Politik | 19.02.2024

Kundgebung in Unkel

Über 400 Bürger gingen für Demokratie und Weltoffenheit auf die Straße

400 bis 500 Menschen drängten sich bei der Kundgebung auf dem Unkeler Willy-Brandt-Platz und den angrenzenden Straßen.  Fotos: AWi

Unkel. Das Bündnis „Kulturstadt Unkel gegen Rechts“ hat am 18. Februar um 17 Uhr nicht nur Unkeler Bürger auf die Straße „gelockt“. Zwischen 400 und 500 Bürger aus Unkel und Umgebung, darunter auch etliche Politiker aus Nachbargemeinden, folgten dem Aufruf des Bündnisses aus 27 Parteien, Vereinen Institutionen und Verbänden, um am Sonntagabend ein Zeichen gegen Rassismus, Ausgrenzung und Rechtsextremismus zu setzen. Eineinhalb Stunden drängten sich die Menschen auf dem Unkeler Willy-Brandt-Platz und hörten den Rednern zu, unterbrachen oft mit lautem Beifall.

Reden und Appelle gegen Demokratieangriffe der AfD

Nicole Hahn, SPD-Ortsvorsitzende in Unkel und eine der Hauptorganisatoren der Kundgebung, begrüßte die Teilnehmer und bedankte sich für das zahlreiche Erscheinen. Danach machte Jörg Scheinpflug, erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Unkel und Vertreter des verhinderten Verbandsbürgermeisters Karsten Fehr, in seiner Rede u.a. deutlich, dass bei Angriffen rechtsradikaler Brandstifter die Bürger vor Ort aufgerufen seien, deutlich aufzubegehren.

In einer emotionalen Rede hob Stadtbürgermeister Gerhard Hausen u.a. hervor: „Wir beziehen Stellung für Demokratie und Vielfalt. Wir sind Demokratie und wollen es bleiben!“ Er appellierte, sich den Herausforderungen inhaltlich zu stellen und so die AfD überflüssig zu machen. Denn deren etwa 18 Prozent bundesdurchschnittliche Zustimmungswerte in Umfragen rief das Bündnis ebenso auf den Plan wie der Umstand, dass die AfD als Verdachtsfall vom Verfassungsschutz eingestuft wird und deren Jugendorganisation als gesichert rechtsextrem, sowie die öffentlich gewordenen umfassenden Remigrationsideen der AfD.

Dem eigenen Schlachter nicht das Beil in die Hand legen

Martin Diedenhofen, Mitglied des Bundestages der SPD, machte in seiner Ansprache deutlich, dass bei aller verständlicher oder auch berechtigter Kritik an Politik es keine Option sei, „dem eigenen Schlachter auch noch das Beil in die Hand zu geben“. Er berichtete aus seiner Erfahrung im Bundestag, dass die Reden der AfD dort nicht an die Sache oder das Parlament gerichtet seien, sondern ausgerichtet auf anschließende Verwertung geeigneter polemischer Aussagen und Redeauszüge für Videoschnipsel in den sozialen Medien.

Ein Umstand, den die nachfolgende Rednerin, Ellen Demuth, CDU-Landtagsabgeordnete, bestätigte. Sie berichtete darüber hinaus von einer Gedenkveranstaltung mit Nachkommen von Holocaustbetroffenen im Landtag, an deren Ende die AfD-Abgeordneten nicht aufstanden und applaudierten und – als einer aus ihren Reihen doch begann zu klatschen, dieser mit der Aussage „Wir klatschen nicht“ von eigenen Parteikollegen daran gehindert worden sei. „Wenn die Wähler der AfD wüssten, was sie da ins Landesparlament gewählt haben – die arbeiten nur mit Angst“, ergänzte Demuth. Sie appellierte, unbedingt zur Wahl zu gehen und eine demokratische Partei zu wählen, forderte auf, sich politisch oder zumindest projektbezogen zu engagieren und auf die, die heute hier nicht bei der Kundgebung seien, zuzugehen, denn Demokraten blieben im Gespräch.

