Wirtschaft | 31.10.2016, 10:05 Uhr

_Anzeige Immobilienpreise steigen auch in Rheinland-Pfalz

Erwerb von Eigentum bleibt aufgrund niedriger Zinsen trotzdem noch attraktiv

„BLICK aktuell“ sprach mit Georg Lennartz und Daniel Hellmann von Engel & Völkers u.a. über deren Einschätzung zum Thema „Immobilienblase“

Erwerb von Eigentum bleibt aufgrund niedriger Zinsen trotzdem noch attraktiv
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Koblenz. In Finanzkreisen wird immer häufiger vor einer Immobilienblase, bzw. Spekulationsblase gewarnt, weil die Kaufpreise in einem ungesunden Verhältnis zu der Mietpreisentwicklung, bzw. der Einkommensentwicklung stehen.

„Blick aktuell“ sprach u.a. auch über dieses Thema mit dem Engel & Völkers-Geschäftsführer Commercial (Gewerbeimmobilien) Georg Lennartz und dem Büroleiter Residential (Wohnimmobilien), Daniel Hellmann.

Engel & Völkers ist eines der weltweit führenden Immobilienunternehmen und Deutschlands größter bankenunabhängiger Immobilienmakler. In Koblenz ist der Branchenführer seit 2008 mit einem Immobilienshop am Josef-Görres-Platz fest etabliert. In Rheinland-Pfalz ist Engel & Völkers mit 10, bundesweit mit 258 und weltweit mit ca. 700 Standorten auf 4 Kontinenten vertreten.

Blick aktuell (BA): „Würden Sie uns verraten, wie Sie die Gefahr einer Immobilienblase einschätzen?“

Georg Lennartz: „Dass die Preise bei einer großen Nachfrage und einem entsprechend geringeren Angebot steigen, ist hinreichend bekannt. Eine Immobilienblase hat jedoch zunächst einmal nichts mit steigenden Preisen zu tun. Das Platzen einer Immobilienblase führt - wie wir in der Vergangenheit in den USA erlebten - dazu, dass die Preise schlagartig in den Keller gehen.“

BA: „Wenn wir uns recht erinnern, haben in Amerika seinerzeit steigende Zinsen zum Platzen der Immobilienblase geführt.“

Georg Lennartz: „Ja, das hatte mit der Zinsbindung für Immobilienkredite zu tun, wobei wir hier schon beim Unterschied zwischen Amerika und Deutschland sind. Während die amerikanischen Käufer Kreditverträge mit kurzen Laufzeiten abgeschlossen hatten und von den steigenden Zinsen quasi eingeholt wurden, was wiederum dazu führte, dass sie ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten, haben wir es in Deutschland vorwiegend mit konservativen Immobilienfinanzierungen zu tun. Das heißt: Es werden langfristige Verträge über 10 bis 15 Jahre mit einer entsprechenden Zinsbindung abgeschlossen und da die Zinsen zurzeit sehr niedrig sind, entschließen viele Käufer sich zu höheren Tilgungsraten von mitunter bis zu sieben Prozent. Fazit: Diejenigen, die auf eine konservative Finanzierung setzen, brauchen nicht zu befürchten, dass sie von der „Zinskeule“ erschlagen werden.“

BA: „Wie sieht es denn derzeit mit der offensichtlich von einigen Käufern bevorzugten 0-Finanzierung aus? Kann man bei uns immer noch eine Immobilie ohne Eigenkapital kaufen?“

Georg Lennartz: „Da spielt heute wohl kaum noch eine seriöse Bank mit. Außerdem gibt es bekanntlich Pläne der Bundesregierung, eine konservative Finanzierung gesetzlich vorzuschreiben. „

BA: „Wohin führt denn der Immobilienmarkt, wenn das Angebot -insbesondere in den Ballungsgebieten der Großstädte- sich ständig verringert.“

Daniel Hellmann: „Wenn wir zum Beispiel Koblenz nehmen, haben sich hier in den vergangene vier Jahren die Preise stetig weiter entwickelt. In den Ballungszentren von Köln, Frankfurt oder Hamburg ist die Preisentwicklung zwangsläufig rasanter, da hier die Wohnraum-Nachfrage extrem hoch und das Angebot im Verhältnis äußerst knapp ist.“

BA: „Wie sieht die Entwicklung in den ländlichen Gebieten aus?“

Daniel Hellmann: „Entscheidend sind hier der Wohnstandort, bzw. die Infrastruktur.“

BA: „Kann sich auch ein so genannter ‚Normalverdiener‘ an den Luxusmakler Engel & Völkers wenden, wenn er ein Haus oder eine Wohnung kaufen, bzw. verkaufen möchte?“

Daniel Hellmann: „Selbstverständlich! Wenngleich sich unsere Kernkompetenz weltweit auf außergewöhnliche Immobilien fokussiert, so bieten wir in der hiesigen Region auch Objekte in guten bis mittleren Lagen für 200.000,-- bis 600.000,-- Euro an.“

BA: „Wie viel müsste ich zum Beispiel für ein Einfamilienhaus in Koblenz bezahlen?“

Daniel Hellmann: „In einer guten bis mittleren Lage sollte man für ein klassisches, frei stehendes Haus für eine Familie mit ein bis zwei Kindern 280.000,-- bis 400.000,-- Euro einplanen.“

Georg Lennartz: „Im Vergleich hierzu müsste man in Frankfurt mit 1,1 Millionen, Köln: eine Million, Bad Neuenahr/Ahrweiler: 350.000,-- bis 400.000 Euro und in Mayen, bzw. in Neuwied mit 250.000,-- Euro rechnen. Die Preisunterschiede in Rheinland-Pfalz fallen besonders ins Gewicht, wenn man Trier und Mainz betrachtet, wo man für ein normales Einfamilienhaus über eine halbe Million Euro bezahlen muss. Somit wäre für Menschen, die in Köln oder Frankfurt arbeiten, Koblenz u.a. wegen der günstigen Autobahnanbindung ein interessanter Wohnstandort.“

BA: „Wie sehen im Vergleich zu Häusern die Preise bei Eigentumswohnungen aus?“

Daniel Hellmann: Die Anfrage nach Eigentumswohnungen ist in Gebieten mit einer guten Infrastruktur bei Singles und jungen Paaren ebenso groß, wie bei vielen älteren Menschen, wobei letzteren häufig ihr Haus auf dem Land zu groß ist oder die Wege zum Einkauf, bzw. zum Besuch einer kulturellen Veranstaltung zu weit sind. Wenn allerdings jemand sein relativ großes Haus in der Eifel verkaufen will, muss der damit rechnen, dass er den gesamten Erlös in eine Eigentumswohnung investieren muss. Nicht zuletzt ist auch für viele Kleinanleger der Kauf einer Eigentumswohnung eine interessante Kapitalanlage.“

BA: „Lassen die extremen Preissteigerungen bei Eigentumswohnungen nicht doch die Befürchtung einer Immobilienblase zu?“

Georg Lennartz: „In guten Lagen ist auch in der Region weiter mit steigenden Preisen zu rechen und auch in mittleren Lagen könnte es in Zukunft Schwankungen geben. Dies wäre jedoch keine platzende Blase, sondern eine Korrektur im Preis.“

BA: „Vielen Dank für das informative Gespräch!“

FRE

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