Politik | 25.11.2014

Mit Jörg Schmidt als neuem Parteichef wollen die Christdemokraten den Bürgermeistersessel zurückgewinnen

Wachtberger CDU entscheidet sich für Neuanfang

Der neue geschäftsführende Vorstand der CDU Wachtberg (v.l.): Frank Bauer-Siewert, Rita Braun, Jörg von Wülfing, Jörg Schmidt und Franz-Josef Jäger.-JOST-

Berkum. Bei der Wachtberger CDU stehen die Zeichen auf Neuanfang, denn nach der verlorenen Kommunalwahl zog der Gemeindeverbands-Vorsitzende Stephan Zieger die politische Konsequenz und stellte bei der Mitgliederversammlung nach elf Jahren sein Amt zu Verfügung. Um seine Nachfolge bewarben sich zwei Kandidaten: das langjährige Partei- und Ratsmitglied Friedrich Oettler (57) aus Pech und der „Neuling“ Jörg Schmidt (51) aus Adendorf, der erst Ende 2013 Parteimitglied wurde und erst seit Juli Mitglied des Gemeinderates ist. Am Ende setzte sich Schmidt recht deutlich mit 39 gegen 15 Stimmen durch und versprach den sich anwesenden Mitgliedern: „Ich will gemeinsam mit dem neuen Vorstand alles dafür tun, dass in sechs Jahren der Bürgermeistersessel in Wachtberg wieder von der CDU besetzt wird.“ Doch zuvor war die Aufarbeitung der Wahlniederlage angesagt, bei der die CDU nicht nur die Mehrheit im Gemeinderat, sondern auch noch den Bürgermeisterposten verloren hatte. Und das, obwohl man mehr Stimmen auf sich vereinigen konnte als bei der Kommunalwahl 2009, erläuterte Zieger in seinem Rechenschaftsbericht. „Wir haben zwar 15 Stimmen mehr bekommen als 2009, aber die SPD hat noch stärker hinzugewonnen, und die Wählervereinigung ‚Unser Wachtberg‘ kam auf Anhieb auf über neun Prozent - so haben wir zugelegt und am Ende doch verloren.“

Schmerzlicher Verlust

Besonders schmerzlich sei es, dass die Christdemokraten die beiden Villiper Wahlbezirke an die SPD verloren hätten, „diese Scharte haben wir auszuwetzen.“ Die anderen Parteien hätten mit ihren drei Bürgermeister-Kandidaten und dem Schwung des bekannten Namens Renate Offergeld unwahrscheinlich punkten können, was vor allem die UWG und die FDP negativ zu spüren bekommen hätten. Dass man dann auch noch den Bürgermeisterposten in der Stichwahl an die SPD-Kandidatin Renate Offergeld verloren habe, sei der Tatsache geschuldet, dass die unterlegenen Bürgermeisterkandidaten allesamt die Sozialdemokratin unterstützt hätten. Dennoch bleibe festzustellen: „Obwohl es eine strukturelle Mehrheit im Gemeinderat gegen uns gibt, läuft nichts ohne die CDU, weil wir die stärkste Kraft geblieben sind.“ Künftig wolle man mit konstruktiver Sacharbeit punkten.

Zu viel Nüchternheit und zu wenig Emotion

Der gescheiterte Bürgermeisterkandidat Hartmut Beckschäfer gab zu: „Ich konnte den Auftrag leider nicht erfüllen.“ Eine Reihe von Ursachen machte er dafür verantwortlich, vom allgemeinen politischen Umfeld angefangen über die Vielfalt der Kandidaten, das Wahlbündnis der politischen Gegner bis zum Erscheinen von „Unser Wachtberg“. Doch er räumte auch persönliche Verantwortung ein: „Es wäre schon komisch, wenn es nicht auch am Kandidaten gelegen hätte.“ Vielleicht habe er zu viel Nüchternheit und Sachkompetenz und zu wenig Emotion in den Wahlkampf eingebracht. Er bedauere es nicht nur für die CDU, dass sie nach 60 Jahren das Bürgermeisteramt aus der Hand geben musste, sondern auch für die Gemeinde Wachtberg. Denn schon nach den ersten Monaten zeige sich, dass sich die Befürchtungen und Sorgen der Christdemokraten bewahrheiten würden. Die Wachtberger Vierer-Koalition sei schon jetzt nur noch ein Scherbenhaufen, „für Pöstchen hat es noch gereicht, für Positionen aber nicht mehr.“ Auch Bürgermeisterin Offergeld attestierte er „keine gute Amtsführung“, vor allem die Vorlagen für die Ausschuss- und Ratssitzungen seien zum Teil ungenügend. Doch an seine Parteikollegen gerichtet gab er sich zuversichtlich: „Es gilt jetzt, den Kopf oben zu behalten und die Augen nach vorne zu richten.“

