„Bello“ liest am liebsten Zeitung
Nein, es ist kein verspäteter Aprilscherz: Den Fernsehsender „Dog TV“ gibt es tatsächlich. Es handelt sich hier um einen Spartenkanal für unsere vierbeinigen Freunde. Mit hundefreundlicher Musik und einem (angeblich wissenschaftlich getesteten) besonderen Farbschema. Hunde nehmen nur die Farben Blau und Gelb wahr, sie können kein Rot erkennen, worauf „DogTV“ natürlich Rücksicht nimmt. Und wer hat´s erfunden? Nein, nicht die Schweizer. Der Sender wurde 2012 in den USA ins Leben gerufen. Weltweit soll es mehr als eine Million Herrchen und Frauchen geben, die das Abonnement in Höhe von 9,90 Dollar abgeschlossen haben. Seit Ende des letzten Jahres können auch die deutschen Vierbeiner in den Genuss des tierischen Programms kommen. Immerhin gibt es in den bundesdeutschen Haushalten rund 7 Millionen Hunde. Und schon bald soll es das Hundefernsehen auch in Frankreich geben, allerdings mit der neuen Bezeichnung „La Bello TV“. Nun fragen Sie sich bestimmt: Was läuft bei „Dog TV“ eigentlich für ein Programm? Zeigen diese den ganzen Tag die alten Folgen von „Lassie“, der beliebten Fernsehserie mit dem Langhaarcollie? Laut Angaben der Fernsehmacher sind es Beiträge, die die Tiere unterhalten und entspannen, wenn ihr Herrchen nicht zu Hause ist. Doch was könnte einen Hund interessieren? Die Zeichentrickserie „Tom und Jerry“, wo bekanntlich eine Katze und eine Maus die Hauptdarsteller sind? Interessant für einen Hund ist sicherlich eine Reportage über einen Schlachthof oder eine Wurstfabrik. Zur Unterhaltung wäre die Sportschau geeignet, bei welcher jedoch keine Fußballspiele, sondern Windhunde-Rennen im Mittelpunkt stehen. Besonders hohe Einschaltquoten würde die von „Waldi“ (Waldemar Hartmann) moderierte Sportschau erhalten. Die Reality-Sendung bei „DogTV“ heißt bestimmt „Big Brother Dog“. Gesendet wird hier aus dem Zwinger im Tierheim. Die Tagesschau präsentiert anstelle von Meldungen über Verkehrsunfälle und Ähnlichem, wie manche Postboten oder Jogger von den Vierbeinern zugerichtet werden. Apropos „zurichten“: Natürlich gibt´s bestimmt auch eine Beauty-Sendung für weibliche Hunde. Guido-Maria „Kläffer“ (sein menschliches Pendant heißt bekanntlich Kretschmer mit Nachnamen) begleitet die vierbeinigen Kandidaten bei ihren Streifzügen durch die besten Hundesalons. So wird aus so manchem bösen Kampfhund mit grimmigem Gesicht im Laufe der Sendung ein „feiner Pfiffi!“. Ideale Voraussetzungen, um anschließend bei „Boxer sucht Wau“ (Bauer sucht Frau) mitzuwirken. Und zur Nachtzeit laufen bestimmt Sendungen mit leicht bekleideten Hündinnen, die ständig „Bell mich an!“ jaulen. Zwischen den Sendungen kommt dann ein Werbetrailer für den neuesten Kinofilm „Fifty Shades of Golden Retriever“. Es soll ja auch Hunde geben, denen es gefällt, wenn sie an die Leine genommen werden. Sie merken sicherlich: Ich mache mich über den Sender lustig, obwohl ich ihn noch nicht gesehen habe. Ich will ihn auch nicht sehen, genauso wenig wie „Cat TV“, „Hamster TV“ oder „Kanarienvogel TV“ oder auf welche Ideen die Fernsehmacher noch kommen mögen. Mir tun die Tiere einfach nur leid, die sich so etwas ansehen sollen. Die Natur bietet für Tiere (und natürlich auch für den Menschen) das bessere Fernsehprogramm. Und zweifelsfrei wird auch kein Hund freiwillig „Dog TV“ anschalten. Und genau das ist der große Unterschied zu den Zeitungen: Es gibt Hunde, die bringen ihrem Herrchen gerne die Zeitung, was bei einer Fernbedienung sicherlich nie der Fall sein wird. Insofern mein Vorschlag für alle Hundebesitzer: Lassen Sie ihren vierbeinigen Freund doch auch mal „Blick Aktuell Weißenthurm“ lesen. Dort gibt es keine Abonnementkosten, wie beim „Dog TV“. Die Zeitung ist und bleibt kostenlos. Ob Hunde von der wöchentlichen Glosse des Ausschellers begeistert sind, kann ich nicht sagen. Aber mit Sicherheit interessieren sie sich für die Werbeanzeigen von Metzgereien.
Ihr Ausscheller
