Allgemeine Berichte | 27.04.2026, 09:43 Uhr

„Heimat?Land!“ #005: Die Treidel-Pferde von Kripp

von Daniel Robbel

Hatten Schwerstarbeit zu leisten: Die Treidelpferde von Kripp. Foto: ROB
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Am Rheinufer des Remagener Ortsteils Kripp ist es malerisch: Alles ist ansehnlich bepflanzt, es tutet die Fähre, und vom nahen Pommes-Stand duftet es verlockend nach Currywurst und Co.! Kurzum: Hier kann man sich mal hinsetzen und abschalten. Wer hier das Auge schweifen lässt, erblickt nicht nur zahlreiche Binnenschiffe und das ansehnliche Linz auf der anderen Seite von Vater Rhein, sondern möglicherweise auch zwei Vierbeiner aus Bronze.

Hier, neben dem Finte-Brunnen und dem Fahrradweg, stehen auf einem soliden Sockel aus Beton zwei Pferde, gegossen aus Bronze. Die Skulptur hat Johannes Brus geschaffen, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Viel interessanter ist die Tätigkeit der Pferde: das Treideln. Treideln ist das Ziehen von Schiffen stromaufwärts. In den heutigen motorisierten Zeiten ist das für die Kähne, die den Rhein frequentieren, kein Problem. Aber vor dem Aufkommen der Dampfschifffahrt mussten Pferde diesen Job übernehmen. Dass das kein Zuckerschlecken war, liegt in der Natur der Dinge. Die Pferde leisteten Schwerstarbeit, und gefährlich war das Treideln auch. Es wird gemunkelt, dass die Tiere aufgrund der Reflexion der Sonne auf der Wasseroberfläche des Rheins häufig auf dem linken Auge erblindeten. In der Skulptur von Brus ist davon aber nichts mehr zu sehen: Von jeglicher Arbeitslast befreit, blicken die 1-PS-starken Arbeitstiere ganz gelassen und gediegen zu Boden, womöglich auf der Suche nach saftigem Gras. Wer sie dabei beobachten möchte, ist herzlich eingeladen.

Auch der nahe Finte-Brunnen sollte erwähnt werden. Der erinnert an die namensgebende Finte, einen dem Hering sehr ähnlichen Fisch, der zum Laichen aus dem Atlantik an den Rhein zog – so auch nach Kripp. Für die Kripper war dies ein echter Wirtschafts-Boost, denn der Fisch war zahlreich und vor allem leicht zu fangen. So wurde berichtet, dass es für den Fang der Finte weder Netz noch Angel brauchte: Mit Wäschekörben konnte der Fisch aus dem Rhein quasi geschöpft, in Mehl gewälzt und dann via Bratpfanne der weiteren Verwendung zugeführt werden. Heute geht das nicht mehr: Die Finte ist geschützt. Am Brunnen darf man sich natürlich trotzdem erfreuen – und natürlich auch an den possierlichen Treidel-Pferden!

Wo geht‘s hin: Rheinufer in Kripp, Rheinallee, 53424 Remagen Wo muss ich hin: Von der B9 aus Richtung Koblenz linker Hand nach Kripp abfahren, weiter auf die Quellenstraße, danach auf die Rheinallee

Was nehme ich mit: Zeit zur Muße, um einfach mal abzuschalten

Über „Heimat?Land!“

In der Kolumne „Heimat?Land!“ schreibt Daniel Robbel, BLICK aktuell-Journalist und prämierter Reisebuchautor (111 Orte im Ahrtal die man gesehen haben muss, 111 Orte im Westerwald die man gesehen haben muss, 111 Orte an der Sieg die man gesehen haben muss) über die schönsten Ecken in der Region, inklusive Mittelrhein, Ahrtal, Eifel, Westerwald und Siegtal.

„Heimat?Land!“ #005: Die Treidel-Pferde von Kripp

Hatten Schwerstarbeit zu leisten: Die Treidelpferde von Kripp. Foto: ROB Foto: Daniel Robbel

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