Aus Fehlern lernen

Bei der anschließenden Aussprache bestätigten einige Mitglieder, dass für ihre Begriffe die Emotionen und das Herz im Wahlkampf ein wenig vernachlässigt worden seien, „weil wir dachten, die Sachargumente gäben den Ausschlag.“ Da müsse man in Zukunft etwas mehr tun. Mit den Fehlern der Vergangenheit müsse man konstruktiv umgehen und aus ihnen lernen, denn auch eine Volkspartei wie die CDU müsse sich an neue Entwicklungen und Bedingungen anpassen. Die Mannschaft müsse jedenfalls neu aufgestellt und besser justiert werden, nur so könne man mittelfristig den Chefposten im Rathaus zurückgewinnen. Schatzmeister Frank Bauer-Siewert berichtete von hohen Ausgaben in einem Jahr mit gleich mehreren Wahlen, dennoch sei das Finanzpolster noch durchaus vorzeigbar. Mittlerweile habe der Gemeindeverband 244 Mitglieder mit steigender Tendenz. Besonders erfreulich sei das enorme Spendenaufkommen nach der Kommunalwahl, das sich glatt versechsfacht habe auf ein noch nie zuvor da gewesenes Niveau. „Wir sehen das auch als Vertrauensbeweis und als Bestärkung für unsere Ziele und für unsere politische Arbeit“, so der Schatzmeister. Die beiden Kassenprüfer Bruno Bollig und Friedrich Oettler hatten nichts auszusetzen, sodass dem Vorstand einstimmig die Entlastung erteilt wurde.

Vorstand wurde neu gewählt

Bei den anschließenden Neuwahlen des Vorstandes gab es eine Reihe von Veränderungen, weil einige Amtsinhaber als Konsequenz aus der verlorenen Kommunalwahl nicht mehr antraten. So wurde Jörg Schmidt in einer Kampfabstimmung zum neuen Vorsitzenden gewählt, er setzte sich mit 39 Stimmen gegen seinen Mitbewerber Friedrich Oettler durch, der auf 15 Stimmen kam. Stellvertretende Vorsitzende wurden Rita Braun und Franz-Josef Jäger, Schatzmeister bleibt Frank Bauer-Siewert, sein neuer Stellvertreter ist Marco Siebeneicher, neuer Geschäftsführer ist Jörg von Wülfing, Stellvertreter bleibt Andreas Netterscheidt, zu Beisitzern wurden gewählt Hartmut Beckschäfer, Ute Hein, Marion Wolber, Christian Stock, Reinhard Herz, Anna Heck-Hansen, Ralf Eberwein und Christoph Fiévet. Jörg Schmidt versprach, Bürgernähe und verlässliche Politik ins Wachtberger Rathaus bringen zu wollen. Als zentrale Themen sieht der Abteilungsleiter in der Bonner Stadtverwaltung die Förderung der Berkumer Sekundarschule an, „die durch die neue enge Zusammenarbeit mit dem Nikolaus-Cusanus-Gymnasium in Godesberg, wie ein Diamant in der gesamten Schullandschaft strahlt.“ Auch der Erhalt der erfolgreichen Grundschulen sowie die Weiterentwicklung des Flächennutzungsplanes lägen ihm am Herzen, ebenso die Entwicklung eines realistischen und nachhaltigen Sportstättenkonzeptes. Das Aufstellen eines seriösen Feuerwehrbedarfsplanes sowie die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs seien weitere Schwerpunkte seiner künftigen Arbeit. „Und persönlich wünsche ich mir eine engere Zusammenarbeit unserer Dörfer, ohne den Charme, die Eigenständigkeit und die Spezialitäten jedes einzelnen Ortsteils anzutasten.“

Rita Braun verabschiedete Stephan Zieger nach elf Jahren aus dem Amt.

Rita Braun verabschiedete Stephan Zieger nach elf Jahren aus dem Amt.

Der neue geschäftsführende Vorstand der CDU Wachtberg (v.l.): Frank Bauer-Siewert, Rita Braun, Jörg von Wülfing, Jörg Schmidt und Franz-Josef Jäger.Fotos: -JOST-

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