtungen der Dualen Systeme und durch eine Erhöhung der Lizenzentgelte für nicht recyclefähige Verpackungen erreicht werden. „Ein Verbot für nicht recyclefähige Verpackungen sieht das Gesetz hingegen nicht vor“, so Honsalek.

Möglich, dass diese unerfreuliche Gemengelage dazu geführt hat, dass Haribo zum Jahresbeginn noch einmal die Führungsebene der Holding neu aufstellt. Mitinhaber Hans Guido Riegel bleibt in der dreiköpfigen Geschäftsführung für Produktion und Technik zuständig. Neuer Marketing- und Vertriebschef der Haribo-Holding ist Herwig Vennekens. Ab dem 1. Februar wird die von Riegel, Vennekens und Finanzchef Michael Phiesel geführte Haribo Holding darüber hinaus von elf Bereichsleitern unterstützt.


Ein neues Werk in Amerika entsteht


Direkt an Hans Guido Riegel berichtet Arndt Rüsges in seiner neu geschaffenen Position als „Leiter Produktion International“. Er ist zudem für den Aufbau des ersten Werks in den USA zuständig, hatte Rüsges doch schon den Neubau der Haribo-Zentrale im Innovationspark Rheinland in der Grafschaft federführend verantwortet und damit seine Eignung unter Beweis gestellt. Haribo hatte im März 2017 angekündigt, 242 Millionen Dollar in das US-Werk mit rund 400 Arbeitsplätzen am Standort Pleasant Prairie im Landkreis Kenosha im Südosten von Wisconsin zu stecken. Die Produktion soll dort 2020 starten. Bislang existieren schon 17 Haribo-Fertigungsstätten in Europa, unter anderem in Frankreich, Spanien, Großbritannien und Italien. Dort werden im Schnitt 100 Millionen Gummibärchen pro Tag hergestellt.

Außerdem übernimmt Jens-Karsten Träncker neben dem Qualitätsmanagement die Bereiche „Corporate Responsibility“ sowie „Rezepturen & Entwicklung“. Marketingchef Herwig Vennekens zugeordnet ist jetzt Andreas Kuhnle als Leiter „Marketing International“. Vorgänger Vincenzo Blando soll weiterführende Tätigkeiten innerhalb der Haribo-Gruppe aufnehmen, wie das „Manager Magazin“ mit Bezug auf interne Informationen berichtet. Sven Franzen steigt demnach auch zum Leiter Unternehmensentwicklung auf, diese Position wurde ebenfalls neu geschaffen.


7000 Menschen weltweit arbeiten für Haribo


Unterhalb von Finanzchef Michael Phiesel soll Klaus Cannivé Leiter der Rechtsabteilung werden. Verabschiedet hat sich mittlerweile auch Kommunikationschef Sven Jacobsen nach vier Jahren im Unternehmen. Ihm war es Insidern zufolge gelungen, den scheuen Mitinhaber Hans Guido Riegel zu bewegen, stärker Flagge zu zeigen und das Unternehmen zaghaft zu öffnen. Riegel sei in seinen ersten Jahren als Chef für seine Untergebenen nahezu unsichtbar gewesen, heute hingegen könnten sich Mitarbeiter sogar für einen Frühstückstermin mit ihm anmelden, berichtet das „Manager Magazin“.

Insgesamt beschäftige Haribo weltweit rund 7000 Mitarbeiter, 3000 davon in Deutschland. Sollten irgendwann einmal alle vier möglichen Produktionsstraßen im Innovationspark Rheinland verwirklicht werden, können hier mehr als 2000 Menschen Arbeit finden. JOST

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Theobold aus dem schönen Miesenheim:
Herr Esser, ich muß Ihnen einmal den Spiegel vorhalten, vielleicht erkennen Sie dann Ihr eigenes Treiben. Ihre wahre politische Einstellung lassen Sie heute zum Beispiel wieder mit äußerst zweifelhaften Aussagen in „Ihrem“ Facebook Acount Mariss Tiner (nur Ihr Profilbild verrät sie, warum übrigens...
juergen mueller:
Ich gehe einmal davon aus, dass Herr S.Schmidt ein Sympathisant oder sogar Mitglied der AfD ist, worauf man aus seinen Kommentaren schließen könnte, da er genau die Wortwahl benutzt, wie sie sich die AfD zu eigen macht. Ihm steht natürlich, sollte dies auch nicht der Fall sein zu, seine Meinung, wie...
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Sehr geehrter Herr S.Schmidt (oder wer immer sich hinter diesem Namen verbirgt), die Wortwahl „diffamierend“ wird doch gerade von dieser „Partei“ inflationär bewußt genutzt. Haben Sie die Pressemitteilung nicht gelesen? Auf alle Fälle sind mittlerweile die sogenannten „Spaziergänge“ auch in Andernach...
Gabriele Friedrich:
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