Nicht zu Unmenschen verbiegen lassen

Michael Busch, Pfarrer für Rheinbreitbach und Unkel der Trinitatisgemeinde, der ausdrücklich auch im Namen der katholischen Kirche sprach, fasste aus christlicher Sicht zusammen: „Wir sind hier, weil wir Menschen sind, bleiben wollen und uns nicht zu Unmenschen verbiegen lassen wollen“. Er appellierte, an diesem Ziel auch über die Kundgebung hinaus „dranzubleiben.“

Geflüchtete haben Angst, vertrieben zu werden

Riad Alhamad, ein Gründungsmitglied des Vereins Gemeinsam für Vielfalt e.V. Unkel, ist mit etlichen geflüchteten Menschen, u.a. aus Burkina Faso und Afghanistan, zur Kundgebung gekommen. Der Jurist ist 2015 mit seiner Frau aus dem syrischen Aleppo vor dem Krieg geflohen. Er hat inzwischen zwei in Deutschland geborene Kinder, hat bei der Deutschen Post DHL als Zusteller gearbeitet und macht dort nun eine Fortbildung zum Personalsachbearbeiter. Er sorgte sich in seiner Rede: „Wir haben unsere Heimat nicht gerne verlassen, aber wir sind froh, jetzt hier in Frieden zu leben. Wenn die Faschisten an die Macht kommen, werden wir vertrieben. Sie schüren Hass auf und Angst vor uns.“ Er hatte eine verblüffend einfache Lösung parat: „Tut Euch mit den Menschen zusammen, gegen die sie Euch aufhetzen wollen.“

Die durchgehend friedliche Kundgebung, die nach Aussage der Polizei vor Ort ohne Zwischenfälle verlief, fand ein musikalisches Ende: Teilnehmer auf dem Platz sangen mit den Protagonisten auf der Bühne zwei Verse der Europahymne „Ode an die Freude“, deren zweiter Vers etwas abgewandelt wurde, dessen erster Satz aber das Kundgebungsgeschehen in Unkel gut zusammenfasste: „Alle Menschen werden Brüder oder Schwestern hier im Land, stehen fest und gehen zusammen, miteinander Hand in Hand.“

Etliche Schilder ragten aus der Menge und machten plakativ deutlich, worum es ihren Trägern ging.

Etliche Schilder ragten aus der Menge und machten plakativ deutlich, worum es ihren Trägern ging.

400 bis 500 Menschen drängten sich bei der Kundgebung auf dem Unkeler Willy-Brandt-Platz und den angrenzenden Straßen. Fotos: AWi

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Kommentare
20.02.202420:33 Uhr
Joachim Tombrink

Die Veranstaltung und die Redner trafen genau den Punkt. Auch und gerade auf dem Land müssen wir uns gegen Antidemokraten wehren. Wir in der VG Unkel können froh sein das es uns immer wieder gelingt im Dialog zu bleiben und gute Kompromisse zu finden. Gleichzeitig denke ich an einen Spruch am Deutschen Haus in meiner Heimatstadt, den Wilhelm Kaisen 1955 initiierte: „Gedenke der Brüder, die das Schicksal unserer Trennung tragen!“ Es gibt wieder eine Partei die die Spaltung der Gesellschaft betreibt. Es gibt Landstriche in unserem Land wo es wegen dieser Teilung nicht mehr möglich ist auf die Straße zu gehen und dagegen zu demonstrieren. Es ist hier in Unkel noch einfach, da man nicht mit Repressionen von Nazis rechnen muss. Anderswo sehr wohl. Deshalb ist der Protest überall so wichtig. Auch für die Menschen die jetzt schon unter den Nazis leiden müssen. Nie wieder ist jetzt.

20.02.202407:57 Uhr
Amir Samed

Die neue Massenbewegung gegen den vermeintlichen Faschismus ist Balsam für die von Bauernprotesten und Negativumfragen heimgesuchte Ampel-Regierung. An ihrem Versagen sind ab sofort andere schuld.

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