Allgemeine Berichte | 14.10.2014

Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Wachtberg und Umgebung e.V.

Römer zum Anfassen - Expedition rund um Töpferort

Adendorf. Es war eine spannende, erkenntnisreiche und trotz Regenkapriolen beglückende Spurensuche nach römischen Funden, zu der rund 40 Bürgerinnen und Bürger vom Dorfplatz in Adendorf aufgebrochen waren. Es war einfach ein Glücksfall, dass Ursula Perkams, die Vorsitzende der „Aktionsgemeinschaft für den Schutz der Landschaft in Wachtberg und Umgebung“, die die Veranstalterin war, zwei ausgewiesene Kapazitäten für die Führung gewinnen konnte: Dr. Jennifer Morscheiser-Niebergall, die zuständige Archäologin des Amtes für Bodendenkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland und Dr. Lutz Jansen, ebenfalls Archäologe und wohl bester Kenner der Burg Münchhausen, einer romanischen Rundburg aus der späten Stauferzeit.

Luxuriöser römischer Gutshof am Nordrand der heutigen Tongrube

Die historische Ortstafel auf dem Dorfplatz in Adendorf weist 6000 Jahre Menschheits- und Siedlungsgeschichte im hiesigen Raum aus, rund 350 Jahre davon war die hiesige, damals gallorömische Bevölkerung Bestandteil des römischen Reiches und der römischen Zivilisation. Vom Dorfplatz aus ging es zur Töpferei Thomas Hansen, die in ihrem neuen Versammlungsraum „der neuen Tonwerkstatt“ sowohl aus dem freigelegten, ehemaligen Gutshof (villa rustica) geborgene als auch von Dr. Morscheiser mitgebrachte Exponate aus dem rheinischen Landesmuseum zeigte. Aus der 1968 bei der Freilegung durch das Museum angelegten Planskizze und der Analyse der Fundstücke ergibt sich, dass die villa rustica in Adendorf eine Fläche von 200 mal 300 Meter umfasste, das Wohnhaus einen Steinboden mit Bodenheizung und rot gefärbte Wände hatte, eine Ziegelei und wahrscheinlich eine Töpferei betrieben wurden.

Handbehauene Steine aus der Römerzeit

In der Gewissheit, dass sich unter der nördlichen Abraumhalde der heutigen Tongrube noch weitere römische Scherben befinden, ging es weiter zur Burg Adendorf. Auch hier sind im alten Viereckturm der Vorburg aus dem Anfang des 14. Jahrhunderts römische Kantsteine verarbeitet. Klar zu erkennen ein Medusenhaupt und ein Wasserspeier. Woher diese Steine, Solitäre in dem originalen Mauerwerk des Mittelalters, stammen, ob aus einer villa rustica oder einer öffentlichen Anlage, kann niemand mehr sagen. Steinmaterial war damals noch Mangelware, Steinbrüche wurden nur regional ausgebeutet, so nahm man, was man fand.

Ein römisches Kleinkastell oder Wehrturm

Der heutige Kottenforst war zur Römerzeit ebenso wenig bewaldet wie die Anhöhe oberhalb von Klein-Villip. Von dort schweift der Blick weit über die Voreifelebene, eine ideale Position für ein römisches Kleinkastell „burgus“, das zum vorgelagerten System des nahe verlaufenden rheinischen Limes gehörte und der Bevölkerung zugleich Schutz bot vor den zerstörerischen Germaneneinfällen, die ab der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts Land und „Römer“ heimsuchten und in einer ersten Welle 278/279 die Gutshöfe an der Swist wie auch Teile der römischen Wasserleitung von der Eifel nach Köln zerstörten. Nach einer erneuten Befestigung des Limes durch Rom wurden auch die Gutshöfe, so auch die villa rustica in Adendorf, wieder aufgebaut.

Die Fundstücke, die Dr. Morscheiser und ihre haupt- und ehrenamtlichen Kollegen an dieser Stelle freilegten, und die ehrfurchtsvoll bei den Mitgliedern der „Expedition“ von Hand zu Hand gingen, datieren in diese Zeit.

Der freigelegte römische „burgus“ auf der Anhöhe über dem heutigen Klein Villip maß 20 mal 20 Meter, war umgeben von zwei Wällen mit Gräben und zusätzlich einer Palisade und hatte einen besonders geschützten, erweiterten Eingangsbereich.

Nach den Aussagen von Dr. Morscheiser und ihrer Kollegen musste diese bekannte Fundstätte aus der Römerzeit schnell erschlossen und gesichert werden, weil hier schon sog. Raubgräber, ausgerüstet mit modernsten Sonden und über Standorte gut informiert, unterwegs waren und ihr diebisches Unwesen trieben. Ihnen das kriminelle Handwerk zu legen und damit wissenschaftliche Erkenntnisse zu sichern, muss verstärkt Aufgabe unseres Recht- und Ordnungsstaates werden.

Burg Münchhausen – römischer Gussbeton und römische Steine

Hier übernahm Dr. Lutz Jansen die Führung. Als guter Burgenkenner im Rheinland hat es ihm Burg Münchhausen, „Eine übersehene Wasserburg der Stauferzeit im nordöstlichen Eifelvorland“, ganz besonders angetan.

Er legte dar, dass der ehemalige Viadukt der römischen Wasserleitung über die Swist, der in vier Kilometer Entfernung zwischen Flerzheim und Lüftelberg verlaufen war und eine Länge von 1,4 Kilometern besaß, zum Steinbruch für diese romanische Burg aus der Stauferzeit wurde.

Und Baumaterial war reichlich vorhanden; denn die Aquäduktbrücke ruhte auf 295 bis zu 11 Metern hohen Pfeilern. Ihr Kern war aus römischem Gussbeton, einem künstlichen Baumaterial, ihre Verkleidung oder Ummantelung bestand aus Tuffsteinhandquadern. Unterzieht man die gut erhaltenen Mauern von Burg Münchhausen, von Torturm, Bergfried Saalbau und Resten der Ringmauer einer genaueren Betrachtung, so stellt man fest, dass auf festen Steinfundamenten das erste Geschoss oder Wehrgeschoss aus Gussbeton besteht, während das zweite und weitere Geschosse aus römischen Tuffsteinhandquadern gemauert sind. Die amorphe Masse des römischen Gussbetons wurde gleichsam in quadratischen Platten aus der ehemaligen Aquäduktbrücke herausgeschnitten und verbaut. Davon konnten sich die „Expeditionsteilnehmer“ auch durch Handprobe überzeugen.

Heute ist der Bergfried von Burg Münchhausen, der einen Durchmesser von 8,90 m hat, noch 26 Meter hoch. Der nördliche Torturm ist fast völlig erhalten.

Die typischen Merkmale einer Burg aus der Stauferzeit, die wehrhaften Zinnen auf Mauern Gebäuden und Türmen, sind leider dem Steinfraß oder dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen und nicht renoviert worden. Münchhausen, eine wehrhafte mittelalterliche Burg aus römischem Baumaterial, ist einzigartig im Rheinland.

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