„Heimat?Land!“ #005: Die Treidel-Pferde von Kripp
von Daniel Robbel
Am Rheinufer des Remagener Ortsteils Kripp ist es malerisch: Alles ist ansehnlich bepflanzt, es tutet die Fähre, und vom nahen Pommes-Stand duftet es verlockend nach Currywurst und Co.! Kurzum: Hier kann man sich mal hinsetzen und abschalten. Wer hier das Auge schweifen lässt, erblickt nicht nur zahlreiche Binnenschiffe und das ansehnliche Linz auf der anderen Seite von Vater Rhein, sondern möglicherweise auch zwei Vierbeiner aus Bronze.
Hier, neben dem Finte-Brunnen und dem Fahrradweg, stehen auf einem soliden Sockel aus Beton zwei Pferde, gegossen aus Bronze. Die Skulptur hat Johannes Brus geschaffen, aber das spielt eigentlich keine Rolle. Viel interessanter ist die Tätigkeit der Pferde: das Treideln. Treideln ist das Ziehen von Schiffen stromaufwärts. In den heutigen motorisierten Zeiten ist das für die Kähne, die den Rhein frequentieren, kein Problem. Aber vor dem Aufkommen der Dampfschifffahrt mussten Pferde diesen Job übernehmen. Dass das kein Zuckerschlecken war, liegt in der Natur der Dinge. Die Pferde leisteten Schwerstarbeit, und gefährlich war das Treideln auch. Es wird gemunkelt, dass die Tiere aufgrund der Reflexion der Sonne auf der Wasseroberfläche des Rheins häufig auf dem linken Auge erblindeten. In der Skulptur von Brus ist davon aber nichts mehr zu sehen: Von jeglicher Arbeitslast befreit, blicken die 1-PS-starken Arbeitstiere ganz gelassen und gediegen zu Boden, womöglich auf der Suche nach saftigem Gras. Wer sie dabei beobachten möchte, ist herzlich eingeladen.
Auch der nahe Finte-Brunnen sollte erwähnt werden. Der erinnert an die namensgebende Finte, einen dem Hering sehr ähnlichen Fisch, der zum Laichen aus dem Atlantik an den Rhein zog – so auch nach Kripp. Für die Kripper war dies ein echter Wirtschafts-Boost, denn der Fisch war zahlreich und vor allem leicht zu fangen. So wurde berichtet, dass es für den Fang der Finte weder Netz noch Angel brauchte: Mit Wäschekörben konnte der Fisch aus dem Rhein quasi geschöpft, in Mehl gewälzt und dann via Bratpfanne der weiteren Verwendung zugeführt werden. Heute geht das nicht mehr: Die Finte ist geschützt. Am Brunnen darf man sich natürlich trotzdem erfreuen – und natürlich auch an den possierlichen Treidel-Pferden!
Wo geht‘s hin: Rheinufer in Kripp, Rheinallee, 53424 Remagen Wo muss ich hin: Von der B9 aus Richtung Koblenz linker Hand nach Kripp abfahren, weiter auf die Quellenstraße, danach auf die Rheinallee
Was nehme ich mit: Zeit zur Muße, um einfach mal abzuschalten
Über „Heimat?Land!“
In der Kolumne „Heimat?Land!“ schreibt Daniel Robbel, BLICK aktuell-Journalist und prämierter Reisebuchautor (111 Orte im Ahrtal die man gesehen haben muss, 111 Orte im Westerwald die man gesehen haben muss, 111 Orte an der Sieg die man gesehen haben muss) über die schönsten Ecken in der Region, inklusive Mittelrhein, Ahrtal, Eifel, Westerwald und Siegtal.
Weitere Themen
Artikel melden
Mayen erstrahlt in neuem Glanz
- Thomas Schmidt: Schön und gut! Aber insgesamt muss Mayen überall viel sauberer werden. Z.B. rundum die Einkaufsmärkte entlang der Koblenzer Straße. Dort hat man den Eindruck, dass die Stadt kapituliert hat. Z.T. liegt dort derselbe Müll monatelang.
UNKEL LIEST 2026: Vorlesefestival in Unkel
- Sylke Masson: Der Bücherflohmarkt findet in der katholisch öffentlichen Bücherei im Pfarrheim im Corneliaweg 3 statt.
BLICK aktuell-Bilderrätsel: Folge 5
- Christa Jobelius : Das ist der alte Brunnen vor den Römerthermen, wo früher das braune Breisiger Wasser floß. Dieser Brunnen wurde von der Familie Schuh vor ihrem Bäderhaus errichtet.
Statt der 35 war die 37 angekreuzt!
102 Millionen Euro: Koblenzer Lotto-Spieler verpassen Mega-Jackpot nur ganz knapp
Koblenz. 10.000 statt 102 Millionen Euro. Zwei befreundete Eurojackpot-Spieler aus Koblenz haben am Freitagabend einen riesigen Volltreffer nur hauchdünn verpasst – und trotzdem gewonnen. Lediglich eine Zahl fehlte zum ganz großen Wurf: Statt der 35 war die 37 angekreuzt.
Weiterlesen
Mons-Tabor-Bad
Freibad öffnet am 22. Mai 2026
Montabaur. Pfingsten ins Freibad? Das Mons-Tabor-Bad startet am Freitag, dem 22. Mai, in die Sommersaison. Dann ist das Außenbecken an Werktagen täglich von 13.00 bis 19.00 Uhr geöffnet, an den Wochenenden, Feiertagen und in den rheinland-pfälzischen Sommerferien geht der tägliche Badespaß von 10.00 Uhr bis 19.00 Uhr. Wer genug hat vom Schwimmen, Planschen und Rutschen kann sich ein gemütliches Plätzchen auf der Liegewiese, der Sonnenterrasse oder in der Cafeteria suchen und den Sommer genießen.
Weiterlesen
Der Kulturrenner(od) im Juni 2026
Musik, Natur und viel Literatur
Rennerod. Der Westerwaldverein ZV Rennerod veranstaltet am Sonntag, 7. Juni, eine geführte Mountain-E-Bike-Tour über ungefähr 50 Kilometer Länge. Die Strecke führt von Rennerod über die Fuchskaute, Rabenscheid, Langenaubach, Breitscheid, Heisterberg und Driedorf zurück nach Rennerod. Treffpunkt ist um 13:00 Uhr am St. Hubertusplatz an der katholischen Kirche in Rennerod. Der Veranstalter weist auf die Helmpflicht hin.
Weiterlesen
