Politik | 23.04.2015, 11:39 Uhr

Gemeinderat Wachtberg kümmert sich um Asylbewerber

Flüchtlinge sollen vom Gereonshof in private Wohnungen umziehen

CDU-Sprecher Jürgen Kleikamp hatte der Verwaltung mangelnde Initiative vorgeworfen

Wachtberg. Die Zustände in den Asylbewerber-Unterkünften in der Gemeinde Wachtberg wurden zum Thema in der jüngsten Sitzung des Gemeinderates, nachdem Jürgen Kleikamp von der CDU dies, im Wege der Dringlichkeit, auf die Tagesordnung setzen ließ. Doch am Ende löste sich alles mehr oder weniger in Wohlgefallen auf.

Kleikamp berichtete von „untragbaren Zuständen“ im Gereonshof in Niederbachem, wo eine Hochschwangere von Mäusen und Schimmel umzingelt, mit ihrem Lebenspartner ohne richtiges Bett wohnen müsse. Beide jungen Leute stammten aus Albanien, einem sogenannten „sicheren Herkunftsland“. „Keiner in der Verwaltung kümmert sich um eine halbwegs menschenwürdige Unterbringung“, warf er der Gemeindeverwaltung mit Bürgermeisterin Renate Offergeld (SPD) an der Spitze vor. Hier laufe etwas extrem falsch und spiegele keinerlei Willkommenskultur wider, fand Kleikamp.

Familie soll zeitnah umziehen

Dem widersprach Offergeld energisch, denn Ihr sei der Zustand bekannt und die Familie werde noch in dieser Woche umziehen. Ebenso wie eine andere Familie würden die beiden Albaner in einer Privatwohnung untergebracht, die derzeit noch hergerichtet werde. „Es ist nicht fair, so über die Verwaltung in der Öffentlichkeit herzuziehen“, schüttelte sie den Kopf. Es sei ohnehin geplant, dass die Flüchtlinge, die noch in den Räumen am Gereonshof untergebracht sind, nach und nach in private Wohnungen umziehen und daraufhin die Übergangsheime saniert werden. Missstände möge er künftig bitte direkt der Verwaltung mitteilen, wünschte sich Offergeld von dem CDU-Politiker. Der gab sich damit zufrieden, künftig zeitnah über aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich der Verwaltung informiert zu werden.

128 Flüchtlinge leben derzeit in Wachtberg, 49 davon sind privat untergebracht. Mittlerweile sieben Wohnungen konnte die Gemeinde in diesem Jahr anmieten, sieben weitere Wohnungen stehen nach den Worten der Bürgermeisterin in Aussicht. Der 1. Beigeordnete Jörg Ostermann bestätigte, man versuche, diese nicht ganz einfache Aufgabe als gesamte Verwaltung zu meistern. „Das Thema geht uns sieben Tage die Woche an.“ Die Einrichtung eines zentralen Heims sei dennoch nicht geplant.

Menschen müssen betreut werden

Tom Fuhr von der Wählervereinigung „Unser Nachbar“ war der Ansicht: „Die Menschen müssen betreut werden“, das aber könne die Verwaltung im Grunde gar nicht leisten. Daher beantragte er, 100 000 Euro zur Verfügung zu stellen, um die Aufgabe extern zu vergeben. Die Summe sei allerdings aus der Luft gegriffen. Auf Anregung von CDU-Fraktionschef Jörg Schmidt beschloss eine Ratsmehrheit aus CDU, FDP, UWG und Unser Wachtberg daher, das Thema zunächst im Sozialausschuss zu diskutieren, um einen konkreten Finanzbedarf zu ermitteln und dann gegebenenfalls die Summe per Nachtragshaushalt bereitzustellen.

Die nächste öffentliche Sitzung des Runden Tisches zur Integration von Flüchtlingen findet übrigens am 28. April um 18 Uhr statt. Darauf weist die UWG hin und fordert größere Anstrengungen von Politik, Verwaltung und Bürgerschaft für die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen. Eine Ghetto-Bildung sei zu vermeiden, erklärt ihre Sprecherin Ursula Schöpf. Standorte in der Nähe von Schulen und Geschäften sollten bevorzugt und die private Unterbringung Vorrang haben. Zudem möge die Gemeinde aus dem Teilhabe-Etat des Kreises Gelder für die Betreuung beantragen, die an Schulen und Kitas für Flüchtlingskinder fließen könnten, so Schöpf.

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