Allgemeine Berichte | 18.03.2015

Atelierbesuch bei Michael Franke

Der Mensch am Scheideweg zwischen der Dunkelheit und dem göttlichen Licht

Informationen zu den Hintergründen der beiden Fastentücher im Bonner Münster

Der Künstler Michael Franke (rechts) empfing den Bonner Stadtdechanten Wilfried Schuhmacher und rund drei Dutzend Kunstinteressierte in seinem Atelier in Gimmersdorf.JOST

Gimmersdorf. Im Bonner Münster sorgen derzeit zwei große Fastentücher für Aufsehen. Die Vorlagen dazu sind zwei Werke des Gimmersdorfer Künstlers Michael Franke mit dem Titel „Porte dell’Oltretomba I und II“ - Pforten zum Jenseits - aus der Reihe „Àntron, etruskische Gottheiten zwischen Unterwelt und Ekstase, Bildwerdung Europas“. Pforten oder Tore zum Jenseits sind nämlich Motive der antiken Grabmalerei. So sollen auch die Fastentücher in der Vorbereitung auf das Osterfest zum Nachdenken anregen und den Blick auf das eigene Leben richten. Was dahinter steht, erfuhren jetzt gut drei Dutzend Kunstinteressierte bei einem Atelierbesuch zusammen mit Stadtdechant Monsignore Wilfried Schuhmacher beim Künstler in Gimmersdorf. Michael Franke, ein gebürtiger Bonner aus der Münsterpfarrei, gab dabei Einblick in die Ideen, die ihn bei der Erschaffung der Werke inspiriert hatten. Die Vorlagen dazu fand er bei seinen Erkundungen der Landschaft Etruriens und seiner uralten Nekropolen. Das sind von Menschenhand geschaffene Höhlen und Felsöffnungen, die dem Totenreich angehören, in welches man sozusagen von außen hineinblickt. Die auf den Gemälden dargestellten Orte sind also keine Bilder einer imaginären Welt, sondern sie existieren wahrhaftig in Grotten und Hohlwegen und von Vegetation umwucherten Felsenklüften, die in das Innere der Erde führen. Orte, in die der Künstler mit seiner Reisestaffelei hineingestiegen ist, um von dort aus die Eindrücke in Skizzen festzuhalten.

Heiliger Ort als Ausgangspunkt eines Reiseweges

Franke fasste die Nekropole als heiligen Ort im Inneren der Erde zugleich als Ausgangspunkt eines Reiseweges der Seele auf. Die Inspiration zu den beiden auf den Fastentüchern dargestellten Bildern erhielt der Maler im italienischen Ort Blera bei Rom, wo sich ein etruskisches Heiligtum befindet. Ein Hohlweg aus dem siebten Jahrhundert vor Christus kreuzt dort einen Tunnelgang. Ein Teil jenes Ganges führt in das Innere der Erde und in die Finsternis des Felsengesteins. Auf der anderen Seite strebt der Weg einer Lichtöffnung mit strahlender Helligkeit entgegen und führt zu einem Fluss. Franke schilderte plastisch seine wechselnden Gefühle zwischen Beklemmung und Befreiung, die sich nach seiner Rückkehr ins Atelier in einem geradezu dionysischen Farbenrausch niederschlugen.

Als Münsterpfarrer Schuhmacher den Künstler im Januar in seinem Atelier besuchte, war er sofort von den beiden Gemälden fasziniert. „Sie spiegelten genau das Thema für unsere Fastenzeit wider mit dem Gegensatz von Licht und Dunkelheit, von Leben und Tod“, erinnerte sich Schuhmacher. Schließlich lautet das diesjährige Motto der Fastenzeit: „Quo vadis - wohin lebst Du?“ Schnell war die Idee geboren, daraus die beiden Fastentücher zu gestalten, wozu Franke sofort die Einwilligung gab.

In die Dunkelheit oder ins Licht

Doch damit gingen die Probleme erst los, denn nun galt es, die Gemälde technisch perfekt abzufotografieren, um sie auf 56 Quadratmeter vergrößern und auf Tücher drucken zu können. „Dafür gibt es gottseidank spezialisierte Firmen, die das für uns übernommen haben“, so der Stadtdechant. Bis zum Karsamstag werden die beiden Fastentücher nun im Bonner Münster hängen und die beiden Wege symbolisieren, die den Menschen für ihr Leben offen stehen: in die Dunkelheit oder ins Licht. Nicht nur die heimische Kirchengemeinde, sondern auch Tausende von Touristen und auswärtigen Kirchenbesuchern hätten sich bislang schon von den beiden Werken begeistern lassen, so Schuhmacher. Später werden sie auch noch als Motive für die Osterkerze Verwendung finden - und vielleicht nächstes Jahr erneut an gleicher Stelle die Fastenzeit im Bonner Münster künstlerischen umrahmen, das allerdings ist noch nicht sicher.

