Allgemeine Berichte | 14.07.2026

Hoher Besuch anlässlich des fünften Flut-Jahrestages:

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besuchte das Ahrtal

Auf dem Bahnsteig begrüßt Landrätin Cornelia Weigand den Bundespräsidenten.  Fotos: GS

Altenahr. Wolkenloser Himmel über dem Ahrtal, Unwetter in Berlin. Grund für eine prominente Verspätung. Denn der Flug von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier zum Flut-Gedenken im Ahrtal verzögerte sich durch die Wetterverhältnisse in der Bundeshauptstadt um eine satte Stunde.

So fing die Eröffnung der Ausstellung „We AHR strong. Fünf Jahre ein neuer Blick“ des niederländischen „Museums of Humatity“ am Altenahrer Bahnhof ohne das Staatsoberhaupt an. So galt Steinmeier in Abwesenheit das Willkommen von Ministerpräsident Gordon Schnieder, Landrätin Cornelia Weigand und „Hausherr“ Dominik Gieler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Altenahr.

Vier Standorte

Mehr als 60 Menschen, die von der Flut betroffen waren, haben sich im Frühjahr von Fotograf Ruben Timmann porträtieren lassen. 36 dieser großformatigen Porträts werden sechs Wochen lang in den vier von der Flut betroffenen Kommunen entlang der Ahr ausgestellt. Am Altenahrer Bahnhof, in Schuld in der Verbandsgemeinde Adenau, in der Nähe des Ahrweiler Ahrtores und im Sinziger Luna-Park. Bei den Aufnahmen für das „Museum of Humatity“ traf Ruben Timmann unter anderem Daniela, die nach der Flut beschloss, nicht länger auf „später“ zu warten. Er sprach mit Kai, der als Freiwilliger gekommen war, um zu helfen, und schließlich geblieben war. Und er hörte dem jungen Lasse zu, der sich inmitten des ganzen Schlamms vor allem an einen Imbissstand erinnerte, an dem Kinder kostenlos Essen bekamen.

Geschichten, die klar machen, welche Zäsur die Katastrophe vom 14. Auf den 15. Juli 2021 in das Leben der Menschen aus dem Ahrtal gebracht hat. Geschichten, die zeigen, dass jede Flutbiografie einzigartig ist. „Die Ausstellung ist auch eine Mahnung, die Flutkatastrophe nicht zu vergessen“, sagte Landrätin Weigand. „Vor allem aber zeigt sie, was in den vergangenen fünf Jahren geschafft wurde, und welche Stärke in jedem einzelnen Menschen liegt.“

Das sah Dominik Gieler in seiner Begrüßung genauso: „Denn trotz aller Wunden, trotz aller Verluste und trotz des langen Weges, der noch vor uns liegt, ist eines in den vergangenen Jahren immer spürbar gewesen: die Kraft unserer Menschen und der außergewöhnliche Zusammenhalt in unserer Heimat. „We AHR strong“ zeige nicht nur Bilder. Die Ausstellung zeige Gesichter aus dem Tal: „Gesichter, die für Schmerz stehen, aber auch für Mut, Würde und Hoffnung.“ Jedes Porträt erzähle eine eigene Geschichte . „und zugleich erzählen sie gemeinsam die Geschichte einer Region, die sich nicht hat unterkriegen lassen“.

„Fünf Jahre nach der Flut tragen viele Menschen im Ahrtal den Schmerz und den Verlust noch immer jeden Tag mit sich. Gerade deshalb ist das Gedenken so wichtig. Es hält die Erinnerung an die 135 Menschen wach, die alleine hier im Ahrtal ihr Leben verloren haben, und gibt all jenen Raum, deren Leben die Flut für immer verändert hat. So wie es die Ausstellung ‚We AHR strong‘ auf eindrucksvolle Weise tut. Unsere Verantwortung ist es, die Erinnerung lebendig zu halten, den Wiederaufbau entschlossen fortzusetzen und den Menschen hier vor Ort eine verlässliche Zukunftsperspektive zu geben“, sagte Ministerpräsident Gordon Schnieder bei der Ausstellungseröffnung. Es bleibe das klare Versprechen: Wir werden euch nicht vergessen.“

Und Bundespräsident Steinmeier, der nach den Ansprachen ankam und direkt den Kontakt mit den Porträtierten in der Ausstellung auf dem Bahnsteig suchte, machte klar: „Wir erinnern nicht nur an eine Katastrophe, sondern an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat. Ein Ort, der Zerstörung, aber auch des Wiederaufbaus. Ein Ort, der für Solidarität steht, für Würde. Ich glaube inzwischen auch für Stolz.“ „Man möchte nach vorne schauen, aber gleichzeitig spürt man den Schmerz noch“, so Steinmeier. Das Staatsoberhaupt appellierte an alle Verantwortlichen, dafür zu sorgen, dass sich eine solche Katastrophe nicht wiederholt.

Appell an den Bund

Für Landrätin Cornelia Weigand zeigt der Bahnhof Altenahr als Ort der Ausstellung, „wieviel schon geschafft, aber auch fünf Jahre nach der Flut noch nicht abgeschlossen ist“. Es sei ein Ort, der verdeutliche, „dass wir mehr brauchen als nur den hochwasserangepassten Aufbau an Ort und Stelle“. Ihr dringender Appell an den Bund: „Helfen sie, die notwendige Hochwasservorsorge, den notwendigen überörtlichen Schutz zu finanzieren.“

Steinmeier hatte indes noch ein strammes Programm zu absolvieren. Denn von Rheinland-Pfalz ging es nach der Kranzniederlegung in der Kapelle des Ahrweiler Ahrtorfriedhofs zur zentralen Gedenkfeier des Landes Nordrhein-Westfalen. GS

Video: Bundespräsident Steinmeier im Ahrtal
Bundespräsident Frank-Walter hörte sich auch die Sorgen und Nöte der Flutbetroffenen an. Video: GS
Video: Bundespräsident Steinmeier bei der Ankunft im Ahrtal
Hoher Besuch anlässlich des fünften Flut-Jahrestages: Bundespräsident Frank -Walter Steinmeier besuchte das Ahrtal, genauer Altenahr. Video: GS
Die Ausstellung zeigt großformatige Porträts von von der Flut betroffenen Menschen.

Die Ausstellung zeigt großformatige Porträts von von der Flut betroffenen Menschen.

Auf dem Bahnsteig begrüßt Landrätin Cornelia Weigand den Bundespräsidenten. Fotos: GS

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