Wirtschaft | 09.11.2023, 11:44 Uhr

- Anzeige - Biologisch hergestellte Biere denken das Reinheitsgebot weiter

Wie Bio ist das Reinheitsgebot?

Die konventionelle Landwirtschaft hat dramatische Folgen für Natur und Gesundheit

Bioland-Landwirt Michael Ullenbruch auf dem Braugerstenfeld für die VULKAN Brauerei bei Maria Laach.  Foto: VULKAN Brauerei
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Mendig. Das deutsche Reinheitsgebot, das im Jahr 1516 in Bayern

erlassen wurde, hat eine lange Tradition und ist weltweit bekannt. Es schreibt vor, dass lediglich vier Hauptzutaten bei der Bierherstellung verwendet werden dürfen: Wasser, Malz (aus Gerste), Hopfen und Hefe. Ziel des Reinheitsgebots war es, die Qualität und Reinheit des Bieres sicherzustellen und die Verwendung schädlicher Zutaten zu verhindern.

Doch während es die Zutaten streng definiert, schweigt es sich leider darüber aus, wie diese Rohstoffe angebaut werden. Die Nutzung von Pestiziden und chemischsynthetischem Dünger wird nicht geregelt, wodurch mindestens indirekt diese Schadstoffe ins Bier gelangen.

Die Bedeutung von ökologisch hergestelltem Bier

Die Lebensmittelbranche ist im Wandel – Bio boomt und wächst kontinuierlich. Die Gesellschaft achtet bei vielen Lebensmitteln bereits genauer auf deren Herkunft, den Anbau oder die Haltung. Bei Bier hat sich dieses Bio-Bewusstsein leider noch nicht ausgeprägt und das obwohl 2022 der Bierkonsum pro Kopf in Deutschland bei 91,8 Liter lag.(Statista)

Bier wird allgemein als Naturprodukt angesehen und daher dessen Rohstoffanbau nicht weiter hinterfragt.

„Während Bio-Lebensmittel bereits 6,8% am Gesamtmarkt ausmachen, beträgt der BioAnteil in der Bier-Branche mal gerade 1%“, sagt Malte Tack, Geschäftsführer der VULKAN Brauerei in Mendig.

Wie schädlich ist der konventionelle Anbau von Hopfen & Gerste?

Beim Anbau von Hopfen und Gerste kommen Fungizide, Insektizide und Herbizide zum Einsatz, die nicht nur gesundheitsschädlich sein können, sondern auch die Natur nachhaltig schädigen. Diese Chemikalien gelangen in den Boden, ins Grundwasser und letztendlich auch in unser Bier. Das ist ein Aspekt, den das Reinheitsgebot nicht regelt.

Fungizide, also Pflanzenschutzmittel, werden eingesetzt, um Schadorganismen zu bekämpfen. Insektizide sollen Schädlinge töten. Beides tötet jedoch auch „wichtige ökologische Funktionsträger“, wie der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND) nützliche Insekten und Bodenorganismen nennt.

Unkraut und Gräser werden durch Herbizide, also Unkrautvernichtungsmittel, chemisch abgetötet, damit sie Hopfen und Gerste nicht verdrängen.

Mineralischer Stickstoffdünger kommt zum Einsatz, um Nährstoffe im Boden anzureichern. Durch regelmäßige Nutzung schaden sie den Böden allerdings und tragen zum Verlust der Bodenfruchtbarkeit bei, auch die Bodenorganismen werden dadurch geschädigt. Laut Umweltbundesamt gelangen 50 kg Stickstoff pro Kopf in Deutschland in die Umwelt und den Großteil verursacht dabei die kommerzielle Landwirtschaft. Die Folgen. „Zu viel Nitrat auf den Feldern und später im Grundwasser, zu viel Ammoniak und Feinstaub in der Atemluft und zu viel Lachgas, das das Klima schädigt“, schreiben sie in ihrem Artikel auf www.umweltbundesamt.de

Wo das Reinheitsgebot aufhört, fängt Bio an

Bio-Biere bieten hier eine Alternative. Bei Bio-Bieren wird nicht nur darauf geachtet, dass die verwendeten Zutaten biologisch angebaut werden, sondern auch, dass ökologische Prinzipien und nachhaltige Anbaumethoden eingehalten werden. Pestizide und chemisch-synthetische Dünger sind in der Bio-Landwirtschaft streng verboten. Anstatt gesundheitsbedenkliche Mittel einzusetzen, gilt es, Produkte auf natürlicher Basis gegen Schadorganismen einzusetzen, durch natürliche Fressfeinde den Schädlingen entgegenzuwirken und den Böden ihre Fruchtbarkeit wiederzugeben. Wichtig ist jedoch auch bei Bio genau hinzuschauen. An dieser Stelle schafft die Arbeit der Bio-Verbände in Deutschland Transparenz.

Die drei größten Bio-Verbände heißen Bioland, Naturland und Demeter. Ihre Auflagen für alle Partner in der Wertschöpfungskette sind streng und schaffen dadurch Vertrauen. Für den Schritt zur Produktion von Bieren in Bio-Qualität hat sich die VULKAN Brauerei aus Mendig für Bioland als Partner entschieden. Bioland Partner müssen den gesamten Betrieb biologisch im Kreislauf bewirtschaften und neben dem Ackerbau auch die Richtlinien der Bio-Tierhaltung, sowie Vorgaben zur Regionalität einhalten. Die Vulkan Brauerei erreicht das beispielsweise, indem der größte Anteil der Vulkan Bioland Braugerste im nur 5 km entfernten Maria Laach von Bioland-Landwirt Michael Ullenbruch angebaut wird.

Als erste Bioland-Brauerei in Rheinland-Pfalz möchten Malte Tack und sein Team BioBieren eine laute und bunte Stimme geben. In den nächsten drei Jahren wollen sie den Anteil an biologisch hergestellten Bieren verdoppeln und andere Brauereien ermutigen, diesem Weg zu folgen.

VULKAN Brauerei

Bioland-Landwirt Michael Ullenbruch auf dem Braugerstenfeld für die VULKAN Brauerei bei Maria Laach. Foto: VULKAN Brauerei

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