Allgemeine Berichte | 20.05.2026

Neue Wohnkonzepte im Ahrtal

Gemeinschaftliche und klimafreundliche Wohnprojekte im Ahrtal fördern

Remagen. Neue Wohnkonzepte - Möglichkeiten und Potenziale für das Ahrtal. Am 29.04.2026 wurden vielfältige Ideen zu neuen Wohnkonzepten als Teil des Wiederaufbaus gesammelt und diskutiert.

Der Workshop „Gemeinschaftliche und Klimafreundliche Wohnprojekt“ des Bonner Forschungsprojekts SOZIAHR fand halbtägig in den Räumlichkeiten der Hochschule Koblenz am Standort Remagen statt. Teilgenommen haben unter anderem Personen, die an der Planung neuer Projekte beteiligt sind, beispielsweise von Zweig e.V. und Gemeinschaftlich Wohnen Remagen e.V., sowie Vertreterinnen und Vertreter von der Kreisverwaltung Ahrweiler sowie der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB).

Nach Eröffnung der Veranstaltung durch Susanne Bell und Lothar Kirschbauer folgte ein kurzer Impuls-Vortrag zu verschiedenen gemeinschaftlichen Wohnformen durch Hans-Dieter Villmow von der Landesarbeitsgemeinschaft Gemeinschaftliches Wohnen Rheinland-Pfalz. Als zweiter Referent hielt Frank Renkewitz vom Wohnsinn Aachen e.V. einen Best-Practise-Vortrag über ein dort realisiertes Wohnprojekt mit 24 Miets-Parteien. Dabei machte er deutlich, dass soziale, ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit sich keineswegs ausschließen, sondern vielmehr ergänzen. Er betonte, dass Wohnen und Mobilität zusammengedacht werden sollten, bspw. durch gemeinsames Carsharing, und hatte zahlreiche Tipps dabei, wie man rechtliche und finanzielle Hürden überwinden kann. Im zweiten Teil der Veranstaltung ordneten sich alle Teilnehmenden jeweils einer von vier Kleingruppen für die intensive Arbeit zu einem der folgenden thematischen Teilbereiche zu:

• Gemeinschaftliche Wohnprojekte (ohne besondere Voraussetzungen)

• Mehrgenerationenprojekt

• Betreute Wohnkonzepte/Wohn-Pflege-Gemeinschaften

• Sozialer Wohnungsbau/Geförderter Wohnraum

Dabei wurden jeweils zwei Leitfragen bearbeitet:

1. Welches Potential bergen diese Wohnkonzepte speziell fürs Ahrtal und im Kontext des Wiederaufbaus?

2. Wie kann man die Ausweitung von gemeinschaftlichen und klimafreundlichen Wohnprojekten im Ahrtal fördern? Was müsste sich ändern?

Für die Gruppe „Gemeinschaftliche Wohnprojekte“ ist ein zentrales Ziel solcher Projekte, Alterseinsamkeit entgegenzuwirken. Sie halten eine konkrete Bedarfsanalyse und Aufgabenverteilung der Beteiligten für notwendig und identifizierten die Finanzierung und das Finden passender Flächen als besondere Herausforderung.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam auch die Gruppe „Mehrgenerationenprojekte“, welche zusätzlich auf den Übergang zwischen Renteneintritt und Pflegebedürftigkeit als Lücke hinweist, welche durch solche Projekte geschlossen werden könnte. Beide Gruppen nannten positiv Beispiele als Vorbilder und plädieren für proaktive Herangehensweisen und die Öffnung und Förderung von Gestaltungsräumen und Netzwerken.

Die Gruppe „Betreute Wohnkonzepte“ machte auf die durch die Flut entstandenen Freiflächen aufmerksam, welche nutzbar für neue Wohnformen gemacht werden könnten. Für die Umsetzung sei es essentiell, passende Fördermöglichkeiten zu finden. Insbesondere wurde der Wunsch geäußert, solche Projekte stärker durch die Kommunen zu unterstützen. Es wurde auch die Idee entwickelt, Pflegegemeinschaften mit betreutem Wohnen zu kombinieren.

Die vierte Gruppe hatte sich von „sozialer Wohnungsbau“ zu „geförderter Wohnungsbau“ umbenannt, damit der Titel weniger abschreckend erscheint. Sie fordert höhere Effizienz und Vereinfachung im Bereich der Förderung von Wohnraum. Zusätzlich plädierte sie für Wohnraumverdichtung und eine Durchmischung der Quartiere.

Insgesamt wurden in diesem Workshop vielfältige weitere Aspekte rund um alternative Wohnkonzepte gesammelt und diskutiert. Neben dem intensiven Austausch konnten sich die Teilnehmenden mit Blick auf das Wohnen im Ahrtal vernetzen.

Eine ausführliche Dokumentation der Ergebnisse ist derzeit in Arbeit und wird in 1-2 Monaten auf unserer Website bereitgestellt.

Die Organisation des Workshops erfolgte durch das SOZIAHR-Team der Universität Bonn in Kooperation mit dem Kompetenznetzwerk „Wissenschaft für den Wiederaufbau“ (WfdW) und unterstützt durch den Verein „Zukunftsregion Ahr e.V.“. Es werden noch weitere Workshops zu den Themen des Forschungsprojekts SOZIAHR stattfinden, zu denen alle Interessierten herzlich eingeladen sind, sich mit ihren Erfahrungen und Ideen zum jeweiligen Thema einzubringen!

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