Michael Franke und Professor Dr. Andreas Maneros erläuterten den Kunstinteressierten die Hintergründe zu den beiden Gemälden, die als Vorbild für die Fastentücher im Bonner Münster dienten.

Michael Franke und Professor Dr. Andreas Maneros erläuterten den Kunstinteressierten die Hintergründe zu den beiden Gemälden, die als Vorbild für die Fastentücher im Bonner Münster dienten.

Der Künstler Michael Franke (rechts) empfing den Bonner Stadtdechanten Wilfried Schuhmacher und rund drei Dutzend Kunstinteressierte in seinem Atelier in Gimmersdorf.Fotos: JOST

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
Rund ums Haus
Mülltonnen -Reinigung, bis auf Widerruf
Alles rund ums Haus
Koblenz blüht 2026
fit für`s Alter?
Rund ums Haus
Unterstützeranzeige
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
54

Die Woche vom 20. bis 26. April fällt in eine Phase des spürbaren Übergangs. Der Frühling zeigt sich vielerorts bereits stabil, gleichzeitig wächst die Erwartung auf den Mai. Diese Mischung aus Aufbruch und Ungeduld prägt viele Entscheidungen. In Liebe, Gesundheit und Beruf entstehen Chancen, aber auch Momente der Unsicherheit. Kleine Veränderungen im Alltag können große Wirkung entfalten.

Weiterlesen

Symbolbild.
63

Der Frühling zeigt sich von seiner lebendigen Seite und bringt frische Energie in den Alltag. Die Tage werden heller, die Natur erwacht – und mit ihr wachsen neue Chancen, aber auch Herausforderungen. In der Woche vom 13. bis 19. April stehen die Zeichen auf Veränderung. Gefühle werden intensiver, Entscheidungen rücken näher und nicht alles verläuft reibungslos. Ein genauer Blick auf die Sternzeichen zeigt, wo sich Möglichkeiten eröffnen und wo Vorsicht geboten ist.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
287

Im Bereich der Ahrtalbahn könnte es nachts etwas lauter werden:

Ab 15.04.: Schleifzüge fahren auf der Ahrstrecke

Kreis Ahrweiler. Seit Dezember 2025 fahren die Züge wieder vollständig auf der gesamten Ahrstrecke zwischen Remagen und Ahrbrück. Seit März 2026 sind beide verkehrenden Linien rein elektrisch und damit umweltfreundlicher unterwegs. Damit die neuen Schienen nun noch einen „letzten Schliff“ erhalten können, wird nachts ein Schleifzug unterwegs sein. Dies betrifft die folgenden Zeiträume und Abschnitte:

Weiterlesen

14

Ausbau der Ladeinfrastruktur am Rathaus

Neuer Schub für die Elektromobilität

Meckenheim. Das regionale Energieunternehmen e-regio erweitert die Ladeinfrastruktur in Meckenheim und schafft am Rathausparkplatz zusätzliche Möglichkeiten zum komfortablen Laden von Elektrofahrzeugen. Aufgrund der hohen Nutzung der bestehenden Ladesäule werden derzeit zwei neue AC-Ladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten installiert. Die neuen Ladepunkte sind so angeordnet, dass sie von jeweils zwei Parkbuchten optimal erreichbar sind.

Weiterlesen

23

Allgemeine Berichte

Ortsübliche Bekanntmachung

Sinzig. Ortsübliche Bekanntmachung über die öffentliche Bekanntgabe der Bestimmung und Abmarkung von Flurstücksgrenzen in der Gemeinde _Sinzig_______ In der Gemarkung __Bodendorf______, Flur __13__, Flurstücke __124/1, 133______ wurden die Flurstücksgrenzen aus Anlass einer Liegenschaftsvermessung auf Antrag bestimmt und abgemarkt. Über diese Maßnahmen wurde am _17.3.2026_ eine Grenzniederschrift angefertigt.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Monatliche Anzeige
Rund um´s Haus
Dauerauftrag
Kreishandwerkerschaft
Fahrer gesucht (m/w/d)
Oster-Anzeige
Auftrag, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Koblenz blüht
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Tag der offenen Tür
Innovatives rund um Andernach
Rund ums Haus
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
PR-Anzeige
Ostergrußanzeige
Mitarbeiter IT-Administrator
Imageanzeige - Ostern